Tiefere Zinsen
Bankkunden setzen vermehrt auf kurz- und mittelfristige Hypotheken

Derzeit vollzieht sich ein Strategiewechsel im Hypogeschäft: In Erwartung anhaltend tiefer Zinsen wechseln Bankkunden von lang- auf mittelfristige Hypotheken.

Franz Schaible
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Obwohl derzeit der Preis für das Geld generell tief ist, lohnt sich bei Hypotheken ein genaues Hinsehen.

Obwohl derzeit der Preis für das Geld generell tief ist, lohnt sich bei Hypotheken ein genaues Hinsehen.

Oliver Menge

Die Rechnung ist schnell gemacht: Wenn ein Kreditnehmer eine auslaufende oder eine neue Festhypothek mit einer Laufzeit von drei Jahren erneuert respektive abschliesst, zahlt er aktuell im Durchschnitt einen Zins von 1,10 Prozent. Der Satz basiert auf Angaben der befragten Banken in der Region. Für einen Kredit mit zehnjähriger Laufzeit sind es durchschnittlich 1,83 Prozent. Bei einer Hypothek von 500 000 Franken geht das ins Geld. Pro Jahr beträgt die Differenz immerhin 3650 Franken. Bei der angenommenen Laufzeit von drei Jahren sind das fast 11 000 Franken oder 300 Franken im Monat, die weniger an Zinsen zu zahlen sind.

Und die Schweizerinnen und Schweizer können rechnen. Sie haben reagiert, es kommt zu einem eigentlichen Strategiewechsel bei den Hypothekarkunden, wie die jüngste Erhebung des Internet-Vergleichsdienstes Comparis zeigt. «Die Nachfrage nach Krediten mit langen Laufzeiten von 7 bis 15 Jahren ging im dritten Quartal deutlich zurück», kommentiert Comparis die Ergebnisse ihres Hypotheken-Barometers. So sei deren Anteil bei den Nachfragen von über 90 Prozent im ersten Quartal auf 68 Prozent gesunken. Im Gegenzug stieg der Anteil der nachgefragten Hypotheken mit mittleren Laufzeiten von 7 auf 29 Prozent.

Differenz relativ gross

Die einfache Rechnung geht aber nur dann auf, wenn die Zinsen auf mittlere Frist tatsächlich tief bleiben. Und davon gehen viele Nachfrager nach Wohneigentum offenbar aus. Sie rechnen damit, dass bei der Ablösung der Hypothek in drei bis fünf Jahren das Zinsniveau unverändert ähnlich attraktiv sein wird. «Wir stellen fest, dass wieder vermehrt Hypotheken mit mittleren Laufzeiten abgeschlossen werden», bestätigt Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn, den landesweiten Trend.

Die Differenz zwischen mittleren und längeren Laufzeiten sei doch relativ gross, was real eine namhafte Ersparnis bringe. Im Bucheggberg wird die Zinsdifferenz noch mehr ausgereizt. «Bei uns haben sich die Kunden mehrheitlich sogar für noch kürzere Laufzeiten von zwei und drei Jahren entschieden», meldet Thomas Vogt, Leiter der Spar- und Leihkasse Bucheggberg AG in Lüterswil. In den vergangenen zwölf Monaten habe man zu 80 Prozent Hypotheken mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren abgeschlossen. «Zuvor lag dieser Anteil deutlich tiefer.»

Während bei der Baloise Bank SoBa in Solothurn «keine nennenswerte Verschiebung bei den nachgefragten Laufzeiten» festzustellen ist, beobachtet Hans Peter Schrenk, Leiter der Clientis Bank im Thal in Balsthal, unterschiedliche Tendenzen. Kunden, die ihre bestehende Hypothek stetig verlängern, bevorzugten eher kurze Laufzeiten. Dagegen stünden bei Neufinanzierungen für jüngere Familien Langfristkredite im Vordergrund. «Damit wird der langfristigen Budgetsicherheit Rechnung getragen», sagt Schrenk. Den Trend hin zu kürzeren Laufzeiten kann die Migros Bank nicht bestätigen – weil der Trend dort bereits Tatsache ist. «Da die Migros Bank traditionell sehr kompetitive Konditionen bei kürzeren Laufzeiten von zwei und drei Jahren hat, liegt die Mehrzahl der Hypothekarabschlüsse bei der Migros Bank im Bereich von bis und mit fünf Jahren», erklärt Sprecher Urs Aeberli.

Nachfrage bleibt hoch

Die Strategie, vermehrt auf kürzere und mittlere Laufzeiten zu setzen, könnte sich auszahlen. Obwohl in den USA im Dezember eine erste Anhebung der Leitzinsen seit der Finanzkrise wahrscheinlich ist, dürfte sich das Zinsniveau hierzulande kaum gross bewegen. «Für die Schweizer Geldpolitik wird viel wichtiger sein, was die Europäische Zentralbank (EZB) in Sachen Zinsen macht», meint Harry Tresch, Mediensprecher bei der Berner Kantonalbank. «Und dort sieht es eher danach aus, dass die Zinsen noch weiter sinken werden», ergänzt Stefan Wälchli, stellvertretender Bankleiter bei der Clientis Bank Oberaargau.

Wegen der von der EZB in Aussicht gestellten weiteren Lockerung der Geldpolitik dürfte die Schweizerische Nationalbank gezwungen sein, die Franken-Zinsen noch über eine lange Zeit tief zu halten, heisst es bei der Baloise Bank SoBa. Bleiben also die Hypothekarzinsen bis 2018 auf dem jetzigen Niveau? «Ja, das ist unsere Erwartung» sagt Thomas Vogt von Spar- und Leihkasse, stellvertretend für die befragten Banken.

Auch wenn die von Nationalbank, Bundesrat und Finanzmarktaufsicht erlassenen strengeren Regeln zur Vergabe von Wohnbaukrediten langsam Wirkung zeigen, bleibt die Nachfrage nach Hypotheken hoch. Das Zinsniveau ist einfach zu attraktiv. «Solange das Wohneigentum günstiger ist als die Miete, ist der Wunsch gross, sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen», beobachtet Wälchli von der Bank Oberaargau. 2015 werde der Hypothekenbestand um über fünf Prozent wachsen.

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