Spitex-Tag
«Bei uns stehen Pflegefachpersonen im Einsatz - wie im Spital»

Frauen, die den Senioren zu Hause bei der Körperpflege helfen und Strümpfe wechseln: Dieses Klischee gilt bei der Spitex als weit verbreitet. Im Rahmen des Spitex-Tages will sich die Pflegeorganisation als «attraktive Arbeitgeberin» positionieren

Sven Altermatt
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Beatrice Grolimund führt seit vier Jahren den Spitex-Verband Kanton Solothurn.

Beatrice Grolimund führt seit vier Jahren den Spitex-Verband Kanton Solothurn.

Alois Winiger

«Noch immer wissen viele nicht, wer eigentlich bei der Spitex arbeitet», sagt Beatrice Grolimund. Sie ist Geschäftsleiterin des Spitex-Verbandes Kanton Solothurn (SVKS). Ein paar nette Frauen, die Senioren zu Hause besuchen, bei der Körperpflege helfen und Strümpfe wechseln: Glaubt man Grolimund, so ist dieses Bild weitverbreitet.

Private Spitex: «Gleich lange Spiesse»

Zum Spitex-Angebot gehören unter anderem auch ein Reinigungsdienst und ein Kochservice. Für diese Hauswirtschaftsleistungen erhalten die öffentlichen Spitex staatliche Subventionen. Private Organisationen gehen leer aus.In der Nachrichtensendung «10 vor 10» haben Vertreter von privaten Spitex jüngst die «hohen Zuschüsse» für die Öffentlichen angeprangert. Umstritten sind die Subventionen für Hauswirtschaftsleistungen unter anderem im Kanton Bern. Dort sollen sie mithilfe eines Sparpaketes gedrosselt werden. Wie sieht es im Kanton Solothurn aus? «Hier herrschen unhaltbare Zustände», sagt Marcel Durst, Geschäftsführer der Association Spitex Privée Suisse (ASPS). Durst vertritt mit seinem Verband rund 110 private Spitex-Organisationen. Er ist der Meinung, dass die privaten Spitex von den Behörden benachteiligt werden. «Wir erhalten keine Subventionen, obwohl wir die gleiche Arbeit wie die Öffentlichen machen.» Beatrice Grolimund, SVKS-Geschäftsleiterin, hält dagegen: «Wir haben einen öffentlichen Leistungsauftrag zu erfüllen.» Konkret: Die Öffentlichen seien verpflichtet, jeden Klienten, der vom Arzt eine Haushaltshilfe verordnet bekommt, aufzunehmen. «Dazu gehören auch Patienten in abgelegenen Berggebieten.» Grolimund betont, dass sich auch Private für Leistungsaufträge bewerben könnten. Dazu Marcel Durst: «Das haben wir gemacht, aber solche Bewerbungen werden in Solothurn jeweils abgeschmettert
Als Reaktion auf den Spitex-Tag der Öffentlichen fordert der ASPS in einem Communiqué nun «gleich lange Spiesse für gleiche Leistungen.» (SVA)

Nun haben die öffentlichen Spitex-Organisationen dem Klischee den Kampf angesagt. Am nationalen Spitex-Tag morgen Samstag soll die Bevölkerung erfahren, warum die Pflegeorganisation eine «attraktive Arbeitgeberin» ist. Auch im Kanton Solothurn haben die rund 30 Spitex-Ableger zahlreiche Aktivitäten geplant.

Infostände und «Spitzbuben»

«Die lokalen Organisationen sind völlig autonom. Jede gestaltet den Spitex-Tag deshalb anders», erklärt Beatrice Grolimund. So wird es in Solothurn (auf dem Märetplatz) und in Bellach (beim Coop) Informationsstände geben.

Regierungsrat: Beschwerde abgelehnt

Im März 2013 hat die Association Spitex Privée Suisse (ASPS) gegen Gesundheitsdirektor Peter Gomm (SP) eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Der Verband kritisiert, dass die privaten Spitex bei der Erteilung von Betriebsbewiligungen nach den gleichen Kriterien wie subventionierte Organisationen beurteilt werden. Das heisst im Klartext: Im Kanton Solothurn gelten für private und öffentliche Spitex dieselben Auflagen - nur werden die Zusatzaufwände der Privaten im Gegensatz zu jenen der öffentlichen Organisationen nicht vergütet. Im August hat der Regierungsrat die Beschwerde von ASPS abgelehnt. Gemäss der Regierung gebe es keine Anhaltspunkte, warum für Öffentliche und Private nicht die gleichen Gesetze gelten sollten: «Eine Spitex ohne Leistungsauftrag hat dieselben Ziele und sozialen Aufgaben wie solche mit Auftrag.»
Für Marcel Durst, ASPS-Geschäftsführer, ist diese Begründung «extrem unbefriedigend». Die ASPS will vom Regierungsrat nun eine Nachbesserung verlangen: «Die Regierung redet um das Problem herum. Deshalb prüfen wir weitere Schritte.»
Beatrice Grolimund vom Verband der öffentlichen Spitex versteht die Aufregung der Privaten nicht : «Es werden zwei Dinge vermischt. Subventionen und Bewilligungen hängen gar nicht zusammen.»
Der Name Spitex stehe für einen gewissen Standard, sagt Grolimund. «Wenn die Privaten hinter diesem stehen, sollten sie auch das Bewilligungsverfahren unterstützen.» (SVA)

In Grenchen hat das Spitex-Büro «Tag der offenen Tür». Im Thal werden in den Dorfläden Brotsäcke verteilt und in Kriegstetten erhalten die Klienten vom Spitex-Vorstand «Spitzbuben».

Mehr Verantwortung

Mit Blick auf die «wachsende Konkurrenz aus dem privaten Sektor» betont Beatrice Grolimund, dass bei der Spitex «Pflegefachpersonen wie in einem Spital» im Einsatz stünden. Wer bei der Spitex arbeitet, habe sogar noch etwas mehr Verantwortung zu tragen. «Bei Hausbesuchen», erläutert die SVKS-Chefin, «sind die Mitarbeitenden gewöhnlich alleine unterwegs.

In zusätzlichen Kursen würden sie auf diese Aufgaben gezielt vorbereitet. Immer häufiger bilden die öffentlichen Spitex auch selbst Fachkräfte in den Pflegeberufen aus. Solche Angebote werden gemäss Grolimund weiter ausgebaut. Wie notwendig die Ausbildungsplätze sind, zeigt eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums: Die Nachfrage nach Pflegeleistungen zu Hause soll in den nächsten Jahren drastisch ansteigen.