Ein Neujahrskonzert mit einer Rossini-Ouvertüre (Die Italienerin in Algier) zu beginnen, heisst spritzig, sprühend und geistreich in die neue Konzertsaison zu starten. Rossini-Girlanden waren sozusagen die «Antipasti», einschliesslich das berühmte «Largo al factotum della città» aus dem «Barbiere di Siviglia». Geani Brad, den Solothurner Theatergängern in der Titelpartie bestens in Erinnerung, gestaltete Figaros Auftrittsarie routiniert, mit Energie und Virtuosität. Der aus Rumänien stammende Bariton zeigte Stimmkultur und Belcanto. Harald Siegel gab mit dem Stadtorchester einen prononcierten Rhythmus vor, der Figaros Umtriebigkeit unterstützte, angereichert mit Verve und Finesse.

Als Conte di Luna gepunktet

Steht grosse Oper im Zentrum, markiert Verdi den Hauptgang und der «Triumphmarsch» aus seiner «Aida» das Sahnehäubchen. Zumal Urs Schär und Oliver Waldmann auf den Balkon stiegen und die Fanfaren der «Verdi-Trompeten» aus der Höhe erschallten. Der Ausschnitt aus dem «Troubadour» ermöglichte es Geani Brad, als Conte di Luna zu punkten und mit robustem Verdi-Bariton und Legatokultur zu überzeugen. Sein «Il balem del suo sorriso» liess für einmal ahnen, dass dieser Graf nicht nur auf dem politischen Parkett als Gegenspieler Manricos aufkreuzt, sondern auch im Kampf um Leonoras Liebe. Nicht ganz so überzeugend, wenn auch durchaus kultiviert, Belcores «Come Paride vezzoso». Die Cavatine aus Donizettis «L’elisier d’amore» hätte ein bisschen mehr Italianità vertragen.

Hingegen lieferte der Bariton mit Valentins Gebet «Avant de quitter ces lieux» aus Gounods «Faust» eine wohlklingende Kostprobe seines französischen Repertoires. Der Arien-Reigen wurde vom Stadtorchester Solothurn und dem dynamischen Impulsgeber Harald Siegel immer bestens unterstützt. Der Spagat von der italienischen Oper zu Peter Tschaikowsky und seinem «Eugen Onegin» erwies sich dann aber doch als Grenzerfahrung. Der «Polonaise» fehlte es an tänzerischer Leichtigkeit, Schwung und Eleganz.

Den Damen gehuldigt

Qualitäten, die das Stadtorchester hingegen der Ouvertüre zur Strauss-Operette «Eine Nacht in Venedig» angedeihen liess und damit ein gelungenes «Dolce» auftischte. Die Zuhörerinnen und Zuhörer schwelgten im Dreivierteltakt und der honigsüssen Melodie des «Kaiserwalzers». Nach der Goldenen Operettenära mit Johann Strauss folgte die silberne mit Franz Lehár und seiner lustigen Witwe.

Graf Danilo alias Geani Brad besuchte das Maxim und huldigte den Damen. Aber nicht alleine: Der Publikums-Chor intonierte nicht nur die Reminiszenz «Lolo, Dodo, Jou-Jou, Clo-Clo, Margot, Frou-Frou», sondern sang stimmstark die ganze Ode ans Vaterland. Das Mitsingen zauberte rundum ein Schmunzeln auf die Gesichter, brachte Augen zum Funkeln. Erst recht, als es nach der «Explosionspolka» knallte und ein Schuss schimmernde Goldsprenkel in den Saal katapultierte. Für die abschliessende, stehende Ovation bedankte sich Bariton Geani Brad mit dem Tenor-Hit «O sole mio» – und das Stadtorchester mit dem obligaten Radetzkymarsch.