Neuer Name, mehr Delegierte
Bauernverbands-Präsident: «Wir sind gegen die industrielle Landwirtschaft»

Präsident Andreas Vögtli warnte an Delegiertenversammlung vor Auswüchsen der Liberalisierung. Und: Der «Sololothurnische Bauernverband» heisst neu «Solothurner Bauernverband». Wir haben an der Delegiertenversammlung einen Augenschein genommen.

Franz Schaible
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Der Solothurner Bauernverband will mehr Betriebe an der künftigen Politik des Verbandes teilnehmen lassen. (Symbolbild)

Der Solothurner Bauernverband will mehr Betriebe an der künftigen Politik des Verbandes teilnehmen lassen. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

In einer kämpferischen Rede kritisierte der oberste Solothurner Bauer, Andreas Vögtli, an der gestrigen Delegiertenversammlung die Auswüchse der weltweiten Liberalisierung im Agrarmarkt. «Eine industrielle Landwirtschaft, geprägt vom krankhaften Verlangen nach steigenden Börsenkursen und hohen Dividenden, hat nichts mehr mit nachhaltiger Nahrungsmittelproduktion zu tun», wetterte der Präsident des Solothurnischen Bauernverbandes im Bildungszentrum Wallierhof.

Dies führe zur Produktion zu Weltmarktpreisen auf dem Buckel der Arbeitskräfte und der Nutztiere sowie nicht zuletzt auf Kosten der Ökologie. «Das kann nicht die Messlatte sein, nach der wir uns als Solothurner Landwirte ausrichten sollten.»

Wo bleibt der Menschenverstand?
Vögtli warnte, dass im Zusammenhang mit anstehenden Freihandelsabkommen der Grenzschutz für Agrarprodukte infrage gestellt werde. Bei Aussagen vom Chef der Handelskammer Schweiz-USA wie «die Bauern dürfen der Wirtschaft nicht im Weg stehen» oder «Früchte, Fleisch und Gemüse sollen von dort kommen, wo sie am effizientesten produziert werden», frage er sich, ob der gesunde Menschenverstand total abhanden gekommen sei.

Dabei sei die hiesige Lebensmittelindustrie auf hochwertige Rohstoffe aus nachhaltiger, inländischer Produktion angewiesen. Gegen die erwähnten Auswüchse müssen man sich wehren, Bauern gemeinsam mit Konsumenten, schlug er den Bogen zur Initiative für Ernährungssicherheit, welche voraussichtlich 2017 an die Urne kommen wird. Er appellierte an die Solidarität innerhalb des Verbandes.

Im letzten November hätten die Bauern Solidarität bewiesen und mit der Grossdemo in Bern das Ziel erreicht. Das Parlament habe «den Wortbruch des Bundesrates» korrigiert und die geplanten Kürzungen beim Agrarbudget rückgängig gemacht. «Der Zusammenhalt innerhalb der Landwirtschaft bildet das Bollwerk gegen die Angriffe auf unsere Existenz.»

In einem kurzen Tour d’Horizon beleuchtete Bauernsekretär Peter Brügger die Ausführungen des Bundesrates zur künftigen Agrarpolitik. «Diese weisen wenig Visionen auf.» Es sei nicht vorgesehen, dass die produktiven Leistungen der Landwirtschaft stärker unterstützt werden. Mit der Verlagerung der ökologischen Direktzahlungen auf qualitativ hochstehendere Flächen werde es für viele Bauernfamilien schwieriger, Einkommensverluste durch stärkere Beteiligung an Ökoprogrammen zu kompensieren, warnte Brügger.

Denn die ökologische Qualität lasse sich nicht einfach herstellen, sondern hänge beispielsweise auch von der Bodenqualität ab. Die Bauern seien aber offen, neue Produktionstechnologien einzusetzen, um die sogenannte Ressourceneffizienz zu verbessern. Gerade die kantonalen Projekte Bores (Massnahmen zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit) oder Ares (Massnahmen zur Minderung von Ammoniakemissionen) hätten dies gezeigt.

Brügger rief den Kanton auf, weitere Projekte zur Verbesserung der Ressourceneffizienz zu unterstützen. Er könne aber auch mit eigene Pilotprojekten – wie mit Ares und Bores bewiesen – dazu beitragen, dass die Solothurner Bauern rechtzeitig für die kommenden Herausforderungen sensibilisiert seien.

Neuer Name für Verband
Im zweiten Teil der Versammlung wurde Josef Müller (Dulliken) einstimmig in den Vorstand gewählt. Er ersetzt den zurücktretenden André Erni (Stüsslingen). Und ohne Gegenstimme hiessen die Delegierten eine Teilrevision der Statuten gut. Unter anderem wird der Name von Solothurnischem Bauernverband in Solothurner Bauernverband umbenannt.

Gleichzeitig wird die Zahl der Delegierten erhöht. Bisher hatte jeder landwirtschaftliche Bezirksverein pro zwanzig Mitglieder Anspruch auf einen Delegierten. Neu wird dieses Verhältnis auf ein Delegierter pro zwölf Mitglieder erhöht. Zudem werde mit der Statutenrevision die Berufsbildung als wichtige Aufgabe des Verbandes verankert und die Aufgaben der zuständigen Kommission definiert.

Dass die landwirtschaftliche Ausbildung auch bei der Solothurner Regierung als wichtig eingestuft wird, zeigten die kurzen Ausführungen von Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler. Um im Wallierhof weiterhin eine zeitgemässe und praxisnahe Aus- und Weiterbildung zu gewährleisten, bedürfe es einer Erneuerung der Gebäulichkeiten und der Infrastruktur. Gerade im Bereich der Tierhaltung sei man nicht mehr auf dem modernsten Stand. «Der Sanierungsbedarf ist da.»

Deshalb werde ihr Departement zusammen mit dem Baudepartement in den kommenden Monaten Pläne zur Erneuerung ausarbeiten. «Ziel ist es, die Erfolgsgeschichte Wallierhof fortzuschreiben.»

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