Podiumsdiskussion

Bei der Energiewende scheinen Kompromisse gefordert

In der Theorie ist die Energiewende akzeptiert. Wie viele Bürger sich jedoch ein Windrand hinter ihrem Haus vorstellen können, ist unklar.

In der Theorie ist die Energiewende akzeptiert. Wie viele Bürger sich jedoch ein Windrand hinter ihrem Haus vorstellen können, ist unklar.

Eine Podiumsrunde diskutierte im Solothurner Landhaus, wie die Energiewende zu schaffen ist. Die verfahrene Diskussion zeigte: Offenbar ist die Wende nur mit Kompromissen zu schaffen.

Eine halbe Stunde diskutierte die hochkarätig besetzte Runde im Solothurner Landhaus über «dreckige Energien». Dann hatte Sabine Perch-Nielsen die Nase voll. «Der politische Blickwinkel ist zu eng», enervierte sich die Umweltnaturwissenschaftlerin. Man spreche nur über den Atomausstieg oder Kohleenergie, statt «das Ganze» zu betrachten. Denn: «Die Energiewende funktioniert nur, wenn verschiedene Faktoren zusammenspielen.»

Kurt Lanz (Economiesuisse), Reto Nause (Städteverband), Sabine Perch Nielsen (Ernst Basler und Partner), Moderator Reto Lipp, Roger Nordmann (Nationalrat SP/VD), Peter Pauli (Meyer Burger), Christian Wasserfallen (Nationalrat FDP/BE) und Stefan Müller Altermatt (Nationalrat CVP/SO).

Sie diskutierten im Solothurner Landhaus über die Energiewende (v.l.):

Kurt Lanz (Economiesuisse), Reto Nause (Städteverband), Sabine Perch Nielsen (Ernst Basler und Partner), Moderator Reto Lipp, Roger Nordmann (Nationalrat SP/VD), Peter Pauli (Meyer Burger), Christian Wasserfallen (Nationalrat FDP/BE) und Stefan Müller Altermatt (Nationalrat CVP/SO).

Peter Pauli, CEO des Solarunternehmens Meyer Burger, appellierte an die Politik, «langfristigere Denkweisen anzunehmen». Beim Podium am nationalen Kongress der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz trafen Politiker auf Wirtschaftsvertreter, die lieber einem solarfreundlichen Sozialdemokraten applaudieren, statt mit dem Wirtschaftsliberalen zu sympathisieren.

«Planwirtschaft sondergleichen»

Als Moderator Reto Lipp – der Fernsehjournalist erwies sich als fachkundiger Conférencier – wissen wollte, warum in der Schweiz denn so wenig Solarzellen zu sehen sind, erklärte Nationalrat Roger Nordmann (SP/VD) mit erhobenem Zeigefinger: «In der Schweiz hat die Energiewende zu spät eingesetzt.»

Er gab sich überzeugt, dass die Solarenergie gute Marktchancen habe. Sein Nationalratskollege Christian Wasserfallen (FDP/BE) hatte dafür nur ein müdes Lächeln übrig: «Unser Strommarkt ist längst überreguliert.» Das «absurde Karussell der Sachzwänge» drehe sich so schnell, dass gar nicht mehr von einem Markt gesprochen werden dürfe.

Wasserfallen («Manche bezeichnen mich als ewiggestrig, aber das ist schon okay.») trat der Energiewende einmal mehr ausgesprochen skeptisch gegenüber. Als Reto Nause – der Berner Gemeinderat vertrat am Podium den Städteverband – seine Ideen für eine «quartiergerechte Energieplanung» vorstellte, wollte Wasserfallen seinen Ohren nicht trauen. «Das ist Planwirtschaft sondergleichen», wetterte er. Stefan Müller-Altermatt hingegen nahm seinen CVP-Kollegen Nause in Schutz. «Richtpläne, wie es sie in der Stadt Bern gibt, sind vernünftig und ganz und gar nicht ungewöhnlich», sagte der Solothurner Nationalrat.

«Energiewelt sah noch ganz anders aus»

Die Energiewende, das zeigte die teilweise verfahrene Diskussion im Landhaus, scheint nur mit Kompromissen zu schaffen. So vertrat Kurt Lanz von Economiesuisse die Meinung, dass der Ausstieg aus der Kernenergie eine Erhöhung der Co2-Emissionen bedeute, weil Sonne und Wind den wegfallenden Atomstrom nicht ausreichend ersetzen könnten. «Das widerspricht den Plänen des Bundesrates, der die CO2-Emissionen bis 2050 um zwei Drittel senken will.»

Stefan Müller-Altermatt erinnerte daran, dass sich in 37 Jahren noch vieles ändern könne. «Als ich vor 37 Jahren geboren wurde», meinte er, «sah die Energiewelt ganz anders aus.» Viele Technologien, die heute selbstverständlich seien, habe man sich damals nicht einmal im Traum vorstellen mögen.

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