15 pro 1000 Kirchenmitglieder aus dem Kanton Solothurn sind 2015 aus der Kirche ausgetreten. Mehr waren es nur im Kanton Basel-Stadt (30,6 auf 1000 Mitglieder). Auch im Aargau haben überdurchschnittlich viele der Kirche den Rücken gekehrt. 

Platz 2 bei den absoluten Kirchenaustritten gehörte bereits 2011/2012 dem Kanton Solothurn. Damals waren es 13,1 Mitglieder, wie aus den Zahlen hervorgeht, die das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) zusammengetragen hat.

Ein genauerer Blick in diese Statistik – für Solothurn liegen die Zahlen von 2008 bis 2015 vor – zeigt: Sowohl bei der römisch-katholischen als auch bei der evangelisch-reformierten Kirche sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Austritte zu verzeichnen.  

Den Höhepunkt erreichten die Austritte im Jahr 2010 mit 1677 bei den Katholiken und 565 bei den Reformierten, wobei bei letzteren nur die Zahlen der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (BeJuSo) einflossen. Der obere Kantonsteil wurde nicht erfasst.

Bei der Kirche gibt es für den damaligen Exodus eine Erklärung. «Die hohe Anzahl Austritte steht im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche», sagt Urs Umbricht, Mediensprecher der römisch-katholischen Synode des Kantons Solothurn. Die öffentlich gewordenen Fälle haben offensichtlich auch auf die reformierte Kirche ausgestrahlt.

Was Umbricht an der ganzen Kirchenstatistik stört, ist die Tatsache, dass nur absolute Zahlen abgebildet werden. Das bringe nichts, betont er. Vielmehr müsste der Prozentanteil, also die Anzahl der Austritte in Relation mit den Mitgliedern, aufgezeigt werden.

34,1 Prozent der Solothurner Bevölkerung waren 2015 römisch-katholisch; das sind 91'305 Personen. 22,5 Prozent gehörten der evangelisch-reformierten Kirche an (60'171 Personen). Bei den Katholiken waren es 1,4 Prozent der Mitglieder, die sich verabschiedeten. Bei den Reformierten ist dies aufgrund der unvollständigen Statistik schwerer festzustellen. Nimmt man als Grundlage die Zahl der Solothurner Mitglieder im BeJuSo-Verbund (2014 waren es knappe 38'000) beträgt die Austrittsrate ebenfalls 1,4 Prozent.

Für Umbricht ist aber klar, dass die katholische Kirche prozentual weniger Mitglieder verliert als die evangelisch-reformierte. Aus einen bestimmen Grund: «Die Migranten sind ein Vorteil für die Katholiken.» Die eingewanderten Südländer und auch Eritreer seien katholisch. «Dadurch stehen wir in der Statistik besser da als die Reformierten», so Umbricht.

Ihm ist ein Rätsel, weshalb im Solothurnischen überdurchschnittlich viele aus der Kirche austreten. «Überall sonst ist der Kanton im Mittelfeld. Wieso ist er bei den Austritten Spitze? Das ist schon speziell.» Die Gründe sind der Kirche schleierhaft. Zur nächsten Synodalversammlung Anfang März wurde ein Mitarbeiter des Pastoralsoziologischen Instituts eingeladen. «Er zeigt uns die Zahlen auf und kann hoffentlich etwas zu den Gründen sagen», sagt Urs Umbricht.