Autobahn A1

Bauern fürchten wegen 6-Spur-Ausbau um Ackerland und stellen Forderungen

Die Regierung will einen 6-Spuren-Ausbau auf den 22 Kilometern zwischen Luterbach und Härkingen. Die Bauern fürchten um ihr fruchtbares Ackerland.

Die Regierung will einen 6-Spuren-Ausbau auf den 22 Kilometern zwischen Luterbach und Härkingen. Die Bauern fürchten um ihr fruchtbares Ackerland.

Die Bauernverbände kritisieren, dass landwirtschatliche Ersatzmassnahmen noch nicht bekannt sind. Und sie stellen Bedingungen.

Vor wenigen Tagen wies der Regierungsrat bei der Beantwortung eines parlamentarischen Vorstosses darauf hin, dass er sich wiederholt für einen landwirtschaftsverträglichen und kulturlandschonenden Ausbau der A1 zwischen Härkingen und Luterbach eingesetzt habe.

Das Ausführungsprojekt weise nun mit 8 statt 11,7 Hektaren einen deutlich geringeren Kulturlandverlust aus als ursprünglich vorgesehen. Und auf die Intervention des Kantons gehe auch die landwirtschaftliche Planung im vom Ausbauprojekt betroffenen Gebiet zurück. Mit ihr sollen Betriebsstrukturen auf ökologische Ersatzmassnahmen abgestimmt und Flächen ermittelt werden, die sich hinsichtlich Ertragspotenzial aufwerten lassen.

Die Bauern bleiben skeptisch. In einer gemeinsamen Erklärung kritisieren der Solothurner und der Berner Bauernverband, dass unmittelbar vor der zu erwartenden Projektauflage die Ergebnisse der erwähnten landwirtschaftlichen Planung noch nicht vorlägen. Man erwarte, dass dies bis zur Projektauflage der Fall sei und dass sich sowohl das Bundesamt für Strassen als auch der Kanton Solothurn klar zu den Ersatzmassnahmen bekennen, welche die negativen Auswirkungen des Autobahnausbaus auf die Landwirtschaft reduzieren sollen.

Das Projekt müsse «zwingend» und «in sämtlichen Bereichen» auf einen minimalen Kulturlandverbrauch ausgerichtet sein, so die Bauernverbände. Sorgen bereitet der Landwirtschaft insbesondere die Wildtierquerung im Gebiet Oberbuchsiten/Oensingen: Aus ebenem, gut ackerfähigem Boden werde geneigtes, nur noch extensiv nutzbares Land gemacht. Unklar ist bis heute, wie viele zusätzliche Leitstrukturen in Form von Hecken im Ackerland erstellt werden sollen. Der Solothurner Bauernverband verweist auf «namhafte Experten», welche solche Leitstrukturen nicht als notwendig erachten würden.

Und ein weiterer Punkt: Durch die Wildtierquerung würden künftig südlich der Autobahn die Schäden durch Wildschweine massiv zunehmen. Die Landwirtschaft erwartet vom Kanton, dass dieser Problematik die notwendige Beachtung geschenkt wird und «nicht in wenigen Jahren die Kosten dieser Massnahmen einfach den Bauern zugemutet werden».

Mehr Wasser, mehr Gemüsebau

Was die landwirtschaftlichen Ersatzmassnahmen betrifft, stellen der Solothurner und der Berner Bauernverband zusammen mit dem landwirtschaftlichen Bezirksverein Gäu-Untergäu klare Forderungen auf. Landwirtschaftsland, das über eine eher schwache Bodenqualität verfügt, müsse durch kulturtechnische Massnahmen aufgewertet werden. Es dürfe kein Humus aus der Region abgeführt oder entsorgt werden. Der Humus sei dafür zu verwenden, schwächere Böden aufzuwerten und so die Ertragsfähigkeit zu verbessern.

Eine weitere Forderung betrifft den Aufbau einer Bewässerungsinfrastruktur. Das Gäu leidet regelmässig unter Wassermangel, die Dünnern führt in den Sommermonaten nicht genügend Wasser, um die Bewässerung der Kulturen im grossen Stil zu ermöglichen. Mit dem Aufbau einer Bewässerungsinfrastruktur könne sichergestellt werden, dass gerade dann die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen möglich ist, wenn dies am dringendsten nötig ist.

Der Solothurner Bauernverband erhofft sich hier Unterstützung von Seiten der Fischer, wenn durch ein Bewässerungssystem die Wasserführung in der Dünnern auch in Trockenmonaten verbessert werden kann. Weiter verlangen die Bauern, dass mit dem Ausscheiden von Speziallandwirtschaftszonen der Gemüseanbau im Gäu gestärkt wird. Er biete eine Alternative, um auf einer kleineren Nutzfläche eine Wertschöpfung für die Bauernbetriebe zu ermöglichen.
Schliesslich ist nach Ansicht der Bauernverbände eine Güterregulierung zwingend notwendig.

Dabei dürften die verbleibenden Landwirtschaftsbetriebe am Schluss nicht generell über weniger Fläche verfügen, sondern müssten durch die Beschaffung von Land sogar gestärkt werden.

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