Die strengeren Tierschutzvorschriften stellen viele Bauernbetriebe vor fast unlösbare Probleme, und zwar finanzieller Art. Der Ablauf der Übergangsfrist des neuen Tierschutzgesetzes per September 2013 bringt unter anderem härtere Vorschriften bei der Tierhaltung. Die Landwirte sind gezwungen, mit hohen Investitionen ihre Stallbauten an die neuen Normen anzupassen, wenn sie die Tierhaltung auf dem Betrieb weiterführen wollen.

Dies bekommt auch die Solothurnische Landwirtschaftliche Kreditkasse zu spüren. «Wir haben im vergangenen Jahr so viele Neukredite bewilligt wie noch nie in unserer Geschichte», sagt Peter Brügger, Geschäftsführer der Kreditkasse und Sekretär des Solothurnischen Bauernverbandes. Die Kasse genehmigte 69 Gesuche für Investitionshilfen und gewährte zinslose Darlehen in der Höhe von 12,2 Millionen Franken. Darunter fallen auch Starthilfen bei Pacht- und Hofübernahmen. Zum Vergleich: 2010 waren es 43 «Fälle» mit 8,3 Millionen Franken.

Zunahme um 39 Prozent

«Der Trend für die Kredite an Bauernbetriebe zeigt seit zehn Jahren eindeutig aufwärts», blickt Brügger zurück und untermauert die Aussage mit Zahlen. Während Ende 2003 Investitionskredite in der Höhe von 50,1 Millionen Franken ausstehend waren, lag der Bestand Ende 2012 bei 69,7 Millionen Franken. Das entspricht einer Zunahme um 39 Prozent. Und im laufenden Jahr sei in den ersten sechs Monaten keine Beruhigung spürbar. «Die Anzahl Gesuche hat nicht abgenommen.»

Die erhöhte Beanspruchung der Dienstleistungen der Kreditkasse stehe aber nicht grundsätzlich im Zusammenhang mit einer verschlechterten finanziellen Lage der Landwirtschaftsbetriebe. Brügger spricht vielmehr von einem «hohen Anpassungsdruck» - von extern gesteuert. Nebst dem Einfluss der neuen Tierschutzgesetzgebung macht der Geschäftsführer generell einen hohen Nachholbedarf, insbesondere bei den Milchwirtschaftsbetrieben, geltend. Die Milchkontingentierung habe die Produktionsmöglichkeiten während 30 Jahren vorgegeben. Nicht wenige Milchproduzenten hätten ihre Anstrengungen in Richtung Produktionsrechte gelenkt und weniger in die Infrastruktur investiert. «Das führt dazu, dass auf den meisten Betrieben heute noch Stallbauten vorhanden sind, die bei weitem nicht mehr dem heutigen technischen Stand entsprechen», erläutert Brügger. Dementsprechend bestehe «ein grosser Nachholbedarf für Investitionen in Stallneu- und Umbauten». Insgesamt sei bei den Ökonomiegebäuden der Trend in Richtung grösserer Projekte ungebrochen.

Diversifiziert mit Solarstromanlagen

Als dritten Grund für die stetige Zunahme nennt Brügger die Unterstützung zur Diversifizierung der Tätigkeiten im landwirtschaftlichen Bereich. Dabei handle es sich primär um die Montage und Inbetriebnahme von Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Ökonomiegebäude. «Insgesamt hat die Kreditkasse im vergangenen Jahr 16 Anlagen zur Produktion von Solarstrom unterstützt.»

Auf weit tieferem Niveau bewegen sich die Betriebshilfedarlehen durch die Kreditkasse. Sie dienen der Überbrückung vorübergehender finanzieller Engpässe. 2012 wurden vier Betriebshilfegesuche genehmigt und dafür Kredite von 0,7 Millionen Franken bewilligt. Insgesamt waren Ende 2012 Betriebshilfedarlehen in der Höhe von 10,7 Millionen Franken ausstehend.

Risiko im Griff

Das Risiko des Kreditgeschäftes liege bei der «Bauernbank», erläutert Brügger. Dieses werde möglichst minimiert mit der systematischen Kontrolle der Buchhaltungsabschlüsse aller Kreditnehmer und durch ein jährliches Rating der Grundpfandsicherheiten und Überprüfung der Positionen mit hohem Risiko. Die Risikosituation per Ende Geschäftsjahr 2012 sei positiv. «Es bestehen keine gefährdeten Positionen, die Zahlungsmoral der Kreditnehmer ist sehr gut und kein Grundpfandverwertungsverfahren ist hängig.» Die Ausstände betrugen bei den Investitionskrediten 11 500 Franken und bei den Betriebshilfedarlehen 5000 Franken. «Darüber würde sich manche normale Geschäftsbank freuen», sagt Brügger lachend.