«Frische Eier, Kartoffeln, Apfelsaft». In den letzten Jahren schossen sie aus dem Boden: Holzschilder am Strassenrand, welche auf die hofeigenen Lädeli der Bauernbetriebe hinweisen. Und tatsächlich, die Zahl der registrierten Hofläden im Kanton Solothurn ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Waren es laut Bundesamt für Statistik im Jahr 2010 noch 170 Landwirtschaftsbetriebe mit Direktverkauf, liegt die Zahl im Jahr 2016 bei knapp 270. Das bedeutet, dass jeder fünfte Bauernbetrieb im Kanton Solothurn einen Teil seiner Produkte direkt vermarktet. Warum ist diese Zahl derart gestiegen?

Unabhängig vom Zwischenhandel

Laut Daniel Erwin vom Schweizer Bauernverband ist die Direktvermarktung eine elegante Art, trotz rückläufigen Preisen für landwirtschaftliche Produkte ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Dabei brauche es grundsätzlich weder zusätzliche Flächen noch neue Gebäude. Zudem bestehe so die Möglichkeit, an der Marge der Verarbeitung und des Verkaufs an Endkunden teilzuhaben. «Man ist unabhängig von Zwischenhändlern», bestätigt auch Barbara Balzli vom Hof Schönmatt in Gempen.

Ein weiterer Pluspunkt sei natürlich der nahe Kundenkontakt. «Im Hofladen kommt man ins Gespräch, wir können Fragen beantworten und bauen ein Vertrauensverhältnis auf», fügt sie hinzu. Dadurch, dass sich der Laden auf dem Betrieb befindet, lasse sich die Arbeit gut in den landwirtschaftlichen Alltag integrieren; was zum Beispiel mit einem Marktbesuch nicht der Fall wäre.

Wie wirtschaftlich solche Hofläden sind, ist laut Erwin von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Bei 40 Prozent aller Bauernbetriebe in der Schweiz macht der Direktverkauf immerhin 10 bis 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Für fünf Prozent der Betriebe zählt er sogar als Haupterwerb. Zu diesen fünf Prozent gehört auch die Familie Birrer vom Gummenhof in Niederwil. «Das Lädeli ist der Ort, wo das Geld reinfliesst», sagt Susy Birrer.

Würden sie ihre Ware ausschliesslich an Händler weitergeben, der Ertrag würde längst nicht mehr ausreichen. So habe man etwas vom Ertrag und könne die Produkte trotzdem zu einem fairen Preis anbieten. «Ist doch eigentlich verrückt, dass wir uns ohne das Lädeli gar nicht mehr über Wasser halten könnten», fasst Birrer nachdenklich zusammen.

Hofladen als Goldgrube?

Doch einfach verdientes Geld ist die Direktvermarktung natürlich trotzdem nicht. «Es steckt viel Aufwand dahinter», sagt Michael Studer vom Kreuzplatzhof in Boningen. Die Familie betreibt ihren Hof- und Dorfladen seit etwa zehn Jahren und hat inzwischen sogar Bedienungspersonal eingestellt. Zur Direktvermarktung gehören auch Marketingarbeiten und Personalkosten. Man könne den Kunden das Gemüse schliesslich nicht einfach in Kisten vor die Nase stellen. «Zudem ist man für die Qualität, die Hygiene und die sorgfältige Verarbeitung selbst verantwortlich», erklärt Michael Studer.

Michael Studer vom Kreuzplatzhof in Boningen

    

Und obwohl der Laden jeden Tag geöffnet und bedient ist, scheint das Konzept zu funktionieren. «Angefangen haben wir mit einem Schnittblumenfeld», erinnert sich der Landwirt. Dann habe sich das Ganze entwickelt: Es kamen Kürbisse dazu, im nächsten Jahr Tomaten und es folgte weiteres Gemüse. «Irgendwann haben wir sogar die Tierhaltung für die Direktvermarktung aufgegeben», erzählt Studer.

Konkurrenz schläft nicht

Und wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Man müsste doch meinen, die Direktvermarkter beginnen sich langsam selbst auszustechen. Doch hier sind sich die befragten Landwirte alle einig: Die Konkurrenz ist unter Direktvermarktern kaum zu spüren. «Wir haben das Glück, dass wir als einziger Betrieb im Dorf einen Laden betreiben», ergänzt Studer; der Hofladen der Studers hat sich inzwischen zu einem Dorfladen entwickelt. Einige Betriebe versuchen sogar, sich gegenseitig zu ergänzen, um ein möglichst breites Angebot bereitstellen zu können.

Konkurrenz sieht Susy Birrer eher in Grossverteilern. Diese hätten in den letzten 25 Jahren auch nicht geschlafen und erkannt, dass regionale und saisonale Produkte gefragt sind. Nicht vergessen dürfe man den Onlinehandel. «Wahrscheinlich müssen auch wir mitziehen und auf all diesen Plattformen präsent sein», sagt sie mit Blick in die Zukunft. Vor 25 Jahren wollten Birrers die Konsumenten mit ihrem Hofladen näher an den Produktionsort bringen. «Und jetzt bringen wir unsere Produkte bald online an den Konsumenten», ergänzt Birrer und schüttelt lachend den Kopf.