Derzeit wird auf der noch nicht ganz fertig aufgebauten Bühne vor der Waldegg heftig geprobt. Noch sind Ulisse, Telemaco, Penelope und die griechische Götterwelt in Jeans und T-Shirt unterwegs. Doch auch so arbeiten alle hoch konzentriert und wer als Zaungast das Geschehen beobachtet, kann erahnen, was die Faszination für dieses Stück ausmacht: Grosse Gefühle, menschliche Schwächen, und ein Quentchen Humor. Andreas Reize leitet «sein» cantus firmus consort mit gewohnter Routine und Regisseur Georg Rootering beobachtet und korrigiert wenn nötig jede Geste der Akteure.

Es ist Barockoper-Zeit: «l’Orfeo» im Sommer 2017, bringt cantus firmus 2019 ein weiteres Werk von Claudio Monteverdi (1657-1643) auf die Bühne von Schloss Waldegg. «Il ritorno d’Ulisse in patria» erzählt die letzten Episoden der Odyssee: Die Heimkehr des Odysseus.

Ein junges Ensemble und barocker Originalklang

Es ist ein inzwischen bestens eingespieltes Kernteam, welches die alle zwei Jahre stattfindende Barockoper auf der Waldegg zum Leben erweckt. Zum ersten Mal aber ist Sänger Hans-Jörg Mammel dabei, welcher den Ulisse verkörpert. Ebenso erstmals ist Geneviève Tschumi als Penelope zu hören. Doch der einheimische Jan Börner, der die Rollen L’humana fragilità und Pisandro singt, Raphael Höhn als Telemaco, Andrea Brown als Fortuna und Minerva, Michael Feyfar als Giove und Eumete, Lisandro Abadie als Tempo, Nettuno und Antinoo sowie Michael Mogl als Eurimaco sind sechs Stimmen, die bereits in früheren Produktionen auf Schloss Waldegg mitgewirkt haben. Weitere Sänger sind Dan Dunkelblum als Anfinomo, Alexandra Rawohl als Melanto, Alice Borciani als Amore und Giunone, Eelke van Koot als Iro sowie Miriam Callegaro als Ericlea.

Wie gewohnt spielt das cantus firmus consort auf historischen Instrumenten, die den Zauber der barocken Musik authentisch wiedergeben. Alle Musikerinnen und Musiker sind Spezialisten, die sich mit Fragen rund um die historische Aufführungspraxis auseinandersetzen.

Claudio Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse»

Die Oper «Il ritorno d’Ulisse in Patria» wurde mehr als 30 Jahre nach «l’Orfeo» – der auf der Waldegg 2017 gezeigt wurde – 1640 in Venedig uraufgeführt. Der Text der Oper basiert auf dem 13. bis 23. Gesang von Homers Odyssee. Odysseus kommt nach langen Irrfahrten endlich in seiner Heimat, findet dann aber sein Haus von Freiern besetzt vor. Durch eine List gelingt es ihm, unerkannt an der Hof zu kommen, die Freier zu besiegen und seine Frau Penelope und seinen Sohn Telemachos für sich zurück zu gewinnen.

In den Jahren des Dreissigjährigen Krieges 1618-1648 – Monteverdi schrieb «Orfeo» 1607, «Ulisse» 1640 – haben sich Besetzung und auch die Musik, grundlegend verändert, schreibt Andreas Reize. So wurde die Ausgabe des Orfeo noch mit vielen Angaben zur Instrumentierung versehen, während bei den beiden Spätwerken Monteverdis keine weiteren Angaben mehr zu finden sind. 1637 erhält Venedig ein erstes öffentliches Opernhaus und begründet damit seine Stellung als damaliges Opernzentrum Oberitaliens. Von den zwischen 1607 bis 1642 geschriebenen zehn Opern Monteverdis sind heute neben «l’Orfeo» nur noch die venezianischen Spätopern «Ritorno d’Ulisse» und «L’incoronazione di Poppea» vollständig erhalten.

Schlüsselwerk zwischen Renaissance und Barock

«Il ritorno d’Ulisse in Patria» ist nur dank eines Druckes aus Wien überliefert und war lange Zeit verschollen, ehe die Oper 1878 wiederentdeckt wurde. Heute gilt die Odysseus-Oper als Schlüsselwerk an der Schwelle zwischen den Epochen der Renaissance und des Barocks. Dennoch boten sich für Reize einige Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Stückes, da es in der Wiener Partitur Lücken gibt. Wo es nötig war, hat der Dirigent auf andere frühere Werke von Monteverdi zurückgegriffen, oder bereits bestehende Ergänzungen miteinbezogen.
Barock-Opern auf Schloss Waldegg werden seit dem Sommer 2006 unter dem Team Reize/Rootering aufgeführt. Vor zwei Jahren war Monteverdis «L’Orfeo» zu erleben.

Premiere: Donnerstag, 8. August 2019. Weitere Aufführungen: Fr, 9. 8.; Sa, 10. 8.; So, 11.8.; Do, 15. 8.; Fr, 16. 8.; Sa, 17. 8. Jeweils um 19 Uhr. Bei Schlechtwetter finden die Vorführungen im Stadttheater Solothurn statt. Schlechtwetterauskunft am Spieltag ab 16 Uhr per Tel. 1600 oder SMS ULISSE an 1600 und auf www.operwaldegg.ch
Vorverkauf: www.operwaldegg.ch, Tel 0900 441 441 und in der Filiale der Raiffeisenbank Weissenstein, an der Hauptgasse 67 in 4501 Solothurn.