Härkingen
Bei Schnüerli- oder Glitzerschrift wirds zu schwierig für den Päckli-Scanner – dann müssen die Mitarbeiter ran

Zur Vorweihnachtszeit bewältigt das Paketzentrum Härkingen eine regelrechte Paketflut. Damit diese auch rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum liegen, braucht es zusätzliche Mitarbeitende; aber auch eine saubere Handschrift der Kundschaft.

Noëlle Karpf
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Zur Vorweihnachtszeit im Paketzentrum Härkingen
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 Mitarbeitende hieven die Ware auf ein Förderband.
 Über 90 Prozent der Pakete werden hier gescannt und dann auf den richtigen Weg durchs Paketzentrum geschickt.
 Was die Maschine nicht lesen kann, wird an diesen Arbeitsplätzen entziffert.
 Dann geht es weiter über das Förderband-System.
 Hier sieht es aus, wie hinter den Kulissen eines Flughafens.
 An der richtigen Stelle kippen Teile de Förderbandes...
 .. und die Post rutscht ins richtige Fach.
 Hier sortieren Mitarbeitende die Ware.
 Dann wird nach Postregion sortiert und die Pakete kommen in diese Wägelchen - im Dezember sind diese rappelvoll.
 Auch ein Schnäppchen vom "Black Friday" wird noch sortiert.
 Gabelstapler düsen durch die Gegend, und befördern die Pakete weiter.
 Nun werden die Wägelchen dem richtigen Container zugeordnet...
 ... und die Pakete werden eingeladen.
 Von hier aus geht die Reise weiter; hoffentlich kommt das Geschenk künftig zu Weihnachten an.

Zur Vorweihnachtszeit im Paketzentrum Härkingen

Bruno Kissling

Weihnachten naht – bald liegen Päckli in den verschiedensten Formen unter dem Weihnachtsbaum. Jede Menge dieser Geschenke dürfte im Internet bestellt worden sein: neue Kopfhörer von Digitec, ein Paar Hosen von Zalando, ein Kochbuch von Betty Bossy. Unzählige Päckli solcher Absender – und in den entsprechend bedruckten Kartonschachteln – treffen dieser Tage im Paketzentrum in Härkingen ein.

Dort sortiert die Post die Ware und stellt sicher, dass die Bestellungen an den richtigen Ort weitergeleitet werden; über Strassen oder Schienen. Bis zu 300'000 Pakete werden an einem gewöhnlichen Tag sortiert. In der Vorweihnachtszeit sind es bis zu 500'000.

Vom Liefercontainer aus werden die Pakete auf ein Fliessband gehievt, gescannt und unter lautem Rattern vom Band weiterbefördert, bevor sie die richtige Postrutsche hinuntersausen und mit einem lauten Knall zum Stillstand kommen. Von dort aus wird die Ware weiter in Anhänger auf Rollen sortiert, von Gabelstapler unter lautem Scheppern weiterbefördert und schliesslich in den nächsten Container verfrachtet, von wo aus es in ein anderes Paketzentrum oder zur richtigen Poststelle geht.
In dieser hektischen Zeit greifen den 400 Mitarbeitenden 100 Temporärangestellte unter die Arme. Ansonsten wäre die Paketflut nicht zu bewältigen.

Scanner scheitern an Glitzer- und Schnüerlischrift

Die grüne Welle aus der Politik hat bis jetzt keinen Einfluss auf die Paketflut im Postzentrum. Auch der Black Friday – der Tag, an dem auch im Internet Ware günstiger gekauft werden kann – sorgte dieses Jahr für Rekordzahlen.

Sorgt der Black Friday für einen neuen Rekordtag?

Normalerweise verzeichnet das Paketzentrum Härkingen am 17. oder 18. Dezember Spitzenwerte – kurz vor Weihnachten treffen die meisten Päckli ein. Dieses Jahr könnte der Spitzentag ein anderer – und schon vergangen sein. Der Black Friday und der darauffolgende Cyber Monday, an welchem auch Online-Händler ihre Produkte mit Rabatt verkaufen, machen sich bemerkbar: So wurden vergangenen Donnerstag bereits rund 480'000 Pakete in Härkingen sortiert, das ist der diesjährige Spitzenwert. Noch ist offen, ob diese Zahl an den üblichen Spitzentagen Mitte Dezember übertroffen wird.

«Manchmal wünschte ich mir, der Kunde würde besser überlegen, woher die Ware kommt», sagt Beat Lindegger, Stellvertretender Zentrumsleiter. «Muss das Paket wirklich aus China oder Amerika kommen?»

Beat Lindegger Der stellvertretende Leiter führt durch das Paketzentrum.

Beat Lindegger Der stellvertretende Leiter führt durch das Paketzentrum.

Bruno Kissling

Was Lindegger über die Weihnachtszeit dafür Erfreuliches feststellt: Vermehrt werden Päckli von Privatkunden an Privatkunden verschickt. «Also vom Grosi an den Enkel beispielsweise.» Diese Geschenke sind oft – zwar schön – verpackt und von Hand beschriftet. Manchmal reisst diese Verpackung aber, weil das Papier zu dünn, der Inhalt zu schwer war. Dafür ist vor Ort ein «Päckli-Doktor» zuständig, der das Geschenk zu retten versucht.

Ist aber die Etikette in Schnüerlischrift oder mit Glitzerstift ausgefüllt, wird es schwieriger. In 10 Prozent der Fälle, so Lindegger, können die Maschinen die Adresse nicht scannen, die Ware nicht aufs richtige Fliessband befördern. Deshalb sitzen im Paketzentrum Mitarbeitende in einer Reihe an kleinen Pulten, und versuchen, die Adressen zu entziffern. Ist das nicht möglich, kommen die Pakete nach Cadenazzo, Tessin, in die Fundgrube der Post. Dort wird versucht, anhand von Stempel und Begleitschreiben, Absender oder Empfänger ausfindig zu machen – vielleicht meldet sich auch ein Kunde, der auf sein Paket wartet. «Zu 99 Prozent kommt das Päckli früher oder später ans Ziel», sagt Lindegger. Und dann liegt es hoffentlich rechtzeitig unter den Christbaum.

Ab dem 23. Dezember, über die Festtage und Silvester, legt sich die Hektik im Paketzentrum. Aber nur für kurze Zeit. Ab dem 24. werden im Rahmen von «Zweimal Weihnachten» Pakete an Bedürftige gespendet; über den Postweg. Und nach dem Fest wird Ware wieder an den Online-Händler zurückgeschickt; wenn die Kopfhörer, die Hosen oder das Kochbuch nicht gefallen haben.