Ob sie «Mist an den Absätzen» haben, wollte Bauernsekretär Peter Brügger von den Regierungsratskandidaten wissen. Sie konnten sich an der Jahresversammlung des Solothurner Bauernverbandes am Wallierhof in Riedholz kurz präsentieren.

Allerdings posierten sie in zwei zeitlich versetzten Runden, weil sie zugleich an einem andern Politanlass teilnehmen mussten. Vor den rund 150 Anwesenden, darunter 92 Delegierte, konnten nur Susanne Schaffner (SP) und Brigit Wyss (Grüne) «Bauernblut» vorweisen. Beide sind auf einem Bauernhof aufgewachsen. Schaffners ganze Verwandtschaft sei immer noch in der Landwirtschaft tätig.

Die Bisherigen, Roland Fürst (CVP) und Roland Heim (CVP), berichteten davon, früher bei der Zuckerrübenernte mitgeholfen zu haben. Heim: «Gartenarbeit habe ich versucht, doch bald eingesehen, es den Profis zu überlassen.» Nicole Hirt (GLP), die gerne auf ihrem Pferd ausreitet: «Ich habe fast jeden Tag Mist an den Schuhen.»

Der bisherige Remo Ankli (FDP) und Marianne Meister (FDP) sprachen von ihren beruflichen Tätigkeiten, welche sie mit der Landwirtschaft in Kontakt bringen würden. Manfred Küng (SVP) erzählte von seinen Versuchen als Rebbauer: «Mir sind weder Mehltau noch die Kirschessigfliege fremd. Ich bin froh, nicht damit meinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen.» Seinen Wein verkaufe er nicht, sondern müsse ihn selber trinken.

Brügger fragte weiter, was Regierungsräte und Politiker betreffend Landwirtschaft besser machen könnten. Hirt stellte den Bürokratieabbau ins Zentrum. «Ich habe jede Hochachtung vor den Bauern. Ich finde deren Freiheit als Unternehmer wichtig, deshalb sollte man sich möglichst nicht übermässig in ihr Gewerbe einmischen.» Am «Bürokram» und an den «vielen Formularen» störte sich auch Meister. «Das Wichtigste ist, dass sich die Bauern auf die Produktion konzentrieren können», meinte sie.

Wyss stellte klar, dass die Bauern weltweit in einem schwierigen Umfeld steckten und strich die «Fair-Food-Initiative» der Grünen hervor. Schaffner kauft auf dem Markt regionale Produkte ein, auch in Bioqualität. «Man sollte die Wahl haben, auch regionale Güter zu kaufen», fand sie. Ankli meinte auf den Lehrplan 21 angesprochen, dass ein besseres Verständnis für Wirtschaft und Landwirtschaft entstehen würde. «Mehr Bauern wird es dadurch jedoch nicht geben.»

Baudirektor in der Kritik

Fürst, der als Vorsteher des Baudepartements auch an der Delegiertenversammlung den Unmut der Bauern wegen des Kulturlandverlustes spürte, betonte, dass sich Ein- und Auszonungen die Waage halten müssten. Er fand jedoch, dass Entscheidendes auf Ebene der Gemeinden passiere, bei den Ortsplanungsrevisionen: «Dort geht die Post ab.» Sie hätten auch schon Planungen der Gemeinden zurückgewiesen. Ob es noch Platz habe für die Bauernschaft, fragte Brügger im Hinblick auf die Tendenz nach grösseren Bauernbetrieben und Bestrebungen nach Schutzzonen andererseits.

Die richtige Balance zu finden sei schwierig, so Fürst, es sei wie bei einem Tischtuch, wo jeder an einer Ecke ziehe. «Es hat auf alle Fälle noch Platz», fand Wyss. Marianne Meister: «Bachnaturierungen sollte man nicht im schönsten Kulturraum vornehmen.» Und: «Man soll grosszügig sein bei Liegenschaften der Bauern.»