Sozialstern
Bellacher Kisag, Familienbetrieb mit der sozialen Ader

Die Kisag AG aus Bellach hat am Mittwoch den Preis für ihr Engagement für psychisch beeinträchtigte Menschen erhalten.

Simon Binz
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Landammann Peter Gomm übergibt Kisag-Chef Urs Brüngger den Solothurner Sozialstern.

Landammann Peter Gomm übergibt Kisag-Chef Urs Brüngger den Solothurner Sozialstern.

Hansjörg Sahli

Eigentlich will er es ja gar noch nicht so recht glauben: «Wir waren uns nicht einmal bewusst, dass das überhaupt jemand wahrnimmt.» Dann lobt Urs Brüngger zuerst noch all die anderen Firmen, «die so viel grösser sind und sich so grossartig für Arbeitsplätze einsetzen». Schliesslich dann aber doch: «Für uns ist es eine Wertschätzung und Anerkennung unserer Tätigkeit.» Von nun an Herr Brüngger, bitte keine falsche Bescheidenheit mehr.

Viele Integrationsmassnahmen

Urs Brüngger, seit 1995 Geschäftsführer des Bellacher Familienbetriebes Kisag AG, durfte gestern Abend im Alten Spital den Solothurner Sozialstern entgegennehmen. Vergeben wird der Preis jeweils während der Aktionstage Psychische Gesundheit (siehe Box) und zwar an eine Firma oder Institution, die sich im Kanton besonders vorbildlich für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung engagiert. Nominiert waren neben der Kisag AG auch die Zentralbibliothek Solothurn, die Senioren-Pension Fallern in Rüttenen und die Tradingzone in Biberist.

Die Jury habe sich schliesslich für die Kisag entschieden, weil alle vom grossen Einsatz der Firma beeindruckt gewesen seien, erklärte Jury-Mitglied Brigit Wyss bei der Preisverleihung. «In den letzten fünf Jahren hat das Unternehmen insgesamt 25 Menschen mit Praktika geholfen, wieder Fuss in der Arbeitswelt zu fassen.» Komme hinzu, dass daraus auch Festanstellungen entstanden seien und dies nicht nur in Ausnahmefällen. «Integration wird in der Kisag gelebt», so Wyss. Nicht zuletzt beweise das Familienunternehmen, dass man gewinnorientiert arbeiten und sich trotzdem sozial engagieren kann.

Viele Kooperationen

Im Vorfeld der Preisübergabe traf diese Zeitung Kisag-Chef Urs Brüngger zum Gespräch und wollte von ihm wissen, warum seine Firma den Sozialstern gewinnen wird. Seine äusserst bescheidene, aber ehrliche Antwort liest sich im ersten Abschnitt dieses Artikels. Das Gespräch ging entsprechend weiter: «Wir sind nur ein kleiner Arbeitgeber, unsere Produkte im Bereich der Küchenhelfer bieten sich aber für eine solche Zusammenarbeit an.»

Der Geschäftsführer spricht von Kooperationen mit der Vebo, der Regiomech, der Solodaris-Stiftung und weiteren Institutionen. Bereits seit vielen Jahren werden bei der Kisag nämlich einfache Verpackungs- und Montagearbeiten teilweise in geschützte Werkstätten der Region ausgelagert, so können rund 50 benachteiligte Menschen sinnvoll beschäftigt werden. «Vor einigen Jahren haben wir diesen Bereich ausgebaut und sind eine Zusammenarbeit mit Solodaris eingegangen, so kam es zu den Praktika», erklärt Brüngger.

«Es kann jeden treffen»

23 Personen arbeiten zurzeit bei dem Familienunternehmen. Vier Mitarbeiter kamen nach erfolgreich durchgeführten Praktika zu ihrer Festanstellung. Aus verschiedenen Gründen fielen sie aus dem Arbeitsprozess heraus und fingen sich dann bei der Kisag wieder auf. Heute können sie ohne Unterstützung wieder zu 100 Prozent arbeiten. «Das ist extrem wichtig, denn meiner Meinung nach ist der Zugang zu unserer Gesellschaft heutzutage die Arbeitsstelle», so Urs Brüngger. Der Verlust dieser raube einer Person die Selbstständigkeit und mache sie abhängig, «das kann sehr hart sein». Vor allem könne es jederzeit jeden treffen, «und wenn man dann etwas dazu beitragen kann, dass sich diese Person wieder auffängt, dann ist das sehr befriedigend», so Brüngger.

Woher der soziale Gedanke?

Wie integriert sich denn jemand in der Kisag AG? «Ich muss den Stiftungen ein Kränzchen winden», beginnt der Geschäftsführer. Er erklärt, dass diese eine grosse Unterstützung bieten, ihre Leute vor Ort betreuen und anfangs so auch die Berührungsängste nehmen. «Je nach Schwere des Falles entscheiden sie dann auch, was die Person machen kann.» Die Kisag stelle lediglich die Lokalität und die Arbeiten zur Verfügung. «Als Kleinbetrieb haben wir den Vorteil, dass wir entsprechend auf die Bedürfnisse einer Person eingehen können.» Wenn jemand zum Beispiel Probleme mit Zeitdruck habe, dann könne man diese Person davor schützen. Wichtig sei auch, dass sie in der Gruppe aufgenommen werde, damit sie sich mit der Zeit zu Hause fühle. «Da muss ich auch meinen Mitarbeitern einen grossen Dank aussprechen.»

Woher stammt der soziale Gedanke der Firma? Entspricht es Brünggers persönlicher Ideologie? «Wir sind ein Familienbetrieb, das sagt schon sehr viel», so Brüngger. Man möchte wirklich eine Familie sein, und bei einer Familie gehöre es dazu, jemandem seine Eigenheiten zu lassen und jede Person zu akzeptieren. «Das war schon bei meinem Vater so, ich glaube also nicht, dass es die Ideologie einer Firma ist, sondern vielmehr die Ideologie eines Familienbetriebes.» Schliesslich sei ein Arbeitsplatz mehr als nur Geld, «wie gesagt, eine Stelle bedeutet Existenz und Freiheit, darum kämpfen wir auch darum, dass wir rentabel bleiben und die Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten können».

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