Barocktage
Wie die Patrizier wohnten: Im Schloss Steinbrugg und Garten des Bischofspalais

An den ersten Barocktagen Solothurn gab es das Schloss Steinbrugg und den Garten des Bischofspalais zu sehen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Schloss Steinbrugg .

Schloss Steinbrugg .

Tom Ulrich

Unter der Führung von Stefan Blank, kantonaler Denkmalpfleger, liessen sich rund 30 Personen zwei repräsentative Solothurner Sommerhäuser, die heute der Öffentlichkeit weniger zugänglich sind, vorstellen. Das Schloss Steinbrugg und das bischöfliche Palais waren beides frühere Sommersitze bedeutender Solothurner Patrizierfamilien. Heute ist im Schloss Steinbrugg das Bischöfliche Ordinariat untergebracht; im Palais auf der daneben liegenden Strassenseite hat unter anderem der Bischof des Bistums Basel seine Wohnung.

Treffpunkt für die Barock- Interessierten war das Schloss Steinbrugg. Der Generalvikar des Bistums Basel, Markus Thürig, stand Blank als Hausherr bei, und gab bei Fragen zur heutigen Nutzung der Häuser Auskunft.

Sommerhäuser rund um die Altstadt

Es gab einige solcher Landsitze rund um das Städtchen Solothurn, zeigte Blank anhand von alten Stichen und Karten auf. Das Schloss Steinbrugg gehört zum Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung. Eine Besonderheit, die ihm den Namen «das durchsichtige Haus» eintrug, ist die Tatsache, dass man vom Eingangsbereich im Haus durch das ganze Haus durchblicken kann, da die Halle auf zwei gegenüberliegenden Wänden mit grossen Fenstern eingefasst ist.

Stefan Blank erklärt, wie die Häuser früher aussahen.

Stefan Blank erklärt, wie die Häuser früher aussahen.

Tom Ulrich

Das Haus wurde von 1665 bis zirka 1668 als Sommerhaus für den Patrizier Johann Josef von Sury erbaut. Von Sury wurde – wie so viele Solothurner – reich durch Kriegsdienste in fremden Ländern. Aus der Familie seiner Ehefrau Maria Elisabeth von Steinbrugg stammt bis heute der Name des Hau-ses, denn Schwiegervater Steinbrugg, damals Schultheiss, verlangte von seinen Schwiegersöhnen, dass sie die Namen seiner Töchter künftig tragen müssten, da er selbst keine männlichen Nachkommen hatte. Von Sury starb jedoch schon 1692, und auch bald gab es Veränderungen am Haus. Das Dach des ursprünglichen Türmli-Hauses wurde 1712 erstmals ver-ändert. Es blieb in Familien-besitz, bis es 1926 die damalige Besitzerin, Ernestine von Glutz-Ruchti, geborene von Sury-Bussy, für 300000 Franken an das Bistum Basel verkaufte.

Dieses baute dann das Schloss zum Priesterseminar um. Den Westflügel, eine Orangerie, riss man ab und ersetzte ihn mit einem nunmehr erhöhten Seitenteil mit Studentenzimmern. 1937 fiel der Ost- flügel, ein Ökonomieteil mit Scheune, einem Brand zum Opfer. Dieser Anbau wurde nicht wieder aufgebaut.

Als man Ende der 1960er-Jahre die Priesterausbildung wieder nach Luzern verlegte, kam Ende der 1970er-Jahre die Verwaltung des Bistums Basel ins Schloss Steinbrugg.

«Maison entre cour et jardin»

Das Gebäude steht zwischen Hof und Garten und ist somit nach dem Muster der damals in Mode stehenden französischen Architektur als «Maison entre cour et jardin» (Haus zwischen Hof und Garten) konzipiert.

Im Innern des Hauses führte Blank zunächst in die Haus-kapelle, die Johannes dem Täufer gewidmet ist. Sie beeindruckt vor allem durch ihre illusionistische Malerei an der Decke, die aus dem 18. Jahrhundert stammt. Im sogenannten Bischofssaal im ersten Stock, in der belle étage, sind keine Möbel mehr aus der Barockzeit vorhanden. Die Ausstattung stammt aus dem 18. Jahrhundert. «Man weiss aber, dass hier ursprünglich Tapeten mit sogenannten Chinoiserien anzutreffen waren», weiss Blank, was damals sehr in Mode war. Ne-benan ist das sogenannte Schultheissenzimmer zu sehen. Hier beeindruckt neben einem fast originalen Kachelofen auch die noch ursprüngliche Täfelung des Raumes sowie die Porträts aller Solothurner Schultheissen aus damaliger Zeit.

Spannende Einblicke.

Spannende Einblicke.

Tom Ulrich

Im zweiten Stock ist der bemerkenswerte Domherrensaal mit grossem Tisch zu sehen. Gemäss Thürig wird in diesem Raum jeweils der Bischof von Basel von den Domherren gewählt. Nach einem Unterbruch in den 1920er-Jahren wurden um 1970 hier wieder zwölf Original-Papiertapeten von 1815/16 aus Paris angebracht, welche Szenen aus der mythologischen Erzählung «Amor und Psyche» zum Inhalt haben.

Der grosse Garten hinter dem Haus ist historisch bedeutsam, allerdings ist hier von barocker Pracht nicht mehr viel zu sehen. Noch erkennbar sind die verschiedenen abgegrenzten Pflanzflächen, die sogenannten Kompartimente, die Mittelachse und ein Seerosenteich. Noch zu sehen ist ein sogenanntes Boskett, ein seitliches Wäldchen, in welchem verschlungene Wege, Denkmäler und künstliche Hügel zu entdecken sind.

Vom Barock- zum Landschaftsgarten

Im bischöflichen Palais, vis-a-vis des Schlosses Steinbrugg, ist eine ganz andere Gartenanlage zu sehen. Sie ist etwas später entstanden, ihr liegt aber eine ganz andere Geisteshaltung zugrunde. Während im Barockgarten die Natur in strenge symmetrische Formen gebracht wurde, gab man ihr im Landschafts-garten Raum, sich zu entwickeln. Jetzt ging es darum, schöne, möglichst naturnahe Ansichten zu schaffen, die aber dennoch vom Menschen gepflanzt wurden. Ein Vertreter dieses Gedankenguts war auch der Berner Universalgelehrte Albrecht von Haller (1701–1777).

1828 wurde das Haus von dessen Enkel, Karl Ludwig von Haller (1768–1854), übernommen. Er war ein gesamteuropäisch tätiger Verfechter der Patrizierherrschaft. 1821 trat er zum Katholizismus über und verlegte deshalb seinen Wohnsitz von Bern nach Solothurn.

Gebaut wurde das Haus aber in den Jahren von 1676–1678 von Johann Karl Grimm-Schwaller. Grimm besass bereits ein Sommerhaus in Solothurn, welches aber wegen des Schanzenbaus abgerissen werden musste. Grimm wurde von der Stadt entschädigt und baute sich dieses neue, weiter von der Stadt liegende Haus. «Die Bauforschung hat erkannt, dass auch dieses Haus ursprünglich ein Türmli-Haus war», so Blank.

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