Was als Neuigkeit daherkommt, kann bloss noch lauwarm serviert werden: Sandra Rigassi hat das Präsidium der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Amteien Thal-Gäu und Dorneck-Thierstein abgegeben. Die Rechtsanwältin verliess die Behörde bereits Ende des vergangenen Jahres.

Im Gegensatz zu früheren Fällen verzichtete das kantonale Amt für soziale Sicherheit (ASO), die zuständige Aufsichtsbehörde, diesmal jedoch auf ein Communiqué, um über den Abgang zu informieren. Ebenfalls nicht vermeldet worden ist, dass Vizepräsidentin Agatha Kremser im Januar interimistisch die Leitung der Kesb übernommen hat. Und dass die Behörde mit Rolf Eggenschwiler nun wieder einen ordentlichen Präsidenten bekommt. Nach einer siebenmonatigen Übergangszeit.

Der Regierungsrat hat Eggenschwiler, bisher Gerichtsschreiber am Amtsgericht Thal-Gäu, kürzlich ins Amt gewählt. Damit ist der Gäuer bereits der dritte Präsident der Kesb, die Anfang des Jahres 2013 die früheren Vormundschaftsbehörden der Gemeinden abgelöst und gerade eben ihre erste Amtsperiode abgeschlossen hat.

Im Einzugsgebiet der Behörde leben fast 70 000 Menschen. Die Kesb-Mitarbeitenden befassen sich täglich mit persönlichen Schicksalen, mit den Abgründen des Lebens. Sie prüfen etwa die Gefährdungsmeldungen von Familien, organisieren die Heimunterbringung von Kindern oder beschäftigen sich mit den Besuchsrechtsregelungen bei Streitigkeiten zwischen Ehepartnern.

Gerichtsschreiber übernimmt

Warum wurden die jüngsten Personalien nicht mittels Communiqué publik gemacht? ASO-Chefin Claudia Hänzi sagt auf Anfrage, die Kesb-Organisationen im Kanton Solothurn seien «nach einer Einführungsphase mit höherem Informationsbedarf» zum geregelten Betrieb übergegangen. «Die Kesb ist diesbezüglich eine Behörde wie jede andere auch.»

Den Abgang von Sandra Rigassi, die gerade einmal 26 Monate an der Spitze der Behörde stand, begründet Hänzi so: «Sie hat sich entschieden, eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.» Rigassi selbst bestätigt dies gegenüber dieser Zeitung und verweist auf «private Gründe» für ihren Weggang. Die Baselbieterin praktiziert unterdessen als selbstständige Mediatorin.

Dass es nach ihrem Weggang über ein halbes Jahr gedauert hat, bis ein Nachfolger gewählt worden ist, bezeichnet Hänzi wiederum als bewussten Entscheid. «Wir haben uns ein wenig Zeit genommen für einen gründlichen Auswahlprozess, um die ideale Person für diesen Posten zu finden.» So könne die Kesb jetzt neu aufgestellt in ihre zweite vierjährige Amtsperiode starten.

Leitung umgekrempelt

Ohne weitere Nebengeräusche geht das freilich nicht über die Bühne. Mit dem Rücktritt von Präsidentin Rigassi kam es an den Dienstsitzen der Kesb in Balsthal und Breitenbach zu weiteren Abgängen.

In den vergangenen Monaten wurde die fünfköpfige Fachbehörde, der sowohl Juristen als auch Sozialpädagogen und Mediatoren angehören, quasi neu zusammengewürfelt. Das verdeutlicht der Blick auf eine Mitgliederliste aus dem Frühjahr 2016: Nur noch zwei der damaligen Leitungsmitglieder arbeiten heute noch für die Behörde.

Gleichzeitig verliessen offenbar mehrere Angestellte der Administration die Kesb. Eine frühere Mitarbeitende berichtet von «immer grösser werdenden Arbeitslast». Nebst dem eigentlichen Alltagsgeschäft habe die Aufbauphase viel Energie gekostet.

Amtschefin Hänzi erklärt die Wechsel bei der Kesb unter anderem mit den Veränderungen in der Führung, die weitere Kesb-Mitglieder zum Anlass genommen hätten, sich neu zu orientieren. Allgemein könne man festhalten, dass es sich «eben um eine erst vier Jahre alte Behörde handelt», sagt Hänzi. Die Kesb sei von Grund auf neu geschaffen worden. «Die ersten Mitarbeitenden konnten sich nicht auf Erfahrungswerte stützen. Manche kamen dann zum Schluss, dass diese Arbeit für sie nicht das Richtige ist.»

Mitarbeitende unter Druck

In der ganzen Schweiz lastet viel Druck auf den rund 2000 Mitarbeitenden der Kesb-Organisationen, wie die nationale Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) bereits im vergangenen Herbst berichtete. Zu der hohen Arbeitslast kommt die öffentliche Kritik in Medien und Politik. Diese hätte sich etwa nach dem sogenannten «Fall Flach» – eine Mutter im Zürcher Weinland tötete ihre beiden Kinder vor der geplanten Rückkehr ins Heim – noch weiter verstärkt.

Viele Mitarbeitende haben angesichts der Kritik gleich gekündigt, zeigen die Erfahrungen der Kokes. Und bei der Kesb-Vereinigung des Kantons Zürich heisst es sogar: Manche würden in ihrem Bekanntenkreis lieber erst gar nicht mehr erzählen, dass sie für die Kesb arbeiten.