Seilbahn

Bei Ansturm auf Weissenstein: Oberdorf will Wildparkieren verhindern

Normalerweise hat es bei der Seilbahn Weissenstein genug Parkplätze. Nur in Ausnahmefällen reichen sie nicht aus.

Normalerweise hat es bei der Seilbahn Weissenstein genug Parkplätze. Nur in Ausnahmefällen reichen sie nicht aus.

Wenn die Parkplätze der Seilbahn Weissenstein voll sind, wird Oberdorf zuparkiert. Die Gemeinde will das ändern. Die Mittel dazu hätte sie seit Jahren, für die Umsetzung wollte man aber zuerst abwarten, welche Folgen das neue Hotel auf dem Berg auf die Parkplatzsituation haben würde.

Am 2. Januar war es besonders schlimm. Über 4000 Menschen flüchteten am Berchtoldstag aus der Nebelsuppe in Richtung Weissenstein. Die meisten davon reisten mit dem Auto zur Seilbahn an, die rund 400 Parkplätze dort waren schnell einmal voll. In der Folge wurde halb Oberdorf zuparkiert: Auf Seitenstrassen und Privatparkplätzen, ja sogar vor Hauseingängen standen Autos. Und nicht nur in Oberdorf. Anwohner berichten, dass die Berggänger an diesem Spitzentag noch in den Nachbarsdörfern Langendorf und Lommiswil Abstellmöglichkeiten für ihre Wagen suchten.

«So haben wir uns das also nicht vorgestellt», sagt Oberdorfs Gemeindepräsident Patrick Schlatter. Die Gemeinde will demnächst mit der Seilbahn und dem Kanton zusammensitzen und eine Lösung für das Problem suchen. Wie die konkret aussehen soll, ist noch unklar. Schlatter gibt sich aber zuversichtlich: «Ich bin überzeugt: Lösungen gibt es.»

Das Problem ist seit fünf Jahren erkannt

Das Problem hatte die Gemeinde bereits 2014 auf dem Radar. Darum hat sie damals, im Vorfeld der Eröffnung der Seilbahn, ein Parkierungsreglement erlassen. In diesem heisst es unter anderem: «Es ist ein Park- und Verkehrsleitsystem umzusetzen, welches ein geregeltes Auffüllen der verschiedenen Parkplätze sicherstellt sowie Suchverkehr und Wildparkieren verhindert.» An dieser Forderung hält die Gemeinde grundsätzlich immer noch fest – so erhielt sie auch Einzug in die kantonale Baubewilligung des Parkplatzes. Nur umgesetzt ist die Forderung bis heute noch nicht. Dabei hätte die Gemeinde vom Kanton durchaus verlangen können, dass er die Bedingungen in der Baubewilligung durchsetzt. Doch das wollte man nicht, sagt Schlatter: «Das wäre damals nicht zielführend gewesen.»

Der Grund dafür: In den Anfangsjahren wollte man abwarten, wie sich der Betrieb einpendelt und ob die vorhandenen Parkplätze möglicherweise ausreichen. Nach einem Ansturm auf die Seilbahn im Eröffnungsjahr gingen die Frequenzen in den Folgejahren dann auch zurück. Später nahmen die Pläne für das neue Hotel Weissenstein immer konkretere Formen an. Und so einigte man sich darauf, noch einmal zuzuwarten, bis das Hotel eröffnet und sich auch dieser Betrieb eingependelt hat. Erst dann würde man wieder Massnahmen diskutieren.

Dass so behutsam vorgegangen wird, dürfte auch damit zu tun haben, dass die möglichen Lösungen – ob es jetzt ein Verkehrsleitsystem oder etwas ganz anderes sein wird – aufwendig und teuer werden dürften. Wenn man schon so etwas mache, dann richtig, unter Berücksichtigung der tatsächlichen Problemsituation am Berg, ist unisono von der Gemeinde Oberdorf, vom Kanton und von der Seilbahn zu vernehmen.

Das neue Hotel hat die Situation kaum verändert

Vergangenen Sommer wurde das neue Hotel Weissenstein dann eröffnet. Damit rückt nun auch die Parkplatzsituation wieder in den Fokus. Man wolle zwar zuerst noch etwas zuwarten und weitere Erfahrungen sammeln. Grundsätzlich zeige sich aber, dass aufgrund des neuen Hotels die Parkplätze nicht ständig überlastet seien, sagt Konrad Stuber, Geschäftsführer der Seilbahn: «Das Problem sind einige wenige Spitzentage, wie zuletzt der 2. Januar. Aber das sind wenige Ausnahmefälle.» Es verstehe zwar, dass sich Anwohner darüber nerven – viel mehr tun, als an die Vernunft der Leute zu appellieren und auf den öV aufmerksam zu machen, könne die Seilbahn aber auch nicht: «Wenn wir ein Verkehrsleitsystem umsetzen würden, müssten wir bereits in Langendorf sämtliche Autofahrer befragen, ob sie auf den Berg wollen und falls ja, schon dort abweisen. Oder aber wir müssten in Oberdorf an sämtliche Quartierstrassen Polizisten hinstellen. Das ist schlicht nicht umsetzbar.»

Auch in Oberdorf redet man mittlerweile nicht mehr nur noch von einem Verkehrsleitsystem: «Wir sind offen für alle Lösungen», sagt Gemeindepräsident Schlatter. «Für uns steht im Zentrum, dass das Problem gelöst wird.»

Ist ein «Massnahmen-Bündel» die Lösung?

Und wieso werden nicht einfach mehr Parkplätze gebaut? Das wäre eine Möglichkeit, sagt Stephan Schader vom Amt für Raumplanung: «Allerdings wurden im Rahmen der damaligen Planung 400 Parkplätze bewilligt. Will man diese Zahl erhöhen, braucht es eine neue Planung – die wäre mit einem erheblichen Beschwerderisiko verbunden. Das würde viel Zeit in Anspruch nehmen.» Er sieht die Lösung eher in einem «Massnahmen-Bündel»: Eine Möglichkeit wäre, zumindest am Sonntag, den Migros-Parkplatz in Langendorf zu verwenden und die Leute mit einem Shuttle zur Seilbahn zu fahren. Eine andere bestünde darin, die Buslinie 1 (die ein Kilometer unterhalb der Seilbahn endet) zu verlängern. Eine weitere Möglichkeit: Das Angebot mit dem Zug attraktiver gestalten. Und es stehen auch Verkehrsleitmassnahmen in Langendorf im Raum. Wie auch immer die Lösung aussehen soll: In Zukunft sollen die Oberdörfer auch an Tagen, an denen der Weissenstein überrannt wird, hindernisfrei zu ihren Häusern kommen.

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