Swiss Music Awards
Band Krokus macht sich trotz Meinungszwist wenig aus Eklat mit Roger Köppel

Politiker Roger Köppel wurde ausgebuht, als er der Solothurner Band Krokus ihren Preis überreichte. Nach diesem Eklat ist die Stimmung in der Band ungetrübt, auch wenn die Meinungen über diesen Vorfall auseinanderklaffen.

Nora Wernli
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Die Band Krokus an den Swiss Music Awards 2015. Laudator Köppel wurde vom Publikum ausgebuht, ausgepfiffen und als Faschist beschimpft.
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Die Band Krokus an den Swiss Music Awards 2015.
Dieser «Outstanding Achievement Award» in Form eines Betonsteins ist eine Trophäe an Krokus für deren Gesamtwerk.
Produzent und Bassist Chris von Rohr live und in Portraitabbildung.
Krokus bei den Swiss Music Awards 2015.
Die Band Krokus bezeichnet sich nicht als politische Band, sondern akzeptiert alle Einstellungen.

Die Band Krokus an den Swiss Music Awards 2015. Laudator Köppel wurde vom Publikum ausgebuht, ausgepfiffen und als Faschist beschimpft.

Keystone

Die Rede vom Zürcher SVP-Nationalratskandidaten Roger Köppel hat beim Publikum der Swiss Music Awards 2015 (SMA) ordentlich angeeckt. Schon beim Betreten der Bühne wurde Köppel mit Buhrufen und Beschimpfungen traktiert, einige Rufe waren unter der Gürtellinie. Einige Besucher verliessen sogar den Saal.

Die Meinungen zum Eklat gehen zwischen den einzelnen Mitgliedern der Solothurner Band Krokus auseinander, dennoch trübt dies die Stimmung in der Band nicht, wie diese gegenüber «20 Minuten» offenlegt.

Chris von Rohr, der Produzent und Bassist von Krokus, stört sich nicht daran, dass die Band sich die Aufmerksamkeit mit Köppel teilen musste. «Das Lebenswerk von Krokus spricht für sich – kein Problem. Ein paar Hunde jaulen, die Karawane zieht weiter», erklärt er gegenüber «20 Minuten».

Krokus sei keine politische Band

Die Meinung vom Krokus-Sänger Marc Storage birgt etwas weniger Nachsicht gegenüber dem Vorfall. Von Politikern hält er nicht viel: «Die wollen doch einfach Macht. Politiker sollen lieber schauen, dass es dem Planeten besser geht», sagt der Sänger gegenüber «20 Minuten». Er vertritt die Politik des Rock'n'Roll: Alle sind willkommen, ob Kapitalisten oder Kommunisten. Die Band Krokus sei keine politische Band, auch wenn es jetzt dank Köppel vielleicht so aussehe.

Trotz dieser unterschiedlichen Meinungen hält sich Krokus weder an der Sache mit Köppel, noch an den negativen Reaktionen des Publikums an der SMA auf. Die Band sei sich an fehlende Toleranz gegenüber Andersdenkende gewohnt, dies diene ihnen sogar als Ansporn, erklärt von Rohr.

«Weltwoche»-Chefredakteur Roger Köppel ist ein grosser Fan von Krokus. Deshalb wurde dieser von der Band explizit an die SMA eingeladen und gebeten, eine Lobrede auf Krokus zu halten. Köppel sei ein brillanter Schreiber und Musikkritiker und gleichzeitig ein begeisterter Hardrocker, so von Rohr. Der Nationalratskandidat wurde als Musikfan eingeladen, und nicht als Politiker.

Die Entscheidung, Köppel als Laudator zu wählen, wurde laut von Rohr von der Band demokratisch getroffen.

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