Kanton Solothurn
Bei Vebo stehen Zeichen auch nach Stabwechsel auf Kontinuität

Vor einem Jahr kam es in der Genossenschaft Vebo zur Rochade. Ein Umbruch hat es durch den Stabwechsel jedoch nicht gegeben. Die Zeichen stehen auf Kontinuität, wie sich an der 1.Generalversammlung zeigte.

Christian von Arx
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Der im Amt bestätigte Vebo-Verwaltungsrat mit Direktor, von links: Verena Büttiker-Huggel, Christine Mutti, Verwaltungsratspräsident Martin Plüss, Direktor Gilbert W. Giger, Daniel Thommen und Aloysia Sieber.

Der im Amt bestätigte Vebo-Verwaltungsrat mit Direktor, von links: Verena Büttiker-Huggel, Christine Mutti, Verwaltungsratspräsident Martin Plüss, Direktor Gilbert W. Giger, Daniel Thommen und Aloysia Sieber.

Bruno Kissling

Nach 25 Jahren als Direktor der Genossenschaft Vebo hatte Martin Plüss diesen Posten letztes Jahr an Gilbert W. Giger übergeben – gleichzeitig wechselte er als Nachfolger von Béat Loretan ans Pult des Verwaltungsratspräsidenten der Vebo. Am Montag, an der ersten Generalversammlung nach der Rochade, zeigte sich: Bei der Vebo stehen die Zeichen nicht auf Umbruch, sondern auf Kontinuität.

In Anwesenheit von über 300 Genossenschaftern und zahlreichen politischen Gästen – angeführt vom Solothurner Landammann Roland Heim – führte Martin Plüss im Oensinger Bienkensaal straff und souverän durch die Traktanden. Fragen oder Anträge aus dem Saal gabs keine, alle Geschäfte wurden einstimmig im Sinne des Verwaltungsrates entschieden.

Das gilt auch für die Wiederwahl aller fünf bisherigen Verwaltungsratsmitglieder. Das Gremium setzt sich demnach weiterhin zusammen aus Präsident Martin Plüss (Balsthal), Vizepräsidentin Aloysia Sieber (Langendorf), Verena Büttiker-Huggel (Dornach), Christine Mutti (Oensingen) und Daniel Thommen (Basel). Zarte Heiterkeit im Saal kam erst auf, als Plüss nach dem fast «sowjetisch» anmutenden Wahlakt selber diskret das Kommando geben musste: «Jetz chöme d Bluemestrüüss!»

Kein Thema war am Montag der Wirbel, den letzten Herbst eine FDP-Interpellation im Kantonsrat mit der Frage nach den Entschädigungen der Vebo-Führung ausgelöst hatte. Die Vebo legte darauf im Dezember die Bezüge des Direktors und des Gesamt-Verwaltungsrates offen (wir berichteten).

1503 Genossenschafter zählt die Vebo heute, 20 mehr als vor einem Jahr. Wobei die Privaten 19 Prozent, die Kunden und Lieferanten 28 Prozent und die öffentlichen Verwaltungen 53 Prozent des Genossenschaftskapitals halten. «Wir möchten, dass die Bevölkerung unsere Idee – die Förderung der Eingliederung Behinderter durch private Träger – mitträgt», sagte der VR-Präsident bescheiden.

Nicht nur ihre Aufgabe ist unbestritten, auch die Vebo als Institution ist breit getragen, wie sich im vergangenen Jahr mit dem Jubiläum 50 Jahre Vebo gezeigt hatte. Nebst den Jubiläumsauftritten (mit der Heso-Sonderschau) erweiterte die Vebo auch ihr Personalrestaurant «Treffpunkt» um 90 Plätze und ihre Werkstätte in Breitenbach um 70 Arbeitsplätze.

«Einer der grössten Arbeitgeber»

«Die Vebo ist einer der grössten Arbeitgeber im Kanton Solothurn», rief Landammann Heim in Erinnerung. Laut dem Jahresbericht beschäftigte die Vebo Ende Jahr 1283 behinderte und 1629 nichtbehinderte Mitarbeitende.

Bei einem leicht gestiegenen Personalbestand machte die Vebo 76 Mio. Franken Umsatz, praktisch gleich viel wie im Vorjahr, und einen deutlich verringerten Jahresverlust von 203 000 Franken. Vom gesamten Ertrag entfielen 37 Prozent auf den Produktionsertrag der Vebo-Werkstätten, 33 Prozent auf die Erträge anderer Dienstleistungen (wie der Wohnheime) und 28 Prozent auf die Beiträge des Trägerkantons Solothurn und weiterer Kantone.

Auch für die Vebo sei die überraschende Aufhebung des fixen Euro-Wechselkurses «sehr spürbar», erklärte Direktor Gilbert W. Giger, der die operative Leitung vor 12 Monaten übernommen hatte. Doch sei die Schockstarre rasch durch Reaktionen abgelöst worden. «Gefährlicher sind eher die langsamen, schleichenden Veränderungen, die verkannten Risiken.» Ein wichtiges Mittel zu deren Minimierung sei die Strategie eines Unternehmens. Giger dankte für das Vertrauen des Verwaltungsrates, der das operative Kader in seine Strategie mit einbeziehe – Kontinuität also auch hier.