Wallierhof
Bereits die 5. Generation absolviert das Projekt «Startpunkt Wallierhof»

Das Projekt «Startpunkt Wallierhof» feiert dieses Jahr sein 5-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass lud der Wallierhof alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler zu einem Treffen ein.

Daniela Zimmermann
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An der Feier gabs Neuigkeiten, und es wurde gelacht.

An der Feier gabs Neuigkeiten, und es wurde gelacht.

Isabel Mäder

Unsicher, mit eingezogenem Kopf und auf den Boden gerichteten Augen stehen die Jugendlichen vor der Wandtafel. Der Blick in die Kamera wird vermieden. Die Szenen sind schon mehrere Jahre alt und die gefilmten Jugendlichen sitzen heute selbstbewusst in der Aula des Wallierhofs und lachen über die alten Aufnahmen. Anlass für das Treffen ist das 5-Jahre-Jubiläum des Projekts «Startpunkt Wallierhof».

Ein erfolgreiches Projekt

Das Angebot ist im Kanton Solothurn einzigartig und erfreut sich grosser Beliebtheit. Es richtet sich an Schulabgänger, die noch keine Lehrstelle gefunden haben, jedoch keine Lust auf normalen Schulbetrieb mehr haben», erklärt Martin Rohn, Lehrer beim «Startpunkt». Zusammen mit Stefan Müller hat er das Projekt 2008 initiiert und ist auf offene Ohren gestossen. Der Bedarf nach einem alternativen Angebot war da und mit dem Solothurnischen Bauernverband (SOBV) ein Trägerverband gefunden. Der Wallierhof erwies sich als idealer Standort und den beiden Lehrern wurde eine Begleitkommission zur Seite gestellt. Mitfinanziert wird das Projekt vom Kanton, der das Schulgeld der Solothurner Schüler bezahlt.

Hohe Erfolgsquote

Rohn definiert das Ziel des Jahres ganz klar: «Alle Schüler sollten eine Lehrstelle finden, die ihnen entspricht.» Die Erfolgsquote ist hoch: In den ersten beiden Jahren wurden alle fündig und in den zwei letzten Jahrgängen fanden jeweils nur ein oder zwei Personen nicht das Passende. Diese Erfolge sind auch dem speziellen Aufbau des Zwischenjahrs zu verdanken. Der Schwerpunkt liegt nicht auf schulischen Leistungen, die nur 40 Prozent gewertet werden, sondern auf praktischer Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb oder in einem Privathaushalt (60 Prozent). «Dies kommt vielen Jugendlichen gelegen», erklärt Rohn, «sie haben keine Lust mehr auf Unterricht und wollen endlich einmal arbeiten.» Als die drei Standbeine des Projekts nennt Rohn dann auch «Praxisbezug, Lebensschule und Persönlichkeitsbildung». Einen grossen Teil des Jahres leben und arbeiten die Jugendlichen in der Praktikumsfamilie, weiter gibt es schulische Blockwochen, Schnupperwochen in möglichen Lehrbetrieben und Wochen, in denen Schule und Arbeit kombiniert werden.

Selbstbewusst in die Lehre

Die Arbeit auf den Betrieben sei eine Lebensschule. Den Jugendlichen tue es gut, Verantwortung zu übernehmen und mithelfen zu können. «Viele kennen das Gefühl nicht, bei einer Tätigkeit gebraucht und als Arbeitskraft geschätzt zu werden», so Rohn. «In diesem Jahr machen die Teenager enorme Fortschritte», sind sich die Lehrer einig. «Am Ende kennen sie ihre Fähigkeiten und haben ein selbstbewusstes Auftreten.» Dies zeigen die an der Jubiläumsfeier gezeigten Kurzfilme auf eindrückliche Weise. «Diese Fortschritte sind unter anderem den Lehrern zu verdanken», ist Peter Brügger, Projektleiter und Sekretär des SOBV, überzeugt. In den Blockwochen feilen sie unermüdlich am Auftreten der Schüler, mit Outdoortagen fördern sie den Gruppenzusammenhalt, und wenn es Probleme gibt, sind sie immer zur Stelle. Daneben sind sie auch Bindeglieder zwischen allen Beteiligten.

Grosse Nachfrage

Das Angebot ist nicht nur bei Jugendlichen und Bauernbetrieben gefragt: «Es kommt vor, dass ein Lehrmeister nachfragt, ob einer unserer Schüler eine Lehre in seinem Betrieb machen will», erzählt Rohn stolz. Vor allem die Selbstständigkeit der Jugendlichen nach dem Zwischenjahr werde geschätzt.

Momentan sind die Anmeldeverfahren wieder in vollem Gange. Rohn betont, dass es Sinn macht, sich über alternative Angebote zu informieren, wenn es bei der Lehrstellensuche nicht klappen will. «Viele melden sich jetzt schon bei uns an, damit sie eine Sicherheit haben.» Es komme aber oft vor, dass die Kandidaten die Anmeldung zurückziehen, weil sie eine Lehrstelle gefunden haben. Das hören die Lehrer natürlich auch gerne.