Wie hat sich bei Mondaine der Uhren-Absatz 2015 entwickelt?

Ronnie Bernheim: Sehr unterschiedlich. Nach dem Frankenschock und der anschliessenden Phase der Unsicherheit zu Jahresbeginn haben sich die Verkäufe deutlich abgeschwächt. Inzwischen hat sich die Situation verbessert, unsere Produktion ist – auch wegen des Weihnachtsgeschäfts – voll ausgelastet.

Trifft das für alle Uhren zu?

Mit den Mondaine-Uhren befinden wir uns im Höhenflug. Dort erwarten wir eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Im Bereich Produktion für Luminox können wir den Umsatz gegenüber dem Vorjahr halten. Mit der Entwicklung der M-Watch sind wir soweit zufrieden. Über die Verkaufskanäle wie Manor und neuerdings über Swiss in den Flugzeugen laufen die Verkäufe sehr erfreulich. Das Volumen in den Spitzenjahren mit über 200 000 Exemplaren während der Zusammenarbeit mit Migros haben wir noch nicht erreicht. Heute verkaufen wir mehrere 10 000 Stück pro Jahr, aber unter 100 000.

Wird nach der Beendigung des Markenstreites die Partnerschaft mit dem Grossverteiler Migros wieder aufgenommen?

Wir sind offen für Gespräche und überprüfen unsere künftige Distributionspolitik für die M-Watch. Derzeit finden aber keine Gespräche mit dem Grossverteiler statt. Eine gehabte gegenseitige Zusammenarbeit mit Exklusivitätscharakter mit Migros ist eher unwahrscheinlich.

Die Unsicherheit über die globale Wirtschaftsentwicklung beeinflusst die Uhrenindustrie. Spüren Sie das?

Ja, allerdings sehr unterschiedlich nach Gewicht der Absatzmärkte. Länder wie China, Indonesien, Thailand, Indien, Türkei, Brasilien aber auch Ost- und Südeuropa kennen wirtschaftliche Probleme, was sich sofort auf den Absatz auswirkt. Hinzu kommen teilweise deutliche Abwertungen der Währungen bis zu 60 Prozent innert kurzer Zeit, was unsere Uhren unmittelbar sehr viel teurer macht. Besonders erschwerend ist, dass mehrere Weltregionen diesmal gleichzeitig in wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten stecken.

Spielt die Preislage der Uhren eine Rolle?

Von der Absatzschwäche in China und Hongkong sind vor allem die höherpreisigen Uhren betroffen. In den unteren Preislagen sind die erwähnten Währungsabwertungen und Unsicherheiten insbesondere bei den Modemarken ein Nachfragedämpfer.

Wie reagieren Sie darauf?

Kostenseitig haben wir trotz weitereren Investitionen in Rationalisierungsmassnahmen nicht mehr viel Spielraum, aber wir haben und werden weiterhin innovative Uhrenreihen auf den Markt bringen. Mit Erfolg. So haben wir auf die 2014 lancierte Mondaine Helvetica-Linie ein enormes Kunden-Echo erhalten. Und mit dem Auftritt der Helvetica-Smartwatch im Februar hat sich die Aufmerksamkeit nochmals um ein Vielfaches erhöht. Das Thema «intelligente Uhr» dominiert und wenn darüber berichtet wird, wird weltweit praktisch immer Mondaine erwähnt. Die Marke Mondaine als solches wird dadurch massiv gestärkt und wir sind kommunikationsmässig in eine andere Liga aufgestiegen.

Wie ist der Verkaufsstart Ihrer Smartwatch verlaufen?

Zahlen geben wir keine bekannt. Aber wir haben die Ziele bezüglich Umsatz voll erreicht. Das gilt für das laufende Jahr und damit haben wir eine gute Basis für 2016 gelegt.

Und wie sehen Sie das kommende Jahr über alle Marken gesehen?

Es wird ein schwieriges Jahr mit vielen Unsicherheiten. Wir bleiben vorsichtig.

Was heisst das für den Standort Biberist?

Ein Einflussfaktor ist der Wechselkurs, welcher die Kostenbasis deutlich anhebt. Im Bereich der serviceorientierten Abteilungen wie Backoffice, Administration, Buchhaltung, usw. besteht ein gewisser Druck zur Verlagerung ins Ausland. Diese Kostengruppe zählt gemäss dem neuen Swissness-Gesetz leider nicht für den Swiss-Made-Anteil. Dort machen wir uns Gedanken und besprechen mit der Belegschaft, wie wir diese Herausforderung mit dem Erhalt der Arbeitsplätze meistern können. Dasselbe gilt für die arbeitsintensive Distribution an europäische Fachhändler. Sie ist zwar – mit viel Technik unterstützt – hocheffizient, schliesst aber dennoch im europäischen Kostenvergleich schlecht ab. Diese Tätigkeit wird durch unsere Schwestergesellschaft Marlox im Mondaine-Haus in Biberist betrieben.

Die Produktion wird nicht verlagert?

Nein, diese bleibt in Biberist. Denn die Marken Mondaine, M-Watch und Luminox werden unsere Firmen weiterhin mit dem Label Swiss Made verkaufen, auch mit verschärften Swissness-Regeln. Wie erfolgreich das sein wird, hängt vorab von der Ausgestaltung der Uhrenverordnung zum neuen Swissness-Gesetz ab. Und diese befindet sich noch in der Vernehmlassung.

Das heisst, Sie werden mehr Uhrenteile in der Schweiz beschaffen?

In gewissen Fällen ist das so. Wir produzieren aber heute schon viele Uhrenmodelle, mit welchen wir die strengeren Regeln erfüllen. Dagegen gibt es Probleme bei den günstigeren Uhren. Dort ist es denkbar, dafür teurere Teile zu verwenden, beispielsweise ein Mineralglas aus der Schweiz wird durch ein teureres Saphirglas aus der Schweiz ersetzt. Damit steigt der Schweizer Anteil an den Herstellkosten. Auch der Import von günstigeren Teilen würde zur Erfüllung der strengeren Regeln führen und wir müssten die Preise nicht so stark erhöhen. Das würde sich für den Umsatz wie für die Arbeitsplatz-Sicherheit positiv auswirken.

Das neue Gesetz tritt ab 2017 in Kraft. Wie weit sind die Vorbereitungen?

Die Auswirkungen hängen eben stark von der Ausgestaltung der Verordnung ab. Und da ist eben noch vieles unklar. Wir haben jetzt extra einen Spezialisten eingestellt, um vertieft abzuklären, welche Uhren unverändert produziert werden können, welche Modelle Anpassungen benötigen und welche Uhrenmodelle wegen zu starker Verteuerung oder Nichterhalt von Teilen in der Schweiz gar nicht mehr möglich sein werden.

Was bedeutet die neue Swissness-Regelung für das Segment der Private-Label-Uhren?

Hier sind bereits wichtige Aufträge weggefallen, welche unsere Fabrik vor allem auch in schwachen Produktionsmonaten ausgelastet hatten. Für die Kunden würden die Uhren im Hinblick auf das neue Gesetz zu teuer. Diese lassen die Uhren neuerdings in gleicher Qualität in Fernost fertigen und verzichten, ungern, bewusst auf das Label Swiss Made. Renommierte Automarken gehören beispielsweise zu diesem Kundenkreis. Letztlich beeinflusst das die Produktionsauslastung in Biberist.

Sie malen ein düsteres Bild.

Die Situation ist schwierig, aber ich will nicht schwarzmalen. Wir kämpfen und haben bisher alle Krisen gemeistert. Zur Erinnerung: Mit dem Wegfall des Verkaufskanals Migros für die M-Watch haben wir damals ein sehr hohes Volumen verloren, konnten dies aber mit Neulancierungen und Neukunden in den anderen Bereichen ohne Entlassungen auffangen. Wir werden nun ebenfalls in der aktuellen Situation mit der Belegschaft darum kämpfen, dass auch mit den neuen Swissness-Regeln eine wettbewerbsfähige Produktion in Biberist aufrechterhalten werden kann.