Mit einem gebogenen Draht fischten die Täter Zahlungsanweisungen aus den Briefkästen von Banken heraus, fälschten sie und ergaunerten so über 150'000 Franken. Wären all ihre Betrugsversuche geglückt, hätten ihre Fälschungen gar anderthalb Millionen Franken eingebracht. Manchmal allerdings schöpften Bankangestellte Verdacht und die Zahlung blieb aus.

Ein Belgier kongolesischer Abstammung musste sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern für diese Vergehen verantworten. Einer seiner Komplizen, ein Angolaner, war vom Amtsgericht bereits im Jahr 2010 verurteilt worden.

«Abenteuerliche Geschichte»

Insgesamt sind in der Schweiz auf diese Weise 15 Einzeldelikte zusammengekommen, sie erfolgten von Mai bis Juli 2009. Die betroffenen Kantonal- oder Raiffeisenbanken lagen in den Kantonen Jura, Aargau, St.Gallen, Zug, Uri und Graubünden. Im Kanton Solothurn waren Filialen in Selzach und Luterbach betroffen.

Die Gerichtsverhandlungen finden bei «Mehrfach-Fällen» – und bei gleichschweren Delikten – in jenem Kanton statt, in dem die Strafverfolgung zuerst erfolgte. Die Bank in Selzach gehört zu jenen Banken, die Verdacht schöpften – und sofort die Strafverfolgungsbehörde informierten.

Der Belgier kongolesischer Abstammung war letztes Jahr bei der Einreise in die Schweiz gefasst worden. Dies, nachdem er durch den bereits verurteilten Angolaner belastet worden war. Vor dem Gericht bestritt der Belgier alles. Doch drei seiner Fingerabdrücke wurden auf zwei Einzahlungsscheinen und einer Zahlungsanweisung identifiziert. Dabei handelt es sich letztlich um den einzigen konkreten Beweis. Von den andern Komplizen gab es immerhin Bilder von Videoüberwachungskameras.

Auf die Frage, wie die Fingerabdrücke auf die Dokumente gelangt seien, erzählte der 42-Jährige eine Geschichte, die, so Staatsanwalt Raphael Stüdi, «ziemlich abenteuerlich» ist. Geschehen sei dies, wie der Angeklagte vor Gericht aussagte, als er dem Angolaner sein Auto verkaufte. Dabei habe er auf der Suche nach leeren Blättern für das Aufsetzen des Kaufvertrags einen Ordner des Angolaners durchstöbert. In diesen Ordner hätten sich auch die besagten Dokumente befunden.

Seine Anwältin Sabrina Weisskopf versuchte, diese Argumentation zu unterstützen, indem sie die Lage der Abdrücke anhand eines Zettels demonstrierte. Sie kritisierte, dass man den schon zuvor Verurteilten als glaubwürdig erachtet: «Es ist mir schleierhaft, dass man sich auf ihn abstützt, er hat die Behörden mehrfach an der Nase herumgeführt.»

Er habe nur das zugegeben, wofür auch Beweise vorlagen und er habe ihren Mandanten, nur deshalb nicht stärker belastet, weil Beweise dagegen gesprochen hätten. «Man kann aus seinen Aussagen nicht einfach jene herauspicken, die einem passen.» Auch bemängelte sie, dass die Delikte so weit zurücklägen, dass es der Verteidigung unmöglich war, Beweise zu besorgen. Es hätten «erschreckend wenige Banken Überwachungskameras».

In Deutschland verurteilt

Sabrina Weisskopf schilderte, wie sie vergebens Daten bei der Air France verlangte, um einen entlastenden Ferienaufenthalt im Juli im Kongo zu belegen. Das Unterfangen scheiterte daran, dass die Airline entsprechende Daten keine zehn Jahre lange aufbewahrt. Weiter verwies die Anwältin auf einen für ihren Mandanten ungünstigen Sachverhalt: Ein Gericht im deutschen Kempten, wo der Belgier für gleiche Delikte vor Gericht stand, hatte ihn verurteilt. Es habe sich um ein abgekürztes Verfahren gehandelt, bei dem der Staatsanwalt dem Belgier bei einem Geständnis Haftentlassung zugesichert habe.

Er habe nur Fahrdienst geleistet, hielt der Angeklagte vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern fest. Mit Fahrdiensten, etwa von Köln nach Brüssel, verdiene er sein Geld, wie auch mit dem Handel von Gebrauchtwagen. Ansonsten sei er tageweise im Lebensmittelgeschäft seiner Eltern in einem Brüsseler Vorort tätig. Zwar habe er eine Informatiker-Ausbildung auf Hochschulniveau, doch konnte er nur wenige Jahre in Irland als Informatiker arbeiten. Danach jobbte er als Küchenarbeiter.

Das Gericht mit Amtsgerichtspräsident Yves Derendinger, Christoph Mathys und Rosmarie Châtelain fand, dass der Angolaner «im Kerngehalt konsistente Aussagen» machte und «keinen Grund gehabt» habe, den Angeklagten «zum Sündenbock zu machen». Die Fingerabdruck-Erklärung gehe zeitlich nicht auf. «Die Vorstrafe in Deutschland rundet das ganze Bild ab.»

Das Amtsgericht verurteilte den Belgier wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und Diebstahls zu 36 Monaten Gefängnis. Seit zehn Monaten befindet er sich bereits in Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Damit gingen die Richter über Stüdis Forderung hinaus.

Sein Komplize erhielt vor Jahren weit weniger, er kassierte nur 27 Monate. Die Bande ging raffiniert vor, eröffnete mit gefälschten Pässen diverse Konten unter verschiedenen Namen. Sie fuhren in Hotels im grenznahen Ausland, fälschten dort die Dokumente und steckten sie am Folgetag wieder in den Bankbriefkasten.