Die Geschäfte des Burgdorfer Medizinaltechnikunternehmens Ypsomed laufen gut, offenbar sehr gut. Nachdem im vergangenen Dezember der Ausbau des Standortes Solothurn angekündigt und inzwischen in Arbeit ist, bereiten sich die Burgdorfer bereits auf den nächsten Wachstumsschub vor.

«Ypsomed investiert im Industriepark Schwerin», titelte die Wirtschaftsförderung des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern in Norddeutschland kürzlich eine Medienmitteilung. Ypsomed-Sprecher Benjamin Overney bestätigt die darin gemachten Aussagen.

Demnach investiert Ypsomed über 50 Millionen Euro in eine neue Fabrik und in Maschinen für die Fertigung von sogenannten Pensystemen (Injektionssysteme zur dosierten Abgabe von Insulin).

Innert sechs Jahren will das Unternehmen auf einem Areal von 20 Hektaren im Industriepark Schwerin stufenweise rund 200 neue Arbeitsplätze schaffen. Es besteht die Option, die Fläche zu verdoppeln. Bereits gegen Ende 2018 soll die Produktion der Insulin-Pens für die Selbstmedikation bei Diabetes-Patienten starten.

«Reine Kapazitätserweiterung»

Es handle sich nicht um eine Verlagerung, sondern um «eine reine Kapazitätserweiterung», hält Overney fest. Diese habe keinen Einfluss auf die Arbeitsplätze an den Standorten in der Schweiz. Deshalb werde der Ausbau in Solothurn wie geplant durchgeführt.

Im vergangenen und im laufenden Geschäftsjahr will Ypsomed bekanntlich insgesamt 90 neue Arbeitsplätze in Solothurn schaffen. Und es könnten noch mehr werden. Overney: «Je nach Ausgestaltung der Unternehmenssteuerreform III im Kanton Solothurn werden wir sogar noch weitere Stellen vom Kanton Bern nach Solothurn verschieben.»

Für die jetzt angekündigte zweite Ausbaustufe der Produktion zog der Grossraum Solothurn aber den Kürzeren. Man habe für den Ausbau 2020 bis 2030 Land in der Grössenordnung von 10 Hektaren plus 5 Hektaren als Option gesucht.

Sowohl in Bern wie in Solothurn seien solche Flächen nicht verfügbar. Zwar hätten die kantonale Wirtschaftsförderung und die Stadt Solothurn die Suche aktiv und sehr hilfreich unterstützt. «Leider aber konnten sie uns kein Angebot machen, welches unseren Bedürfnissen an Fläche und Zeitpunkt entsprochen hätte.»

Der Spatenstich in Schwerin soll nämlich bereits im Frühling 2017 erfolgen. Die Nachfrage nach Pensystemen sei überraschend stark, weshalb Ypsomed die Produktion rascher als ursprünglich geplant ausbauen müsse. Man habe auch Standorte in Tschechien geprüft.

Dort sei aber die Verfügbarkeit von Fachkräften bereits ein Problem, so Overney. Im Gegensatz dazu gebe es in Mecklenburg-Vorpommern zu wenig Arbeitsmöglichkeiten für Fachkräfte, die deshalb täglich in den Grossraum Hamburg pendelten.

Vergleichsweise tiefe Lohnkosten

Nebst den Faktoren wie verfügbare Fläche und qualifiziertes Personal sind logischerweise die Kosten mitentscheidend. «Die Lohnkosten spielen klar eine Rolle. Sie sind in Schwerin weniger als halb so hoch wie in der Schweiz für vergleichbare Arbeitsleistungen», hält Overney fest.

Auf die Frage, ob die Wirtschaftsförderung Mecklenburg-Vorpommern die Aufbauinvestitionen teilweise subventioniere, gab es keine Auskunft. «Dazu äussern wir uns nicht.»

Dabei ist bekannt, dass gerade die neuen Bundesländer ausländische Firmen auch mit Anschubfinanzierungen anlocken. «Das intensive Werben in der Schweiz hat sich für unser Land gelohnt», wird denn auch Harry Glawe, Wirtschaftsminister des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, in der Mitteilung zitiert.

Er bereiste 2015 die Schweiz und traf sich auch mit den Managements von Nestlé und eben Ypsomed. In Schwerin werden sie nun direkte Nachbarn. Nestlé betreibt im Industriepark seit 2014 eine Gross-Produktion für Kaffeekapseln.