Zuchwil
Bei Scintilla wird den ersten 40 Angestellten gekündigt

Im April werden die ersten 40 Kündigungen ausgesprochen. Noch immer gibt es für 150 Mitarbeitende keine Lösung. In einem Job-Center will der Bosch-Konzern Betroffenen helfen.

Lucien Fluri
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In wenigen Monaten werden die ersten Produktionslinien am Bosch-Standort Zuchwil verschwunden sein.

In wenigen Monaten werden die ersten Produktionslinien am Bosch-Standort Zuchwil verschwunden sein.

Hanspeter Bärtschi

Bald kommt es in der Zuchwiler Scintilla zu den ersten Entlassungen. Vorher aber müssen die Mitarbeitenden noch etwas mehr Elektrowerkzeuge produzieren. Denn die Lager müssen gefüllt sein für die Zeit, in der ihre Maschinen in Zuchwil abgebaut und in Ungarn wieder aufgebaut werden.

330 Stellen streicht der Bosch-Konzern in Zuchwil. Das ist seit November 2013 bekannt. Bald aber läuft die Schonfrist ab, die der Bosch-Konzern den Angestellten nach Konsultationsgesprächen zugesichert hat. Bis Ende Jahr werden in Zuchwil 125 Stellen abgebaut, die restlichen folgen 2016.

Arbeitsmarkt: «Chancen sind gut»

In Sachen Scintilla ist auch das Amt für Wirtschaft und Arbeit aktiv. In den kommenden Wochen wird es eine Informationsveranstaltung für die Betroffenen geben. Auf dem Amt kümmert sich derzeit eine Person um das Dossier Bosch. «Im Moment sind die Chancen grundsätzlich gut, eine neue Stelle zu finden», sagt Amtschef Jonas Motschi. Je nach Qualifikation werde die Suche schneller oder länger dauern. «Was die künftige Entwicklung betrifft, sind Aussagen schwierig. Sehr viel ist ungewiss», verweist Motschi auf die ungewisse Entwicklung des Eurokurses. (lfh)

Im April wird die Bosch die ersten 40 Entlassungen – mit dreimonatiger Kündigungsfrist – aussprechen. Bereits im Februar werden die Betroffenen Mitarbeiter informiert, damit sie sich möglichst bald auf die neue Situation einstellen können. Denn an den Entlassungen ist nicht mehr zu rütteln.

Lösung für 180 Mitarbeitende

Trotz allem will sich die Robert Bosch AG als fairer Arbeitgeber zeigen. Alexander Jahn, Leiter Personalwesen bei der Scintilla, sitzt in einem früheren Besprechungszimmer gleich neben den Produktionshallen. Stelleninserate hängen an der Wand, für Mitarbeiter stehen Computer bereit, auf denen sie online Stellen suchen oder Bewerbungen schreiben können.

120 Mitarbeitende nehmen an einem Programm teil, mit dem sie die Bosch fit für den Arbeitsmarkt machen soll. Sie besuchen Computer- oder Deutschkurse und lernen wieder, Bewerbungen zu schreiben. Ein Fotograf schiesst Bewerbungsfotos. «Wir haben Mitarbeitende, die über 20 Jahre bei der Firma waren und keine Bewerbungen mehr geschrieben haben», sagt Personalchef Jahn.

Für etwas mehr als die Hälfte der 330 Betroffenen, nämlich für 180, ist inzwischen eine Lösung gefunden worden, darunter die 25 Lehrlinge. Einige Mitarbeiter haben von sich aus gekündigt, es gab 25 interne Versetzungen und 55 bis 60 Mitarbeitende werden frühpensioniert.

Alexander Jahn, Leiter Personal: «Wir haben Mitarbeitende, die über 20 Jahre keine Bewerbungen mehr geschrieben haben.»

Alexander Jahn, Leiter Personal: «Wir haben Mitarbeitende, die über 20 Jahre keine Bewerbungen mehr geschrieben haben.»

Hanspeter Bärtschi

Gut Qualifizierte haben es einfacher

Für 150 Mitarbeitende gibt es allerdings noch immer keine Lösung. Immerhin sind das bereits 30 weniger als noch vor fünf Monaten. Seit dem August konnte für diese Personen eine Lösung gefunden werden. «Schritt für Schritt», sagt Alexander Jahn. Er hofft, dass in den kommenden Monaten noch möglichst viele Mitarbeiter selbst Stellen finden und von sich aus künden.

Bisher hat sich allerdings gezeigt: Von sich aus gegangen sind vorwiegend gut qualifizierte Mitarbeiter, die rasch eine andere Stelle gefunden haben. Im Bereich der weniger qualifizierten Personen ist die Zahl der Kündigungen gering. «Es ist in diesem Bereich schwieriger, eine Stelle zu finden», sagt Jahn.

Zwei mögliche Investoren

Seit Anfang Jahr hat er allerdings beobachtet, dass die Besuche im eigenen Job-Center angezogen haben. Zusätzlich hat die Bosch AG Firmen in den Betrieb eingeladen, die Personal suchen oder sich neu im Kanton ansiedeln möchten. Die Firmen können sich bei den Scintilla-Mitarbeitenden vorstellen und diese können gleich Kontakt mit dem potenziellen Arbeitgeber aufnehmen. «Im Dezember war ein Logistikbetrieb da. 100 Mitarbeitende hörten zu», sagt Jahn. Im März werden sich weitere Firmen vorstellen.

Noch immer offen ist, ob ein Investor Teile des Betriebes übernehmen wird. Zwei Interessenten sind vorhanden. «Bis im März ist klar, ob ein Investor Arbeitsplätze oder Fläche übernimmt», sagt Jahn. «Aktuell ist noch keine Entscheidung gefallen.» Wie viele Arbeitsplätze die Investoren übernehmen würden, kann Jahn nicht sagen. Klar ist aber: Es geht höchstens um Teilbereiche.

Zuchwil: 330 Stellen bleiben

330 Stellen baut die Bosch in der Produktion ab. 330 Stellen bleiben aber in Zuchwil, nämlich das Headquarter für den Elektrowerkzeug-Zubehör sowie Vertriebsaktivitäten. Grundsätzlich möchte man am Standort bleiben, sagt Alexander Jahn. Im Bereich Sicherheitstechnik oder bei den E-Bike-Komponenten sei ein Wachstum festzustellen. «Dort entstehen in der Schweiz neue Arbeitsplätze. Aber in kleinerem Umfang.»(lfh)

Alle arbeiten konzentriert weiter

Gute Nachrichten gab es gestern Nachmittag für sieben Mitarbeitende. Sie werden wohl auf 2016 hin bei der Dulliker Firma Spemot eine Stelle haben. Diese plant, die Fertigung von EC-Motoren von der Scintilla zu übernehmen. Zumindest haben beide Seiten eine Absichtserklärung unterzeichnet, Ende Februar ist klar, ob dies definitiv ist. «Wir sind seit den 1960er-Jahren Zulieferer», sagt Spemot-Geschäftsführer Roland Manz, der die sieben Mitarbeitenden gestern persönlich in Zuchwil informierte. «Wir sind sehr froh über diese Lösung», sagt auch Beat Uhlmann, Vizepräsident der Angestelltenkommission. «Und doch ist es im Gesamten nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» Auch Alexander Jahn bestätigt: «Das sind kleine Schritte. Aber es summiert sich.»

Jesus Fernandez von der Gewerkschaft Unia gesteht dem Bosch-Konzern Bemühungen zu, «die in die richtige Richtung gehen». Bis zuletzt müsse aber das Möglichste unternommen werden. «Der Erfolg ist erst da, wenn die Angestellten am Ende eine andere Stelle haben.»

Bald werden die Verlagerungen beginnen. Bis Mitte 2016 werden die Produktionslinien nach und nach gezügelt, abhängig von der Logistikplanung. «Vieles wird 2015 passieren,», so Jahn. «Weiterhin wird sehr konzentriert gearbeitet», lobt er die Mitarbeitenden. Manchmal gibt es aber Momente, die den Alltag, in dem das drohende Ende manchmal doch vergessen geht, belasten. «Als die erste Pilotlinie verlagert wurde, war so ein Moment, bei dem wieder jeder erinnert wurde, dass das Ende kommen wird», sagt Jahn.