Leerwohnungsbestand

Baumeister-Präsident zu Wohnbaumarkt: «Leicht überhitzt, aber noch im Lot»

Baumeister-Präsident Bruno Fuchs

Baumeister-Präsident Bruno Fuchs

Im Kanton Solothurn steht jede 47. Wohnung leer, die Leerwohnbauziffer ist die zweithöchste im Land. Pro Jahr kommen hier 1100 bis 1400 Neuwohnungen auf den Markt. Wird zu viel gebaut?

Der seit Jahren anhaltende Bauboom hat auch den Kanton Solothurn erfasst. Seit 2008 kommen jährlich zwischen 1100 und 1400 Neuwohnungen auf den Markt. Gleichzeitig bewegt sich der Leerwohnungsbestand im nationalen Vergleich auf hohem Niveau, aktuell hinter dem Kanton Jura am zweithöchsten. Wird also zu viel gebaut?

Bruno Fuchs, Präsident des Baumeisterverbandes Solothurn, differenziert. Von den rund 2700 leerstehenden Wohnungen seien 86 Prozent Mietwohnungen und nur 14 Prozent Wohnungen zum Kauf. Zudem handle es sich bei zwei Dritteln der leeren Logis um 3- oder 4-Zimmer-Wohnungen. Bei Kleinwohnungen bis zwei Zimmer und jenen ab fünf Zimmern liege Solothurn im Schnitt anderer Kantone. «Deshalb sollte bei künftigen Neubauten ein besserer Wohnungsmix erstellt werden», lautet sein Fazit. Dieser fehlende Mix sei sicher mit ein Grund, dass neu erstellte Wohnungen vorübergehend leer stünden.

Der höhere Leerwohnungsbestand als in anderen Kantonen in der Nordwestschweiz sei zudem nicht neu. «Da wir als zentraler Mittekanton – gelegen im Dreieck Zürich, Basel und Bern – noch über bezahlbares Bauland verfügen und verkehrsmässig gut erschlossen sind, beunruhigt uns die Zunahme im vergangenen Jahr noch nicht.» Fakt sei aber auch, dass mehr gebaut worden sei, als der Markt aktuell absorbiere.

Damit und weiteren Einflussfaktoren wie geografische Lage, Steuerbelastung, Schulen oder Erschliessung stünden auch die grossen Unterschiede bei der Leerwohnungsziffer auf Gemeindeebene im Zusammenhang.

Insgesamt beurteilt der Baumeister-Präsident den Wohnbaumarkt im Kanton Solothurn als «leicht überhitzt, aber sicher noch im Lot». Man beobachte allerdings «externe Entwicklungen» wie verschärfte Kreditvergaben der Banken, Einwanderungspolitik oder Vorbezug von Alterskapital für Wohneigentum genau. «Es zeichnet sich eine Abkühlung im Wohnungsbau ab. Einen regelrechten Einbruch erwarten wir aber nicht.» (FS)

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