Weissenstein-Gondelbahn
Beim Seilbahn-Chef ist die Sehnsucht viel grösser als die Nostalgie

Manche können es gar nicht fassen: Die Gondeln schaukeln am Berg. Doch bis zum Betriebsstart gibt es noch viel zu tun. Unser Redaktor Sven Altermatt war zu Besuch auf dem Solothurner Hausberg.

Sven Altermatt
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Bei der Talstation
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Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Und hoch gehts!
Mittelstation
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Weissenstein-Gondeli im Nebel
Unten Nebel, oben blauer Himmel
Blick ins Tal
Die Gondeli schweben empor
Impressionen vom Weissenstein
Besuch auf dem Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Hier wird gearbeitet
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Mittelstation der Weissenstein-Gondelbahn
Mittelstation
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein
Impressionen vom Weissenstein

Bei der Talstation

Tina Dauwalder und Tom Ulrich

Der Nebel hängt tief am Weissenstein. Oberdorf liegt im Grau, das ist öde, aber nun gut. Wer an diesem Morgen durch die halbhohen Fenster des alten Bahnhofs blickt, sieht ein Dutzend Männer, wie sie ihre Köpfe zusammenstrecken und in Unterlagen blättern. Der Tisch ist mit Akten übersät.

Im früheren Wartesaal hat die Führung der Seilbahn Weissenstein ihr Sitzungszimmer eingerichtet. Das provisorische Büro von Geschäftsführer Konrad Stuber liegt eine Tür weiter; der Wind bläst durch die Ritzen. Trübsal blasen mag Stuber deswegen nicht. Denn wenige Meter neben dem Bahnhof, im Untergeschoss der Talstation, wächst gerade sein neues Büro heran. Läuft alles nach Plan, wird er hier in vier Wochen einziehen können. Stuber selbst hat daran keine Zweifel.

Noch ragen Kabel aus Boden und Wänden. Doch schon jetzt führt der Chef stolz durch den Raum; schon jetzt erzeugt viel Holz ein Gefühl von Wärme. Stuber spricht mit sanfter Stimme, in deren Ruhe jedoch Bestimmtheit liegt. Und wie der 53-Jährige da steht, sieht er aus, wie sich viele vielleicht einen zupackenden Typen vorstellen: Schuhe mit Profil, abgewetzte Jeans, Funktionsjacke.

Freigabe am 19. Dezember?

Während der Blick des Besuchers zur kühn geschwungenen Dachlinie schweift, verspürt er plötzlich so etwas wie Vorfreude. Schaut er dann rüber an den Berg, schweben Gondeln zwischen den Masten. Der Probebetrieb läuft. Eine bezaubernde Szenerie.

Eröffnung am 20. Dezember: Einladungen sind verschickt

Am Samstag, 20. Dezember, wird die neue Gondelbahn eröffnet. Die Plätze auf der
Gästeliste des offiziellen Festakts dürften heiss begehrt sein. 150 Einladungen hat die
Betreiberin verschickt. Derweil profitieren «Tout Soleure» und alle anderen am ersten Betriebstag von günstigen Fahrscheinen:
Erwachsene bezahlen 10 Franken für ein Billett, Kinder-Tickets werden 5 Franken
kosten. Weitere Details zum Eröffnungstag sind noch nicht bekannt. (sva)

Heile Welt am launigen Aussichtsberg? Denkste. Die Idylle findet gleich ein jähes Ende. Ein Zeitgenosse ohne Gespür für Musse – so ärgert sich der Besucher im ersten Moment – lässt eine Motorsäge kreischen. Doch halt – schiesst es ihm dann bald in den Kopf: Lass das Ding nur rattern, du tapferer Arbeiter! Schliesslich gibt es noch viel zu tun, und schon am 20. Dezember soll die Bahn ja bekanntlich in Betrieb gehen.

Der Zeitplan ist eng getaktet. Man denke nur an die Hürden, bis das entscheidende Papier aus Bern ins Haus flattert: Läuft alles nach Plan, wird es am 19. Dezember so weit sein. Ist das nicht knapp, einen Tag vor der Eröffnung? Stuber schüttelt den Kopf, wirft die Hände in die Luft und lächelt fein. «Es wird klappen.» Es muss klappen. Allein, dieser Mann ist es sich gewohnt, gegen Schwarzmalerei anzukämpfen. Diesen Umstand würde nach dem Sesseli-Gondeli-Hickhack wohl niemand bestreiten.

Der unerschütterliche Chef

An den drei Bahnstationen sind noch immer Bauarbeiter am Werk, derweil unterziehen Ingenieure die Bahn einer gründlichen Prüfung. Statt Menschen befinden sich heute noch 540 kg schwere Betonblöcke in den Gondeln, etliche Tonnen Last sind da unterwegs.

In der Mittelstation drückt einer auf den roten Knopf. Notbremsung. Halten die Seile? Und wie reagiert die Umlenkrolle? Stuber schaut immer wieder im Kontrollraum vorbei, verfolgt den Test mit Kopfnicken und fragt nach, ob denn alles glattlaufe. Sein vorläufiges Fazit: «Die Vorabnahme läuft wie gewünscht. Das zeigt, wie präzis beim Bau gearbeitet wurde.» Nur da und dort brauche es noch kleine Feinarbeiten oder Justierungen.

Die Bauarbeiten an den Stationen sind da vielleicht schon der grössere Brocken. Kahle Wände, Fensterrahmen ohne Scheiben, Kabelbündel? Ach, beruhigt Stuber den Besucher abermals, er solle sich deswegen keine Sorgen machen. «Die Arbeiter sind höchst motiviert, die schaffen das.» Er will sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nicht von den Zweiflern, die nur nach Fehlern suchen. Nicht von den Enthusiasten, die lieber heute als morgen mit der Bahn auf den Berg wollen.

Der Dirigent, scheints, ist weniger nervös als das Publikum da unten in der Stadt, wo Berg und Bahn irgendwie immer im Gerede sind. Als ob der Weissenstein nicht nur so etwas Ähnliches wie Heimat stiftet, sondern dem Solothurner Lebensgefühl etwas Gutes tut.

Der Antrieb brummt schon

Für eine Pause hat Stuber, der seit anderthalb Jahren auf Ferien verzichtet, freilich keine Zeit. Er setzt sich mit dem Besucher ins Auto und düst die Passstrasse hinauf, mitten durch die Nebelsuppe. Hinter dem Steuer berichtet er von der ersten Testfahrt in einer der 49 Gondeln. Ein Moment, von dem Stuber seit sechs Jahren träumte. Und von dem er manchmal fürchtete, er würde nie kommen. «Klar», sagt er, «die Fahrt war ein schönes Gefühl. Richtig schön.»

Ankunft bei der Mittelstation auf dem Nesselboden. Männer in Latzhosen laufen über das Gelände, manche sind mit roter Farbe besprenkelt. Gleich will Stuber also das viel beschworene Herzstück der Bahn präsentieren.

Doch zuerst gönnt er sich ein wenig Schwärmerei. Die Architektur der Stationen hat es ihm angetan. «Ich fühle mich darin einfach wohl.» Da sei es auch egal, ob man diese nun mit einer Kathedrale oder mit einem Hangar vergleiche. Wie dem auch sei: Zweifellos stehen da keine spiessigen Zweckbauten.

Parkplatz-Beschwerde: Die Verhandlungen laufen noch immer

Vielleicht ist es ja tatsächlich der letzte Kampf für die Betreiber der Gondelbahn: Eine Beschwerde der BLS Netz AG ans Verwaltungsgericht
verzögert den Bau der Parkplätze bei der Talstation in Oberdorf. Grund dafür: Die Besitzerin des Parkplatz-Areals und die Seilbahn Weissenstein AG sind sich nicht einig, wie die Parkplätze überhaupt
gestaltet werden sollen. Man sei jedoch zuversichtlich, eine Lösung zu finden, hiess es Anfang November.
Details sind weiterhin nicht bekannt. Die Parteien haben Stillschweigen vereinbart und bestätigen einzig, dass man weiter-verhandeln werde. Eine Einigung sei noch nicht erzielt worden, erklärt ein BLS-Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. Bereits diesen Montag endet die amtliche Frist zur Stellungnahme. (sva)

Drinnen, im Erdgeschoss, riecht es nach Metall. Stuber öffnet die Türe zum Maschinenraum. Der Antrieb brummt, oben dreht sich die Umlenkrolle. Natürlich erinnert Konrad Stuber nun daran, dass seinerzeit zwei Antriebe, je einer pro Abschnitt, geplant gewesen seien. Damit hätten die beiden Bahnsektionen unabhängig voneinander betrieben werden können. Dann wurden die Pläne überarbeitet – um den Lärm zu reduzieren und die Bahn-Gegner zu besänftigen. «Seis drum», sagt Stuber. Die Bahn habe jetzt eben einen Antrieb. Bald werden seine Worte vom Rattern der Anlage erstickt.

Sehnsucht, keine Melancholie
Ja, mit den Gondeln ist die Zeit der Sessel ein für alle Mal abgelaufen. Die letzten Zweifel sind beseitigt, Bedenken zerstreut. Unweigerlich. Für die einen mag das schwer zu ertragen sein, doch beim Seilbahn-Chef ist die Sehnsucht unendlich viel grösser als die Nostalgie.

Was bringt der Endspurt? Stuber muss nicht lange nachdenken, den Zeitplan kennt er auswendig: Am 29. November folgt die «Katastrophe mit Ansage», eine grosse Rettungsübung. Anfang Dezember wird die Bahn vom Bundesamt für Verkehr an mehreren Tagen eingehend geprüft. Die alles entscheidende Abnahme. Am 19. Dezember soll die Betriebsfreigabe erfolgen. Gewerkelt, sagt Stuber, werde bis zum Schluss.

Für den Geschäftsführer, aber nicht nur für ihn, beginnt das letzte Kapitel eines aufreibenden Krimis. Kalt lassen wird es niemanden. Volkes Seele bangt mit, auch auf der Zielgeraden. Gibt es ein spektakuläres Finish? Die Gondeln jedenfalls schaukeln schon den Berg hoch. Und das ist derzeit das Wichtigste.

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