Radio loco-motivo
Beeinträchtigte Menschen gehen auf Sendung: «Sie erhalten eine Stimme»

Am 16. und 19. Dezember wird zum ersten Mal die kunterbunte Sendung von Radio loco-motivo Solothurn ausgestrahlt. Was steckt dahinter? Menschen mit und ohne Psychiatrie-Erfahrung machen gemeinsam Radio und möchten damit ein Zeichen setzen.

Vera HaVrda
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Das Redaktionsteam von Radio loco-motivo mit Andreas Meier (3. v. l.)

Das Redaktionsteam von Radio loco-motivo mit Andreas Meier (3. v. l.)

zvg

Angesprochene Zielgruppen, wie zum Beispiel Menschen mit Beeinträchtigungen oder erschwertem Zugang zur Gesellschaft, sollen durch die gemeinsame Radioarbeit in verschiedenen Kompetenzen gestärkt werden. «Die Integration kann so gefördert werden», erklärt Andreas Meier, Kurs-Betreuer und Co-Leiter des Solothurner Projekts.

Das Projekt loco-motivo Radio stammt ursprünglich aus Argentinien. Seit 1991 wird die Sendung dort regelmässig ausgestrahlt. Vor vier Jahren fand die Idee ihren Weg auch in die Schweiz.

Die Radioschule klipp+klang hat in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Sozialpsychiatrie und Radio Bern RaBe ab dem Sommer 2011 die erste Redaktion von Radio loco-motivo aufgebaut und ausgebildet.

Gestützt auf dieses Beispiel nahmen Daniel Wermelinger, Geschäftsführer der Solodaris-Stiftung, und Manuela Meneghini vom Gesundheitsamt Solothurn mit der Radioschule klipp+klang Kontakt auf. «Diese begleitet auch das Projekt Radio loco-motivo Bern technisch», wie Andreas Meier erklärt.

Radio: Eins zu eins

Man entschied, das Radioprojekt im Zusammenhang mit einem Radiokurs umzusetzen. Seit dem Frühling fanden sieben Nachmittagskurse statt, in denen die Radiosendung geplant, geübt und strukturiert wurde.

«Wir machten mit Flyern in Institutionen, bei Psychiater(inne)n und sozialen Organisationen öffentlich Werbung. So wurden die Kursteilnehmer auf uns und diese Möglichkeit aufmerksam», erinnert sich Andreas Meier. Acht Personen nahmen an den Kursnachmittagen teil, zwei Frauen und sechs Männer mit Psychiatrie-Erfahrung.

Finanziert wurde das Projekt vom Verein Psychische Gesundheit, aber auch die Kursteilnehmer hätten einen Beitrag zahlen müssen. «In den Kursen gab es viel zu tun. Wir beschäftigen uns mit der Einführung und der Themenbestimmung. Die Aufnahmetechniken wurden diskutiert und Interviews vorbereitet. Die Beiträge mussten aufgenommen und geschnitten werden, und wie man die Sendung gestalten und moderieren möchte, war auch ein wichtiges Anliegen», so Meier.

Das Selbstvertrauen stärken

Und was verspricht man sich von diesem Projekt? Die Betroffenen sollen die Erfahrung machen, dass sie sich aktiv einbringen können und mit ihren Anliegen und Interessen ernst genommen werden.

Die Teamarbeit verbessere das Selbstvertrauen, fördere die gegenseitige Toleranz. Nur gemeinsam gelinge die Sendung, erklärt der Co-Leiter. «Über die Radioarbeit nehmen sie sich als aktiven Bestandteil der Gesellschaft wahr und wenden sich an die Öffentlichkeit. Sie erhalten eine Stimme, senden und werden gehört.»

Man möchte mit dieser Sendung möglichst viele Menschen ansprechen und die Gesellschaft für verschiedene Themenbereiche sensibilisieren, erklärt Meier.

Sendungsausstrahlungen: Mittwoch, 16. Dez., 17–18 Uhr auf Radio RaBe, rabe.ch

Samstag, 19. Dez., 17–18 Uhr auf Radio Kanal K, kanalk.ch

Nachhören im Archiv: radiolocomotivo.ch