Obergericht

Bei Nebel schweren Unfall gebaut: Gefängnisstrafe für Hauenstein-Raser bleibt gleich

Der Mann hatte 2011 beim Überholen eine schwere Kollision verursacht. (Archiv)

Der Mann hatte 2011 beim Überholen eine schwere Kollision verursacht. (Archiv)

Es bleibt dabei: Der Fahrer des Subaru Impreza, der im November 2011 auf der Hauensteinstrasse ein lebensgefährliches Überholmanöver einleitete, erhält eine 34-monatige Gefängnisstrafe.

Als an jenem Novembermorgen im Jahr 2011 auf einmal zwei Lichter vor ihr im Nebel auftauchten, gab es nichts, was die Lenkerin des silbergrauen Nissan Almera hätte tun können, um das Unglück abzuwenden. Links kam ihr ein Sattelschlepper entgegen, rechts ging es steil die Böschung hinunter. Und geradeaus raste ein Subaru Impreza auf sie zu, dessen Fahrer nicht in der Lage war, sein folgenschweres Überholmanöver noch abzubrechen.

An dieser Stelle wacht die 47-Jährige für gewöhnlich auf, wenn sie vom Unfall auf der Hauensteinstrasse träumt. Im wirklichen Leben kollidierte die korrekt fahrende Frau mit dem blauen Subaru und entging nur mit viel Glück dem Tod.

Durch ihre schweren Rücken- und Nackenverletzungen könne sie bestenfalls auf eine Wiedereingliederung im geschützten Arbeitsmarkt hoffen, betonte Michel Bütikofer, der Anwalt der Geschädigten, an der gestrigen Verhandlung vor dem Obergericht. «Schuld daran trägt alleine das halsbrecherische Überholmanöver des Angeklagten.»

Wie «russisches Roulette»

Der Beschuldigte hatte bei Nebel, zur Hauptverkehrszeit und an einer unübersichtlichen Stelle auf der Passstrasse versucht, ein Auto und einen Sattelschlepper auf einmal zu überholen. «Er konnte den Strassenabschnitt schon bei Beginn seines Überholmanövers unmöglich überblicken», hielt Staatsanwalt Pascal Flückiger fest. Zudem sei der Fahrer mit mindestens 115 Stundenkilometern unterwegs gewesen.

Sowohl der Unfallverursacher im blauen Subaru als auch das Opfer im silbergrauen Nissan (im Hintergrund) entgingen nur mit Glück dem Tod.

Sowohl der Unfallverursacher im blauen Subaru als auch das Opfer im silbergrauen Nissan (im Hintergrund) entgingen nur mit Glück dem Tod.

«Normalerweise gibt es nach einer solchen Kollision keine Gerichtsverhandlung, weil in der Regel alle Beteiligten mausetot sind», so der Staatsanwalt. «Der Beschuldigte spielte russisches Roulette.» Sein Handeln lege den Schluss nahe, dass er den Tod einer Person für möglich hielt und in Kauf nahm, selbst wenn ihm dies unerwünscht gewesen sei.

Auch für den Subaru-Fahrer war nach der Kollision nichts mehr, wie es einmal war. Zwar arbeitet der heute 26-Jährige noch immer als Mechaniker; auch hat er seinen Führerschein wieder. Doch auch er trug körperliche Folgeschäden davon: Aufgrund der Verletzungen musste sein Sprunggelenk versteift werden. Und der Mann lebt mit dem Wissen, beinahe jemanden getötet zu haben. «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an das Opfer denke und mich frage, wie es ihr wohl geht», sagte er am Mittwoch vor dem Berufungsgericht.

Lediglich Risiko unterschätzt?

2015 hatte ihn das Amtsgericht Olten-Gösgen wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu 34 Monaten Gefängnis verurteilt, wovon er zwölf Monate unbedingt abzusitzen habe. In Anbetracht der Tatsache, dass der Angeklagte ohnehin leide, sei dies ein zu hartes Urteil, hielt Verteidiger Christoph Schönberg fest. Er kritisierte zudem, dass die Vorinstanz die Sachlage falsch beurteilt habe. «Obwohl viel Aufwand betrieben wurde, um den Unfallhergang zu rekonstruieren, bleibt vieles unklar oder widersprüchlich», führte der Rechtsanwalt aus.

So seien etwa der Kollisionspunkt, die Kollisionsgeschwindigkeit, der Abstand zwischen den beiden überholten Fahrzeugen, sowie der genaue Ort, an dem der Beschuldigte zum Überholmanöver ansetzte, nicht restlos geklärt. Auch was die Sichtverhältnisse anbelange, stimmten die Zeugenaussagen nicht überein. «Es scheint so, als wäre jeder der Anwesenden an jenem Morgen einer Fehleinschätzung unterlegen, aber nur meinem Mandanten will man nicht eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben.»

Der Beschuldigte habe sich sehr wohl der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig gemacht und sei dafür auch zu verurteilen, so der Verteidiger. Von einem Vorsatz oder Eventualvorsatz könne man hingegen nicht sprechen. Der Angeklagte habe lediglich das Risiko unterschätzt. Zudem habe er direkt nach der Haarnadelkurve beim Rankbrünneli überholt, wo das Tempo des Lastwagens am niedrigsten und der Überholweg am kürzesten gewesen sei.

Das Obergericht sah das anders. «Es war mit Toten zu rechnen, und der Beschuldigte musste das wissen, da er die Strecke gut kannte. Er überliess es dem Zufall, ob sein Handeln tödliche Folgen hat.» Dies sei geradezu ein Musterfall einer versuchten vorsätzlichen Tötung im Strassenverkehr.

Das Obergericht bestätigte das Urteil und das Strafmass der Vorinstanz, senkte aber den Anteil der unbedingten Haftstrafe auf acht Monate. Tatmildernd wirke sich aus, dass der Fahrer eine schwere Kindheit hatte, und Reue zeigte, indem er sich sofort nach dem Opfer erkundigte und es im Paraplegikerzentrum besuchte. Der Prozess endete denn auch versöhnlich, als der Beschuldigte in seinem Schlusswort das Opfer zum Essen einlud, um über den Unfall zu reden.

Hauenstein-Raser muss hinter Gitter

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen.

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