Das in der Vernehmlassung befindliche Projekt des Kantons sieht vor, dass bei einem Jahrhunderthochwasser im Gäu grosse Flächen zwischen Oensingen, Kestenholz und Niederbuchsiten überflutet werden. Das Hochwasser soll in Oensingen über einen Dücker unter der Autobahn A1 hindurchgeführt werden. Massive Dämme sollen die Siedlungsgebiete der Gemeinden schützen. Das Wasser zwischen der A 1 und den geplanten Dämmen könnte im Ernstfall bis zu 4,5 hoch gestaut werden (wir berichteten).

In Kiesgruben umleiten

Der Solothurner Bauernverband (SOBV) äussert sich nun kritisch zur aktuellen Hochwasserschutzplanung des Kantons Er verlangt im Rahmen der laufenden Vernehmlassung die Prüfung von Alternativen. Der mit diesem Projekt verbundene Verlust an wertvollem Kulturland sei nicht akzeptabel, schreibt der SOBV in einer Mitteilung.

Als Alternative wird vorgeschlagen, dass bei ausgebeuteten Kiesgruben auf eine vollständige Auffüllung zu verzichtet sei. Das so entstehende Volumen könne als Rückhaltebecken für Hochwasserlagen genutzt werden. Dies mit dem Hinweis, dass sich in relativ geringer Distanz zum Lauf der Dünnern, des Bipperbachs und des Mittelgäubachs Kiesabbaugebiete mit entsprechend grossen Gruben befinden.

Der Vorschlag des SOBV sieht in den abgebauten Kiesgruben die Rekultivierung auf einem 10 Meter tieferen Niveau vor. Diese tiefer liegenden Flächen könnten im Normalfall landwirtschaftlich genutzt werden, so der SOBV. Bei einem Hochwasser könnten diese Flächen geflutet werden. So könnte ein Rückhaltevolumen von 100 000 Kubikmeter geschaffen werden.

Kulturlandverlust durch Dämme

Der SOBV zeigt sich überzeugt, dass in den bestehenden Kiesgruben Aebsiholz und Niederbipp das für ein Jahrhunderthochwasser notwendige Volumen geschaffen werden kann. Zusätzlich könnten auch die Kiesgruben Härkingen und Gunzgen in die Planung einbezogen werden, findet der SOBV.

ür diese Lösung müsse bei einem Hochwasser nicht nur weniger Kulturland überflutet werden, sondern es müssten auch keine Dämme aufgeschüttet werden. Diese verursachten einen Verlust von Kulturland und stellten zudem Eingriff in die Landschaft dar.

Vorbehalte meldet der SOBV auch zum Kosten-Nutzen-Verhältnisses für die vorgeschlagenen Hochwasserschutzmassnahmen an. Diese stünden mit 70 bis 80 Mio. Franken bei einem maximalen Schadenpotenzial von 65 Mio. Franken in einem wirtschaftlich nicht ausreichenden Verhältnis. Nicht eingerechnet seien ferner die Unterhaltskosten und die Wiederherstellung des Kulturlandes bei einem Hochwasser. (eva/mgt)