Bauarbeiten

Bei 30 Grad aufwärts: Die Hitze scheint sie kalt zu lassen

Keine Spur von klimatisierter Büroluft bei 30 Grad Celsius: Leute vom Bau müssen bei brütender Hitze ihren Job erfüllen. Wie beim Einbau des Deckbelags auf der Bahnhofstrasse bei Lohn-Ammannsegg–Lüterkofen.

Der Sommer hat mit voller Wucht Einzug gehalten. Trockenheit und enorm hohe Temperaturen lassen jeden schwitzen. Man bewegt sich möglichst im Schatten und ist froh, wenn der Arbeitsplatz einigermassen gut gekühlt ist. Das ist aber längst nicht bei allen der Fall. Am härtesten trifft es wohl die Bauarbeiter. Unter den Füssen schwarzer Asphaltbelag, kein bisschen Schatten und harte körperliche Arbeit – für viele wäre arbeiten unter diesen Bedingungen ein Albtraum, dennoch wird derzeit fleissig gebaut.

«Die Hitze ist bei guter Planung und Vorbereitung kein Problem», erklärt Roman Brägger, Bau- und Projektleiter der Baustelle an der Bahnhofstrasse zwischen Lohn und Lüterkofen. Die Bauarbeiter vor Ort seien mit einer Schutzausrüstung ausgestattet, die auch gegen die Hitze schütze. «Zudem werden stets genügend Getränke für die Arbeiter bereitgestellt.» Das Trinken ist von enormer Wichtigkeit, denn laut Brägger werden bei körperlicher Schwerarbeit – dazu gehört auch der Belagseinbau – unter Extrembedingungen Schweissmengen von bis zu 12 Litern pro Arbeitsschicht ausgedünstet.

150 Grad von unten

«Vor allem das Fehlen von Schatten auf der Strasse und der heisse Belag sind Faktoren, die die Hitze zum Problem machen», erklärt Brägger. Um die hohen Temperaturen zu umgehen, beginne der Arbeitstag möglichst früh, wenn nötig würde auch in der Nacht gearbeitet. «Es gibt auch ein Factsheet zum Thema ‹Hitze› von der Suva.» In diesem wird die Gefährdung durch Hitze bei der Arbeit erläutert. Zudem zeigt es hitzebedingte Krankheitsbilder und Methoden zu deren Verhütung auf.

Belagsarbeiten in Lohn bei 30 Grad aufwärts: Interview mit dem Bauführer Roman Brägger

Belagsarbeiten in Lohn bei 30 Grad aufwärts: Interview mit dem Bauführer Roman Brägger

Die Suva stellt ausserdem eine Checkliste bereit, mit deren Hilfe überprüft wird, ob auf der Baustelle alle Massnahmen zum grösstmöglichen Hitzeschutz getroffen sind. «Es existiert auch eine Verordnung über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei Bauarbeiten», erläutert Brägger. «Die Bauunternehmer haben kein Interesse daran, dass ihre Arbeitskräfte aufgrund der Hitze und ungenügender Schutzmassnahmen ausfallen.»

Auf der Baustelle scheint am Freitagmorgen um 10 Uhr die Sonne gnadenlos vom Himmel herab. «Von oben sind es heute um die 30 Grad, aber der frische Asphaltbelag auf der Strasse hat eine Temperatur von 150 Grad,» erklärt Brägger. Auch Bauunternehmer Urs Niklaus ist vor Ort, er hat gerade Getränkeflaschen zur Baustelle gebracht. «Man gewöhnt sich auch an die Hitze, der Asphalt ist ja immer heiss. Wichtig ist sicher, eine Kopfbedeckung zu tragen und viel zu trinken», erklärt Niklaus. Er sei schon lange im Geschäft und kenne sich aus.

«Heute haben wir um 7 Uhr mit dem Belagseinbau begonnen und werden um 13 Uhr fertig sein mit der einen Hälfte der Strasse, dadurch umgehen wir den heissen Nachmittag.» Es ist lärmig und heiss auf der Strasse. Noch heisser ist es auf der Belagsmaschine. In diese wird mit einem Silowagen laufend Asphalt nachgefüllt. Die Maschine verteilt diesen gleichmässig auf der Fahrbahn. 700 Tonnen Belag braucht es hier, also 350 Tonnen pro Fahrbahn.

Nuno Racha, einer der Bauarbeiter, bedient das Ungetüm. «Es ist schon anstrengender, bei diesen Bedingungen zu arbeiten. Wenn ich nicht genug trinke, habe ich abends Kopfschmerzen.» Auch Racha sagt, man gewöhne sich an solche Temperaturen, das gehöre zur Arbeit mit Asphalt. Auf die Frage ob es ihm auf der Belagsmaschine – wo es noch heisser ist, als draussen auf der Strasse – nicht zu ungemütlich sei, winkt er ab: «Nein, das geht schon.»

Drei Meter Belag pro Minute

«Also ich bin seit 45 Jahren in der Baubranche tätig und es ist noch keiner wegen der Hitze umgefallen», sagt Niklaus. «Ich setze für solche Belagsarbeiten bei diesen Bedingungen auch nur routinierte Leute ein. Die Konzentration nimmt logischerweise unter diesen Umständen nach einiger Zeit ab, es ist wichtig, dann Arbeiter auf der Baustelle zu haben, die sich auskennen.»

Brägger stimmt dem zu: «Es ist auch Cleverness vonseiten des Bauunternehmers gefragt. Er weiss, welche Leute gut zusammenarbeiten können und genügend Erfahrung haben.» Dadurch sei eine effiziente Arbeitsweise, ohne allfällige Zwischenfälle, gewährleistet. Auch Sonnencreme wird den Arbeitern zur Verfügung gestellt. «Ob sie diese dann auch tatsächlich brauchen, ist ihnen überlassen», meint Brägger.

Der Belagseinbau schreitet voran, drei Meter werden pro Minute eingebaut. Hinter der Belagsmaschine wird der Teer gewalzt. Die Bauarbeiter sind mit Konzentration bei der Sache, die Hitze scheint alle kalt zu lassen. Sie sind eine eingespielte Gruppe, dafür hat Niklaus bei der Arbeitszuteilung gesorgt. Er erklärt: «Wer mit der Arbeit bei solcher Hitze nicht klarkommt, ist nicht lange auf dem Bau tätig. Es hat auch viel mit Berufsstolz zu tun, viele arbeiten gerne auf der Baustelle.»

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