Es gibt einen Stau, mit dem die Automobilisten ganz gut leben können: Der Rückstau bei den Aufgeboten zur periodischen Fahrzeugprüfung bei der Motorfahrzeugkontrolle (MFK). Eigentlich müsste ein neues Auto in der Schweiz nach vier Jahren zum ersten Mal vorgeführt werden. Die nächste Prüfung wird drei Jahre später fällig, danach muss das Auto alle zwei Jahre geprüft werden. Aber im Kanton Solothurn werden die Halter von Neuwagen derzeit erst etwa nach fünf bis fünfeinhalb Jahren zur ersten Prüfung aufgeboten.

Mehr als fünf Jahre nichts von der MFK zu hören, das ist bequem. Aber es stellt sich die Frage, ob damit die Sicherheit im Strassenverkehr gefährdet ist. «Es ist wichtig zu wissen, dass die älteren Fahrzeuge näher an der Frist aufgeboten werden», klärt Amtschef Kenneth Lützelschwab die Situation.

«Die neuen Fahrzeuge sind technisch besser als vor 20 Jahren und die Automobilisten halten die Service-Intervalle ein. Wir sehen deshalb bei den primär sicherheitsrelevanten Teilen wie Bremsen, Lenkung oder Aufhängung bei den neueren Fahrzeugen fast nie Probleme.» Das bestätigt ein Blick auf die Statistik des Bundesamtes für Strassen Astra: 2012 war bei weniger als einem Prozent der Unfälle ein technischer Mangel die Hauptursache.

Fahrzeugbestand wächst weiter

Wie es zum Rückstau kommen konnte, ist einfach erklärt: Jedes Jahr nimmt der Fahrzeugbestand aller Kategorien zusammen im Kanton Solothurn um ein bis zwei Prozent zu. In den letzten 40 Jahren hat er sich von rund 70 000 auf heute über 210 000 Fahrzeuge verdreifacht. Die Halle in Bellach mit den drei Prüfstrassen ist jedoch dieselbe geblieben, und auch die Kapazitäten in den beiden anderen kantonalen Prüfstellen Olten und Laufen hielten nicht mit der Zunahme der Fahrzeuge Schritt.

Die Dauer der Fahrzeugprüfung ist mit nur noch 20 Minuten am untersten Limit angekommen. Schneller gehts nicht. «Um die Kapazitäten zu vergrössern, braucht es in Bellach kein neues Gebäude», erklärt der Amtschef, «in unserer Halle ist eine vierte Prüfstrasse vorbereitet. Wir möchten diese im Verlauf des nächsten Jahres mit neuen Hebeliften ausrüsten.»

Um den Rückstand aufzuholen, werden zusätzliche Experten eingestellt. Neue Stellen zu schaffen, das sei aber ein Budgetprozess, der durch den Kantonsrat bewilligt werden muss. Die Ausbildung zum Prüfungsexperten dauert danach auch noch einmal ein halbes Jahr.

Im Raum Olten soll die MFK möglichst bald in ein neues Gebäude umziehen. «Wir sind zusammen mit dem Hochbauamt an der Ausarbeitung eines Projekts bei den Busbetrieben Olten-Gösgen-Gäu (BOGG) in Wangen bei Olten», sagt Kenneth Lützelschwab. Dass in die alte Infrastruktur in Olten derzeit nicht mehr investiert wird, verstehe sich von selbst. Man werde in Olten die Kapazitäten kurzfristig durch eine zusätzliche Stelle vergrössern.

Der Service läuft unbehindert

«Die Zusammenarbeit mit der MFK klappt gut», sagt Walter Jost, der in Luterbach eine Werkstatt führt. Der Rückstand bei den Aufgeboten zur Prüfung wirke sich nicht negativ auf sein Autogewerbe aus. «Die MFK ist zum Glück recht flexibel», sagt Jost. Er sei mit den für die Garagen eingerichteten Zeitfenstern zufrieden. «Die Leute kaufen ein Auto nur, wenn es frisch geprüft ist. Ich muss meistens nur wenige Tage auf einen Termin warten und manchmal bekomme ich sogar von der MFK kurzfristig einen Anruf, wenn jemand einen Termin abgesagt hat.»

«Keine Faust im Sack»

Der «Service public» scheint also trotz Prüfstau zu funktionieren. Die Einführung der neuen, integrierten Betriebssoftware für die Strassenverkehrsämter ist reibungslos und von der Öffentlichkeit unbemerkt gelungen. Als nächste Rationalisierungsmassnahme ist die direkte Digitalisierung des Prüfungsablaufs geplant. Schon bald soll der Experte die Daten direkt beim Auto auf einem Tablet erfassen und nicht mehr Formulare auf Papier ausfüllen.

«Wir sehen uns als Dienstleistungsbetrieb. Deshalb ist es wichtig, die Kontakte mit dem Autogewerbeverband, dem Nutzfahrzeugverband Astag, dem TCS und dem Bundesamt für Strassen (Astra) regelmässig zu pflegen», sagt Lützelschwab. «Es bringt niemandem was, wenn unsere Kunden die Faust im Sack machen, aber nichts sagen. Wir wollen wissen, welche Bedürfnisse da sind.»