Barock-Oper auf Schloss Waldegg
Andreas Reize: Monteverdi-Trilogie der Barockoper auf Schloss Waldegg ist vollendet

Mit «L’incoronazione di Poppea» bringt Andreas Reize die bekannteste Monteverdi-Oper auf die Bühne. Diese findet im August bei schönem Wetter auf Schloss Waldegg jeweils um 19 Uhr statt.

Fränzi Zwahlen
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Probe zur Oper "Poppea" auf Schloss Waldegg.

Probe zur Oper "Poppea" auf Schloss Waldegg.

Hanspeter Bärtschi / SZ

«L’incoronazione die Poppea», die Krönung der Poppea, uraufgeführt 1642/43, ist die letzte der von Claudio Monteverdi (1567-1643) überlieferten Opern. Und es ist nach «Il Ritorno d’Ulisse in Patria» 2019 und «L’Orfeo» 2017, die dritte Monteverdi-Oper, die als Barockoper auf Schloss Waldegg unter der musikalischen Leitung von Andreas Reize und seinem cantus firmus Vokalensemble und Consort sowie einen speziell zusammengesetzten Sängerensemble inszeniert wird. Diesmal führt die aus Solothurn stammende Regisseurin Maria Ursprung Regie.

Kaiser Nero begehrt Poppea

Die Geschichte ist bekannt: Kaiser Nero begehrt Poppea, die Ehefrau seines Feldherren Ottone, obwohl der Kaiser mit Ottavia verheiratet ist. Seneca, der Erzieher und politische Berater von Nero, warnt vor dem Ehebruch, doch der Kaiser lässt sich nichts verbieten und zwingt Seneca zum Selbstmord. Auch für Poppea schmieden die Betrogenen Ottavia und Ottone Mordpläne, die aber misslingen. Ottavia und Ottone werden verbannt, so dass der Hochzeit von Nero und Poppea nichts mehr im Wege steht und sie Kaiserin werden kann. Die Liebesgötter triumphieren.

Bei schönen Wetter wird derzeit heftig zur Oper "Poppea" auf Schloss Waldegg geprobt.

Bei schönen Wetter wird derzeit heftig zur Oper "Poppea" auf Schloss Waldegg geprobt.

Hanspeter Bärtschi

Der Nachwelt sind zwei «Poppea»-Fassungen bekannt. Andreas Reize hat nun anhand der Urfassung eine eigene Fassung erarbeitet. «Es handelt sich um die Neapel-Fassung, die ich auf Basis von Clifford Barletts Edition und mit Hilfe des Manuskripts der Neapel-Aufführung bearbeitet habe.» (Clifford Bartlett, engl. Musikwissenschaftler 1939-2019, die Red.) Gut zwei Jahre arbeitete Reize daran und schon früh habe er mit Regisseurin Maria Ursprung diesbezüglich Kontakt aufgenommen. Diese Monteverdi-Oper gilt als Musterbeispiel der frühen venezianischen Oper und als zukunftsweisend für die Oper allgemein.

Andreas Reize.

Andreas Reize.

Hanspeter Bärtschi

«Betrachtet man die drei Opern, ist genau die musikalische Entwicklung, die in der damaligen Zeit, vom Beginn bis zum Ende des Dreissigjährigen Krieges, stattgefunden hat, erkennbar», sagt Reize. Monteverdi habe damit eine dramaturgisch exzellente Oper geschaffen, auch wenn bis heute gerätselt werde, ob die Musik auch tatsächlich aus seiner eigenen Feder stammt. «Wahrscheinlich war es - wie damals auch bei Malern üblich - dass eine ganze Werkstatt in seinem Sinn und Geist gearbeitet hat.»

Auch wenn diese Oper über 350 Jahre alt ist, habe sie auch dem heutigen Publikum noch einiges zu sagen, meint Reize, und Regisseurin Maria Ursprung pflichtet ihm bei. «Es ist eine Lust und macht Freude, diese Oper zu sehen. Sie hat alles, was uns auch heute noch beschäftigt: Liebe, Trauer, Intrigen, Glück, eine Prise Erotik. Es ist die perfekte Mischung zwischen ernsthaften und emotionalen, aber auch humoristischem Momenten».

Eine junge Regisseurin und ein junges Ensemble

Maria Ursprung.

Maria Ursprung.

Hanspeter Bärtschi

«Was ich an Opern als Regisseurin besonders schätze, ist die Tatsache, dass es hier Zeit gibt, Bilder zu bauen.» Die Kostüme seien je nach Rolle ihren historischen Vorbildern teilweise angepasst, verrät die Regisseurin noch. Am wichtigsten sei ihr, dass sich der Zuschauer in eine eigene Welt entführen lasse, und er aus der Oper seine ganz eigenen Schlüsse ziehen könne. Die Rollen der Poppea und des Nerone verkörpern Pia Davila und Elvira Bill, die beide 2021 auf Schloss Waldegg debütieren.

Probe zur Oper "Poppea" auf Schloss Waldegg.

Probe zur Oper "Poppea" auf Schloss Waldegg.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Mit Geneviève Tschumi als Ottavia und Jan Börner als Ottone, Lisandro Abadie als Seneca, Hans Jörg Mammel als Soldato, Liberto und Console sowie Michael Feyfar als Soldato, Lucano und Console zählen fünf Stimmen, die bereits in früheren Produktionen mitgewirkt haben, zur Besetzung. Julia Sophie Wagner als Virtù und Drusilla, Marion Grange als Amore und Valletto, Kathrin Hottiger als Fortuna, Pallade und Damigella, Sebastian Monti als Nutrice und Arnalta sowie Tobias Wicky als Mercurio und Littore stehen zum ersten Mal auf der Bühne von Schloss Waldegg. Das von Andreas Reize 2001 gegründete cantus firmus consort präsentiert sich heute als eingespielter Klangkörper auf hohem Niveau. Alle Musiker sind Spezialisten, die sich schon lange mit Fragen der historischen Aufführungspraxis auseinandersetzen.

Hinweis «L’incoronazione di Poppea». Premiere Do 12.8. Weitere Aufführungen 13., 14., 15., 18., 19., 20. 8. bei schönem Wetter auf Schloss Waldegg jeweils um 19 Uhr. Bei Schlechtwetter im Konzertsaal Solothurn. Auskunft am Spieltag ab 16 Uhr auf www.operwaldegg.ch per Tel 1600 oder SMS POPPEA an 1600.

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