Solothurn

Baselstrasse wird saniert: Ab 2023 gibts ein zweites Gleis für das Bipperlisi

Das Projekt ist ambitiös und hoch komplex: Künftig soll das Bipperlisi zwischen dem Baseltorkreisel in Solothurn und der Haltestelle St. Katharinen zweigleisig geführt werden. Mit der Realisierung bis 2024 erhoffen sich die Verantwortlichen beim Kanton und der Betreiberin Aare Seeland mehr Sicherheit.

Die Baselstrasse in Solothurn ist seit längerem ein Sorgenkind im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau AVT. Kantonsingenieur Peter Heiniger: «Jährlich geben wir für Flickarbeiten 200'000 bis 300'000 Franken aus.» Ebenfalls in einem «sehr schlechten Zustand» sei das Bipperlisi-Gleis der Aare Seeland Mobil asm. Und so gründeten der Kanton und die Bahnbetreiberin eine Projekt- und Bauherrengemeinschaft, «wobei wir noch kein fertiges Projekt für die nachhaltige Sanierung von Strasse und Bahngleis haben, sondern erst ein Betriebs- und Gestaltungskonzept.»

Dieses ist ab sofort zur Mitwirkung im Rötihof ausgestellt – und zwar noch bis zum 16. August. Dann rechnet Heiniger, dass das Bewilligungsverfahren und die Kreditbeschaffung bis Anfang 2021, die Ausschreibung des Ausführungsprojekts 2022 erfolgen könne. «Die Realisierung dürfte 2023/24 zwei Jahre beanspruchen», meint der Kantonsingenieur weiter – wobei noch nicht festgelegt sei, wie man die Arbeiten konkret abwickle: Schneller, aber mit mehr Behinderungen oder langsamer mit weniger Beeinträchtigungen.

Raum für Velos und Fussgänger

In der Abwägung zwischen der jetzigen seitlichen Führung des Bahngleises und einer Lösung im Mischverkehr, sprich einem Doppelgleis, habe sich rasch die zweite Variante als die weitaus bessere Variante entpuppt, betont Peter Heiniger. «Und sie kommt auch nicht viel teurer zu stehen», ist der Kantonsingenieur überzeugt. Denn wenn der Autoverkehr die beiden Gleistrassees als Verkehrsfläche benutze, werde auf beiden Seiten Raum frei für den Langsamverkehr, Raum, der vor allem auf der Südseite für Fussgänger und Velos fehle. «Wir stellten fest, dass deswegen die Baselstrasse vom Veloverkehr gemieden wird», so Heiniger.

Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit. «Der Baseltor-Kreisel ist ein Unfallschwerpunkt», weiss Fredy Miller, Direktor der Bipperlisi-Betreibergesellschaft Aare Seeland Mobil. Deshalb wolle man auch die Sicht bei den Einfahrten wie beim Stadtpräsidium oder der Sternengasse verbessern. Im Kreisel selbst, den das Bipperlisi zweigleisig durchfährt, wird es zwei klar signalisierte Einfahrtspuren von der Werkhofstrasse her geben, nur noch eine, markierte, von der Rötistrasse her. Alle neuralgischen Stellen sollen durch Lichtsignalanlagen gesichert werden.

Bipperlisi als «Pulkführer»

Zur Sicherheit trägt auch bei, dass die Züge nur noch jeweils in der Richtung des Autoverkehrs fahren und die Autos selbst hinter den Zugkompositionen fahren. «Das Bipperlisi übernimmt so die Funktion eines Pulkführers», erklärt Fredy Miller. An den Haltestellen müssen die Autos jeweils warten – 20 bis 25 Sekunden soll die Haltezeit betragen. «Aber», betont Heiniger, «die Gesamtkapazität der Baselstrasse für den Autoverkehr bleibt im gleichen Mass bestehen», das hätten entsprechende Abklärungen bewiesen. Veränderungen erfahren auch die drei Haltestellen im Bereich der Baselstrasse: «Sie werden behindertengerecht auf 60 Meter Länge ausgebaut», verweist der asm-Direktor auf eine entsprechende Vorgabe, die bis 2023 an allen Haltestellen umgesetzt sein sollte.

Die beiden Haltestellen Baseltor beim Stadtpräsidium und Sternen werden den Ausstieg auf der jeweiligen Trottoirseite ermöglichen, die ebenfalls neu doppelgleisig ausgebaute Haltestelle St. Katharinen dagegen eine «Insel-Station» sein. Die Haltestelle Sternen wird stadteinwärts vor die Kreuzung Sternengasse verschoben, «sie ermöglicht damit künftig den optimalen öV-Zugang zur geplanten Migros-Filiale in der ehemaligen Amag», betont Peter Heiniger.

Die Tücken des Objekts

Vor Herausforderungen stellt die Planer auch die Baselstrasse selbst. Ist sie doch gesäumt von historischen Bauten und Mauern, die nicht angetastet werden dürfen, weil sie unter Denkmalschutz stehen. «Die engste Stelle bei der St.-Josefs-Kapelle ist nur gerade 10,60 Meter breit», macht Direktor Miller auf das eigentliche Nadelöhr des zu sanierenden Abschnitts aufmerksam. So wird Landerwerb auch von privaten Grundeigentümern vor allem im Bereich der Haltestelle St. Katharinen unumgänglich sein.

Zur Fahrplansicherheit, die Stadtpräsident Kurt Fluri mit dem Doppelgleis gefährdet sieht. gibt sich der asm-Direktor zuversichtlicher: Die Wende zeit in Solothurn und Oensingen sei mit 4 Minuten zwar knapp bemessen und «wir sind darauf angewiesen, dass wir pünktlich fahren können. Nach einer Simulation sind wir aber überzeugt, das das Ganze funktioniert.» Man habe diese auch auf den Viertelstundentakt angewendet, und «da hat es ebenfalls geklappt», betont Miller.

Der Viertelstunden-Takt wird allerdings mit dem jetzt beabsichtigten Doppelgleis-Ausbau für das Bipperlisi noch kein Thema. Dies bedinge eine weitere Ausbauetappe in Feldbrunnen, mit der aber wohl erst ab 2030 zu rechnen sei.

Pläne und Unterlagen können im Rötihof an der Werkhofstrasse 63 eingesehen werden am 24. Juni und 4. Juli von 17.30 bis 19.30 Uhr, am 13. Juli von 10 bis 12 Uhr, am 26. Juli von 17.30 bis 19.30 Uhr, am 10. August von 10 bis 12 Uhr und am 13. August von 16 bis 18 Uhr.
www.baselstrasse-solothurn.ch

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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