Prognosen

Beim Blick in die Kristallkugel zeigt sich keine Trübung für Solothurner Wirtschaft

Anja Hochberg: «Wir gehen davon aus, dass sich der Konjunkturaufschwung in der Schweiz weiter fortsetzt. Dies überträgt sich auch auf Solothurn.»

Anja Hochberg: «Wir gehen davon aus, dass sich der Konjunkturaufschwung in der Schweiz weiter fortsetzt. Dies überträgt sich auch auf Solothurn.»

Anja Hochberg, Ökonomin bei der Credit Suisse, sieht die Solothurner Wirtschaft auch 2019 auf Kurs.

Just wenn die Unternehmen daran sind, ihre Budgets fürs nächste Jahr vorzubereiten, dann lädt die Solothurner Credit Suisse jeweils zum Konjunkturausblick für die nächsten Monate ein. Am Donnerstag war dies wieder der Fall. 290 Unternehmer und Kunden der Grossbank kamen ins Solothurner Landhaus, um dem Ausblick der CS-Topökonomin Anja Hochberg zuzuhören.

Wer kam, dürfte den Saal mit einem guten Gefühl verlassen haben: Hochberg, die bereits zum 18. mal in Solothurn referierte, hatte gute Nachrichten für die hiesige Wirtschaft. Das Wachstum in der Schweiz soll sich zwar von den 2,7 Prozent auf 1,7 Prozent etwas verlangsamen – aber trotzdem 2019 steigen, auch wenn Hochberg warnte, dass es branchenspezifisch grössere Unterschiede geben könnte. Positive Vorzeichen sieht sie für Industriezweige, die im Kanton wichtig sind: Etwa für die Medizinaltechnikindustrie, die mit 9 Prozent Wachstum die besten Werte seit 2008 vorweise. Auch die Uhrenindustrie verzeichne mit 8 Prozent einen deutlichen Zuwachs, «ist aber noch nicht auf dem Niveau von 2014». «Hongkong ist wieder zurück als wichtigster Mark», sagt sie. Auch in der Maschinen- und Metallindustrie zeigt sich laut Hochberg «der Aufschwung deutlich».

Warnungen sprach Hochberg zwar auch aus, etwa bezüglich des Brexits, eines Handelskriegs USA-China oder Turbulenzen in Italien. Für Hochberg der «sensibelste Punkt», der auch das Franken-Euro-Verhältnis beeinflussen könnte. So oder so sei es am schwierigsten, Wechselkurse zu prognostizieren. So schwierig, dass bei vielen Leute die Neigung bestehe, den jeweils aktuellen Kurs fortzuschreiben.

Anja Hochberg, laut der Konjunkturforschungsstelle KOF blicken die Solothurner Unternehmer derzeit positiv in die Zukunft. Haben Sie Grund dazu?

Anja Hochberg: Absolut. Wir gehen davon aus, dass sich der Konjunkturaufschwung in der Schweiz weiter fortsetzt. Dies überträgt sich auch auf Solothurn und die dort ansässigen Industrien. Wir können also mit Optimismus in die Zukunft schauen. Die grossen Wachstumsraten können sich vielleicht nicht ganz in dieser Intensität fortsetzen, nach oben geht es aber auf jeden Fall.

Was bringt das Jahr 2019?

Ein robustes Konjunkturbild, das wie gesagt etwas schwächer ist als jenes von 2018. 2019 ist das Jahr mit der ersten kleinen Zinserhöhung in der Schweiz. Wir gehen trotzdem davon aus, dass am Ende 2019 der Schweizer Franken etwas schwächer ist, als er dies heute ist.

Die Exporte bleiben auf hohem Niveau?

Absolut. Sie werden sich vielleicht ein kleines bisschen abschwächen. Wir gehen aber davon aus, dass die gute globale Konjunkturdynamik und die Stabilisierung in den Schwellenländern die Schweizer Exporte auf anhaltend hohem Niveau verharren oder weiter zulegen lassen.

Und Medtech- sowie Uhrenindustrie?

Sowohl die Medtech als auch die Uhrenindustrie profitieren vom globalen Konjunkturaufschwung. Und natürlich gibt es auch strukturellen Komponenten. Sowohl in der Medizinaltechnik bei demografischen Entwicklungen, als auch in der Uhrenindustrie, die wieder zunehmend vom Aufwärtstrend in Asien profitieren kann.

Sehen Sie Gefahren?

Die globale Konjunktur ist nie ohne Risiken. Dies kann sich natürlich auch in Solothurn niederschlagen. Eine Verschärfung der Diskussion um Italien könnte beispielsweise den Schweizer Franken aufwerten. Dies ist für die Exportindustrie, auch in der Region, immer ein gewisses Risiko.

Die Arbeitslosenquote ist tief. Das klingt erfreulich.

Das ist natürlich so. Ein tiefe Arbeitslosenquote spricht für die hohe Konjunkturdynamik in der Schweiz, heisst aber auch, dass es für Unternehmer schwierig wird in der Schweiz, gewisse Qualifikationen am Arbeitsmarkt einkaufen zu können. Das bringt steigende Löhne mit sich und das müssen die Unternehmen gut abwägen wie weit sie noch weiter voranschreiten werden.

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