Kanton Solothurn

BDP-Zugpferde sehen keine Zukunft für Partei und nehmen nicht an Nationalratswahlen teil

Markus Dietschi und Martin Flury wollen nicht antreten.

Markus Dietschi und Martin Flury wollen nicht antreten.

Die Zugpferde der Solothurner BDP wollen bei den Nationalratswahlen 2019 nicht mitlaufen. Die Kantonsräte Martin Flury und Markus Dietschi verzichten auf eine Kandidatur. Sie sehen zu wenig Zukunftsperspektiven für ihre Partei.

«Wir treten auf jeden Fall 2019 zu den Nationalratswahlen an», sagt ein selbstbewusster Chris van den Broeke. Was dies denn für Gerüchte seien, die anderes behaupten würden, will der Chef der Solothurner BDP wissen. Im Parteivorstand habe es jedenfalls nie Zweifel gegeben, ob die Partei im kommenden Herbst antreten soll.

Tatsache ist aber: Die Solothurner BDP muss auf ihre bekanntesten und bestgewählten Köpfe verzichten. Sowohl der Selzacher Landwirt Markus Dietschi als auch der Deitinger Landwirt Martin Flury wollen im kommenden Jahr nicht auf einer BDP-Liste zu den Nationalratswahlen antreten. Dies bestätigen beide Politiker auf Anfrage.

«Wir konnten nicht Fuss fassen»

«Ich wäre nicht konsequent, wenn ich jetzt noch antreten würde», sagt Dietschi. Der 43-Jährige, der die BDP in den letzten Jahren massgebend geprägt hatte, äusserte sich bereits im April in einem Interview mit dieser Zeitung ernüchtert: Es sei der Partei nicht gelungen, sich als eigenständige Kraft zu etablieren.

Um «nachhaltig auf dem Markt zu bleiben», hätte die Partei mehr erreichen müssen, zeigte sich Dietschi damals skeptisch zur Zukunft der Partei. «Wir konnten auf Gemeindeebene nicht Fuss fassen. Unsere Mitgliederzahl hat nicht zugenommen. Wie lange will man da weitermachen?»

Abhängig von Wechselwählern

Aktuell betont Dietschi: Es gebe kein Zerwürfnis mit der Partei und keine persönlichen Auseinandersetzungen. Man sehe einfach die Zukunftsperspektive unterschiedlich. Dem Vorhaben der Kantonalpartei zollt er jedoch «grossen Respekt», sagt Dietschi.

Auch Martin Flury, bei den letzten Kantonsratswahlen bestgewählter BDP-Mann des Kantons, will nicht mehr auf einer Nationalratsliste kandidieren. «Anzutreten würde für mich nicht stimmen», sagt er. Der Deitinger Landwirt wirkt ein wenig desillusioniert, was die Zukunftsaussichten seiner Partei angeht. Man habe mit viel Herzblut am Aufbau der BDP gearbeitet, sagt Flury, der dies im Kantonsrat weiterhin tun will. «Aber die Basis ist nicht da. Es gibt zu wenig Wähler, die den BDP-Zettel einwerfen.»

Die Partei sei zu stark abhängig von Wechselwählern. Flury hat die letzten Wahlkämpfe geleitet. Man habe zwar entgegen vieler Untergangsprophezeihungen die beiden Kantonsratssitze verteidigen können. Trotzdem und trotz viel Arbeit sei es in den vergangenen Jahren jedoch nicht gelungen, eine breitere Basis aufzubauen. Ohne Panaschierstimmen hätte die BDP ihre Sitze nicht halten können. «Wir haben es versucht. Irgendwann ist es Zeit für neue Köpfe», so Flury.

Präsident ist zukunftsgewiss

Bei den Kantonsratswahlen 2017 holte die BDP kantonsweit 2,2 Prozent aller Stimmen. Sie war allerdings nur in den drei Amteien Solothurn-Lebern (3,3 Prozent), Bucheggberg-Wasseramt (4,9 Prozent) und Olten-Gösgen angetreten. Bei den Nationalratswahlen 2015 hatte die BDP 3,3 Prozent geholt – Flury und Dietschi hatten die mit Abstand besten Ergebnisse.

Würde ein schlechtes Ergebnis bei den Nationalratswahlen die Perspektiven nochmals senken? Könnten die Wahlen eine Zitterpartie werden? Kantonalpräsident Chris van den Broeke gibt sich zukunftsgewiss. Die Nationalratswahlen seien eine gute Plattform, um sich zu präsentieren und so für die nächsten Kantonsratswahlen bekannt zu machen. «Wir treten sicher mit zwei Listen an», sagt er.

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