Übernachtung

Bed&Breakfast boomt in der Schweiz – die Region harzt

Wer die Wahl hat, hat die Qual: «Nur» Bett mit Frühstück bei privaten Anbietern – oder doch lieber Unterkunft im Hotel?

Wer die Wahl hat, hat die Qual: «Nur» Bett mit Frühstück bei privaten Anbietern – oder doch lieber Unterkunft im Hotel?

Im Kanton Solothurn ist die Stimmung unter den regionalen Anbietern von Bed&Breakfast nicht euphorisch. Sie klagen über mangelnde Unterstützung durch das Tourismusbüro.

Während die Hotelübernachtungen in den meisten Regionen der Schweiz zurückgehen, verzeichnen private Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten im ganzen Land einen «spektakulären Anstieg von fast zehn Prozent jährlich». Dies freut die Organisation «Bed and Breakfast Switzerland» (B&B). Die Möglichkeit, fernab vom Massentourismus ungewöhnliche Orte zu entdecken und authentische Erfahrungen zu sammeln, treffe den Nerv der Zeit, heisst es in einer Verbandsmitteilung.

Fragt sich allerdings, ob der Erfolg dieser Art von Übernachtungen wirklich nur auf den von der Organisation proklamierten Werten – Gastfreundschaft, Austausch, Authentizität – beruht? Oder vielleicht doch eher zu einem grossen Teil auf den finanziellen Vorteilen von Unterkünften dieser Art? In der Region Solothurn jedenfalls erlebt man den B&B-Boom etwas weniger grandios. «Viele Leute wollen oder können sich in der momentanen Situation keine teuren Hotelzimmer leisten.» Stellt Eva Beck, Betreiberin des Gästehauses Sonne in Zuchwil, klar.

Gemischte Gefühle in der Region

Überhaupt ist die Stimmung bei den Anbietern von Bed-and-Breakfast-Unterkünften in der Region nicht ganz so euphorisch wie in der nationalen Zentrale. Zwar geben alle regionalen Befragten an, mit den Einnahmen grösstenteils zufrieden zu sein, aber viele von ihnen erklären, dass sie einen Grossteil der Übernachtungen nicht etwa von privaten Reisenden auf der Suche nach «originellen und neuartigen Aufenthaltsmöglichkeiten» verzeichnen. Vielmehr seien sie auswärtigen Arbeitern zu verdanken, deren Firmen sich keine teuren Hotels leisten können oder wollen. Diese «unfreiwilligen» Kunden wüssten den Charme und das Persönliche der kleinen Einrichtungen selten wirklich zu schätzen.

In einigen Fällen hat die Besucherzahl in den letzten Jahren sogar abgenommen. Elisabeth Blersch aus Nennigkofen erinnert sich: «Früher kamen sehr viele französische, deutsche und italienische Familien zu uns. Diese bleiben jetzt leider aus. Und auch die Velofahrer, die früher oft bei uns übernachtet haben, sind in den letzten Jahren weggefallen.» Ein Grund könnte sein, dass sich der hohe Frankenkurs gerade auch in diesem Touristen-Segment negativ auf die Nachfrage aus dem Ausland auswirkt.

Kritik: «Zu wenig Unterstützung»

In einem Punkt sind sich die Befragten einig: Sie fühlen sich von der Organisation Region Solothurn Tourismus stiefmütterlich behandelt. «Auch wenn alle Hotelunterkünfte in der Stadt besetzt sind, empfiehlt uns das Tourismusbüro nicht weiter», klagt Lepa Ingold, Eigentümerin der Pension Stern in Derendingen. Marlies Emch vom Gästehaus Aimée in Solothurn doppelt nach: «Selbst während der Literatur- oder Filmtage vermittelt uns das Tourismusbüro keine zusätzlichen Gäste.» Ein Besucher habe berichtet, dass er erst nach eigener Recherche im Internet auf ihr Angebot aufmerksam geworden sei, obwohl er im Tourismusbüro explizit nach Übernachtungsmöglichkeiten dieser Art gefragt habe. «Dabei zahle ich Beiträge an das Tourismusbüro!», ärgert sie sich.

«Wir vermitteln, was gefragt ist»

Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus, wehrt sich gegen diese Vorwürfe: «Grundsätzlich sind wir für die Vermarktung in der Stadt Solothurn zuständig, nicht der ganzen Region.» Es sei darum nicht möglich, jeden einzelnen Privatanbieter aufzuspüren. Man arbeite selbstverständlich gerne auch mit kleinen Pensionen zusammen, sei aber darauf angewiesen, dass diese sich beim Tourismusbüro meldeten.

Ausserdem müsse man Vereinsmitglied bei Solothurn Tourismus sein, wenn man Gäste vermittelt bekommen möchte. Bei der Empfehlung der Unterkünfte orientiere man sich an den Wünschen der Gäste: «Wir versuchen nicht, eine bestimmte Zimmerkategorie zu verkaufen. In der Regel stehen Hotelzimmer einfach ganz oben auf der Wunschliste von potenziellen Besuchern.»

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