Schlacke

Bei der Stahl Gerlafingen kam es erneut zu einer Verpuffung

Beim Stahlkochen bleibt glühend heisse Schlacke zurück. Diese muss in einem speziellen Verfahren abgekühlt werden.

Beim Stahlkochen bleibt glühend heisse Schlacke zurück. Diese muss in einem speziellen Verfahren abgekühlt werden.

Im Juni kam es bei der Stahl Gerlafingen zu einer Verpuffung, kleine Gesteinsbrocken traten aus. Dank Schutzmassnahmen in und um die Schlackengrube kam es aber zu keinen Schäden – nicht so wie im Sommer 2014.

Der Schreck war gross, als am Samstagmorgen, 12. Juli 2014, glühend heisse Gesteinsbrocken in Gerlafingen und in Biberist durch die Luft flogen. In der Schlackengrube auf dem Werkareal des Stahlwerkes Gerlafingen war es zu einer gewaltigen Verpuffung gekommen.

Wegen des damals hohen Wasserspiegels der Emme drang Wasser in die Schlackengrube ein und liess die kochende, flüssige Schlacke «explodieren». Autos und Häuser wurden beschädigt, nur durch viel Glück wurden keine Personen verletzt.

«Nur kleine Gesteinsbrocken»

Jetzt ist es im Juni erneut zu einer Verpuffung in der Schlackengrube gekommen. Senta Gruskovnjak, Sprecherin der Stahl Gerlafingen AG, bestätigt auf Anfrage entsprechende Informationen dieser Zeitung. Dieses Mal ist der Störfall aber offenbar glimpflich verlaufen. Die nach dem Unglück im Sommer 2014 ergriffenen «Schutzmassnahmen haben ihre volle Wirkung erzielt», heisst es beim Stahlwerk. 

Es habe keine Schäden oder Gefährdungen gegeben. Allerdings seien «einzelne, kleine Gesteinsbrocken ausgetreten», sagt Gruskovnjak auf Nachfrage. «Aber nur im direkten Umfeld der Schlackengrube, kleiner als fünf Meter.»

Bei den erwähnten Massnahmen handelt es sich unter anderem um die Einrichtung eines Ampelsystems, welches dem Fahrer, der die Schlacke in die Grube kippt, den Wasserstand anzeigt. Es sei zudem definiert worden, dass der Wasserspiegel in de Grube mit Schlacke in einer Mindesthöhe überdeckt sein müsse. «Die Ursache für den jüngsten Störfall war eine fehlerhafte Messung dieser Deckschicht», erläutert das Stahlwerk. Umgehend habe man die Messpunkte neu bestimmt und das Personal sofort geschult. Zudem seien die zuständigen Behörden informiert worden.

Baubewilligung für «Clean Pit»

Bis Anfang 2019 soll die Gefahr einer Verpuffung definitiv eliminiert werden. Bis dann soll das Projekt «Clean Pit» etappenweise – jeweils während des Weihnachtsstillstandes des Werkes – umgesetzt werden. «Wir haben im Juni die entsprechende Baubewilligung erhalten», sagt Gruskovnjak. Bei der Vorstellung des Projektes im Dezember hiess es, dass künftig die Schlacke nicht mehr mit Kübeln aus dem Stahlwerk transportiert wird. Es werde nur noch feste Schlacke aus der Produktion geführt.

Die Schlacke wird direkt im Stahlwerk in zwei Schlackenbeete geleert. Von dort wird sie in bereits erstarrter Form zur Abkühlung in ein Zwischenlager gebracht. Dazu wird die heutige Schlackengrube in eine Lager- und Abkühlbox umgebaut. Vorteil dieser Variante sei in erster Linie die Eliminierung der Verpuffungsgefahr, erzeugt durch Kontakt von flüssiger Schlacke mit Wasserlachen.

Insgesamt investiert das Stahlwerk rund 4,5 Millionen Franken. «Die Umstellung des Prozesses müssen wir aufgrund einer Behördenauflage machen. Wir haben verbindlich zugesagt, das Projekt bis Ende 2018 umzusetzen.» In diesem Sinne handle es sich um ein Bekenntnis zum Standort Gerlafingen. 

Autor

Franz Schaible

Franz Schaible

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