CO2-Abgabe
«Bei Heizöl gilt: Je kleiner die Menge, desto höher ist der Preis»

Trotz der bevorstehenden Erhöhung der CO2-Abgabe rät Roger Perriard, mit dem Kauf von Heizöl zuzuwarten. Es sei billiger, den Tank beispielsweise im kommenden Frühling ganz aufzufüllen, so der Verkaufsleiter der Schenk Oel AG in Oensingen.

Franz Schaible
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Ein Tanklastwagen wird mit Heizöl aufgefüllt (Symbolbild, Archiv)

Ein Tanklastwagen wird mit Heizöl aufgefüllt (Symbolbild, Archiv)

Keystone

«Die Nachfrage nach Heizöl ist seit Tagen enorm. Alle Kunden wollen ihre Tanks noch vor Ende Jahr nachfüllen», erklärt Roger Perriard. Hauptgrund für den Ansturm sei aber nicht in erster Linie das kalte Wetter, sondern die vom Bund beschlossene Erhöhung der CO2-Abgabe auf Anfang 2014.

Und diese ist happig. Die auf alle fossilen Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas erhobene Abgabe steigt von 36 auf 60 Franken pro Tonne CO2. Umgerechnet auf einen Liter Heizöl entspricht das einer Anhebung von 9,5 auf 16 Rappen ohne Mehrwertsteuer. Inklusive Mehrwertsteuer beträgt der Anstieg 7,02 Rappen. Eine durchschnittliche Heizöltank-Auffüllung von 3000 Litern kostet also den Hauseigentümer – allein wegen der Abgabe – 210 Franken mehr.

Kein Grund zur Panik

Aber Perriard empfiehlt überraschenderweise den Kunden trotzdem, mit dem Kauf des Heizöls noch zuzuwarten. Zumindest jenen, die nicht Gefahr laufen, in absehbarer Zeit mit einem leeren Tank dazustehen. Perriard macht mehrere Gründe geltend, nicht vorzupreschen und den Tank panikartig nachzufüllen. Wer jetzt seinen Tank nur mit 1000 oder 2000 Litern nachfülle, statt im kommenden April mit beispielsweise 4000 Litern ganz auffülle, zahle heute aufgrund der Liefermenge deutlich mehr. «Denn es gilt der Grundsatz, je kleiner die Menge, desto höher der Preis.» Die Preisdifferenz könne höher sein als die Erhöhung des CO2-Zuschlages, rechnet der Ölexperte vor.

Vermeintliches Schnäppchen

Nicht in jedem Fall lohnt es sich, mit einer Heizöl-Bestellung und Lieferung noch vor Ende Jahr die Erhöhung der CO2-Abgabe zu umschiffen. Insbesondere dann, wenn der Tank ohne Not nur nachgefüllt und deshalb eine Kleinmenge bestellt wird. Der Preisunterschied zwischen einer Bestellmenge von 1000 Liter und 3000 Liter beträgt rund 12 Franken pro 100 Liter. Allein dieser mengenabhängige Preisunterschied reicht aus, um den CO2-Aufschlag von 7 Franken pro 100 Liter zu kompensieren. Wenn also der Vorrat im Tank bis im Frühling ausreicht, wartet man besser zu und bestellt erst im April, aber dann 3000 Liter. Zudem zeigen die unter dem aktuellen Tagesniveau liegenden Terminpreise an, dass die Heizölpreise tendenziell sinken. Wenn im Tank aber jetzt schon 3000 Liter Platz haben, sollte nun bestellt werden. (FS)

Zudem erwartet er im kommenden Jahr tendenziell sinkende Preise auf dem Rohölmarkt. Ein Indiz seien die Terminpreise für Heizöl. Diese seien – höhere CO2-Abgabe ausgeklammert – für Lieferung im April deutlich tiefer als der aktuelle Tagespreis. Der Terminpreis zeigt also an, dass im Markt tiefere Preise erwartet werden. Ein Grund für diese Einschätzung ortet Perriard in der internationalen Politik. So werde das Lieferembargo für Iran wahrscheinlich demnächst gelockert. «Iran steht in den Startlöchern, um das auf Lager produzierte Rohöl in gewaltigen Mengen auf den Weltmarkt zu werfen.»

Auftragsbücher sind gut gefüllt

Offenbar wollen aber viele Hauseigentümer auf Nummer sicher gehen und füllen ihre Tanks nach, auch wenn der Vorrat noch locker bis in den Frühling oder gar Sommer ausreicht. «Unsere Auftragsbücher für Lieferungen bis Ende Jahr jedenfalls sind voll», sagt Roger Perriard. Es sei deshalb absehbar, dass man für künftige Bestellungen die Lieferung bis Ende Dezember nicht mehr garantieren könne.

«Die Heizölhändler können die Kapazitäten der Fuhrparks nicht auf die drei letzten Wochen im Jahr ausrichten, sondern auf das ganze Jahr», begründet er die sich abzeichnenden Lieferengpässe. Deshalb werde man, was Neukunden betreffe, die CO2-Erhöhung oder zumindest einen Teil davon bereits in die jetzt abgegebenen Preisofferten einrechnen, weil klar sei, dass die Lieferung erst im kommenden Jahr erfolgen wird. «Das geht nicht anders. Denn unsere treue Stammkundschaft hat immer Vorrang.»

Wenig Arbeit im Frühjahr 2014

Auch bei Josef Rüetschli, Brennstoffhändler in Luterbach, füllen sich die Auftragsbücher für Heizöllieferungen. «Unser Fahrzeug ist sehr gut ausgelastet. Viele Kunden wollen ihre Tanks wegen der kommenden CO2-Abgabe noch vor Ende Jahr nachfüllen.» Deshalb handle es sich oftmals um Kleinmengen. Er macht die Kunden zwar darauf aufmerksam, dass sich Bestellungen wegen der erwähnten Preisdifferenzen erst ab rund 2000 Liter rechnen würden. Trotzdem zeichnet sich folgendes Szenario ab: «Bis Ende Jahr habe ich fast zu viele Aufträge, im Januar und Februar 2014 dagegen zu wenig», sagt Rüetschli. Vorrang hätten in jedem Fall die Stammkunden. «Aber in Notfällen lasse ich niemanden erfrieren», ergänzt er lachend.

Ebenfalls bei der Landi Solothurn zeichnet sich ein Lieferengpass ab, meldet Gerold Kofmel, Leiter Agrola-Verkauf. «Deshalb können wir Lieferungen bis Ende Jahr nicht mehr garantieren.» Falls das Heizöl erst im Januar geliefert werden könne, gelte die höhere CO2-Abgabe.