Das Restaurant «Freundschaft» in Hubersdorf ist bereits am frühen Nachmittag gut besucht. Beat Biberstein sitzt am Stammtisch und erwartet «die Zeitung» zum «Kaffee mit...». Hier ein Schulterklopfen, dort ein schalkhafter Gruss: Der gross gewachsene Biberstein ist im Leberberg bekannt wie ein bunter Hund.

Doch das stört ihn gar nicht – im Gegenteil. Wäre es nicht so, hätte er wohl ein Problem. «Ich bin so», sagt der 52-jährige und lacht. «Ich stehe einfach gerne im Mittelpunkt, bin der Antreiber und Leader». Das muss er auch sein, denn seit dem Jahr 2000 ist er in Personalunion Regisseur, Schauspieler, Bühnenbildner, Requisiteur für die Theatergruppe Riedholz. Diese ist damals aus dem Theaterensemble des Turnvereins entstanden.

Mit 15 Jahren infiziert

Beat Biberstein hat bei der «Jugendbewegung» 1979 zum ersten Mal Theaterluft geschnuppert. «15 Jahre alt war ich damals und meine Rolle war ein Pöstler». Drei, vier Jahre lang habe er dann mitgespielt, doch dann zügig die Regie übernommen. «Ich bin eben gerne derjenige, der vorausgeht und die andern anleitet.»

Seit 16 Jahren ist er nun der «technische Leiter» für die Theatergruppe Riedholz. «Wir haben einen fast familiären Zusammenhang», erklärt er. 36 Mitglieder zählt der Theaterverein momentan. «Ich sage immer: Ich bin wie der Trainer. Ich sage, wo es lang geht.» Bibersteins Theaterarbeit fängt nicht erst mit den Proben an. Er liest auch das Stück aus, welches auf die Bühne kommt, denn er ist überzeugt: «Das muss der Trainer bestimmen, sonst kommt man an kein Ende.» Gleich handhabt er es mit der «Mannschaftsaufstellung», sprich dem Schauspielerensemble.

In Riedholz wird immer ein Lustspiel aufgeführt. «Wir glauben, dass unser Publikum gerade dies schätzt und deshalb zu uns kommt. Die Leute sollen zwei Stunden lachen können und den Alltag vergessen». Ausverkauft seien sie jedenfalls immer und aus dem Publikum kämen immer positive Rückmeldungen.

Dabei ist es gar nicht so einfach, ein Lustspiel oder eine Komödie gekonnt aufzuführen. Das Timing muss stimmen, die Pointen dürfen nicht zu vorhersehbar sein. «Viele der heutigen Lustspiele sind feiner und intelligenter als die alten ‹Schenkelklopfer-Stücke›», sagt Biberstein mit Überzeugung.

Der «Hopperster» hat die Erfahrung gemacht, dass jeder seiner Schauspieler sich für jede Rolle eignet. «Natürlich besetze ich einen Anfänger nicht gleich mit der Hauptrolle. Es ist ein langsames Herantasten ans Spiel. Meiner Meinung nach ist gutes Laienspiel in der Regel eine Frage der richtigen Anleitung.»

Für Laien-Regisseure, gibt es beim Zentralverband Schweizerisches Volkstheater ZSV Kurse, die absolviert werden können. Biberstein, der im Hauptberuf als Schulhauswart in Hubersdorf arbeitet und mit dem Schulbus unterwegs ist, ist Mitglied dieses Verbandes, doch er hat er noch nie einen Theaterkurs belegt.

Er ist eine Naturbegabung, das Rollenspiel liegt ihm im Blut. So lustig Bibersteins Theaterrollen sind, so ernst ist eine seiner Alltags-Rollen. Er arbeitet in Teilzeit noch als Bestatter. «Auch da schlüpfe ich in eine Rolle.» Doch sei es besonders in diesem Metier wichtig, wahrhaftig zu bleiben.

Zu nah am Wasser gebaut

Gerne besuche er auch andere Laienbühnen, manchmal zusammen mit seinem Schauspieler-Team. «Wir Laienspieler haben einen schönen Kontakt untereinander und besuchen uns auch gegenseitig. Da gibt es immer mal was zu lernen – oder auch nicht.»

Ist die jährliche Theaterproduktion mit «seinen» Riedholzer Ende Oktober beendet, falle man fast in ein Loch, meint der ausgebildete Forstwart noch. Da sei er dann froh, dass er bereits mit der Theatergruppe der Musikgesellschaft Flumenthal ein weiteres, etwas kleineres Stück einstudieren könne. Dieses wird dann jeweils im Mai auf die Bühne gebracht.

Beat Biberstein bezeichnet sich als Bühnentier, doch das Lampenfieber ist ihm nach all den Jahren noch immer eine Qual. «Das geht nicht weg», sagt er und dagegen gebe es bei ihm nur ein Mittel: «Ich spreche ununterbrochen, um mich abzulenken».

Doch dann, nach dem Auftritt, wenn seine Kolleginnen und Kollegen den wohlverdienten Schlussapplaus entgegennehmen, dann müsse er sich jedes Mal stark zusammenreissen. «Ich schaffe es dann nicht, mehrmals auf die Bühne zu kommen. Ich bin zu nah am Wasser gebaut.» Er verneige sich einmal und trete dann ab.

Es lasse einige Zeit verstreichen und wage sich dann erst wieder unter die Leute, wenn die grösste Begeisterung geschwunden sei. «Besonders stolz macht mich Szenenapplaus». Es gebe nichts Schöneres, als wenn er spüre, dass das Publikum auf seiner Seite sei.