Bühne Burgäschi

Bald gilt es ernst für die Operette «Grüezi»

Am 6. Juni findet die Premiere der Operette «Grüezi» nahe dem Burgäschisee statt. Das gesamte Ensemble – bestehend aus Solisten, Orchester und Chor– befindet sich jetzt in der wichtigsten Vorbereitungsphase.

«Grüezi, so sagt man in der Schweiz», singt die aus Solostimmen bestehende Kleinformation an einer Probe schon ganz herzhaft und mehrstimmig. Alle zehn Rollenträgerinnen und -träger haben sich längst im Vorfeld mit ihren Bühnenaufgaben vertraut gemacht. Regisseurin Melanie Gehrig Walthert fügt das bereits Geübte jetzt Schritt für Schritt zusammen in eine Form, die ihrem Inszenierungsentwurf entspricht.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem musikalischen Leiter Reimar Walthert, hat sie die von Robert Stolz in den 1930er Jahren komponierte Operette textlich und musikalisch «durchforstet» und gewisse Längen des Originals auf eine Spieldauer von unter drei Stunden gekürzt. «Ich liebe grundsätzlich ja die Operetten, weil sie musikalisch und inhaltlich Gestaltungsfreiraum eröffnen und auch einem breiten Publikum in ihrem Unterhaltungswert gefallen», bekennt Melanie Gehrig.

Musikalische Zeitreise

Sie spannt in ihrer Interpretation dieser Operette einen Bogen aus Nostalgie der Vorkriegszeit, als eine Schweizreise, die damals zu den touristischen Höhepunkten zählte, bis hinein in die Gegenwart, in der das Musical sehr beliebt ist. «Ich setze auf der Bühne das um, was die Musik sagt», beschreibt sie ihre Erzählweise. Das Werk des 1880 bis 1975 lebenden Erfolgskomponisten Robert Stolz spiegelt denn auch die musikalische Entwicklung von Bühnenspielen, die stets Stimmungen in den kulturellen europäischen «Hotspots» aufnahmen. Akustisch erlebt man noch Anklänge an Wien, hört fast die Songs der «Comedian Harmonists» bis hin zu schwungvollen Jazzelementen.

Das Publikum kann dabei am Laufmeter wahre musikalische Schmuckstücke miterleben. Bekanntlich wurde Stolz zum «Vater» vieler Operetten, erfolgreicher Revueen und zündender Schlager. Vor allem aber ist sein Bühnenwerk «Grüezi», eine «Verwandlungskünstlerin» da es unter verschiedenen Titeln in Musiktheatern und in Filmen aufgeführt wurde. Doch es bleibt eine volkstümliche Hommage an die Schweiz.

Amüsantes Liebeswerben

In der szenenweise angelegten Probe, in der das solistische Team dauerhaft mancherlei Aufgaben des Chors übernimmt, wechselt Melanie Gehrig mühelos von der Regieführung zu ihrer Rolle als «Gritli». Als Hotelsekretärin hat sie es mit allen Gästen zu tun und sieht das Liebeswerben der drei Söhne Franz (Michael Hasenfratz), Francesco (Fabio De Giacomi) und Francois (Tobias König) des Hotelbesitzer Gottlieb Blümli (Hermann Gehrig). Diese Jungmannschaft, die drei Landessprachen spricht, gerät nämlich durch die Ankunft von drei attraktiven Frauen (Fabienne Skarpetowski als Marie aus Wien, Melanie Braun als Marietta aus Milano und Arlette Wismer als Marianne aus Paris) total aus dem Häuschen.

Auch Gritli selbst ist heiss begehrt – vor allem von Karl Hell (Roger Bucher), einem bekannten Filmregisseur, der sich im Hotel einquartiert hat. Emanuel Gfeller ist als Portier Köbi für humoristische Einlagen gut. Kimi Fiebig, Letizia Jakob und Artur Libanio sorgen im heiteren Spiel, das bewegungsmässig alle Mitwirkenden in unterschiedliche Aktionen einspannt, für tänzerische Auslegungen. Der Chor der Bühne Burgäschi und eine Statisterie verleihen den Auftritten vor der Kulisse Berglandschaft mit Gondel und Gletscherexpress eine lebendige Abrundung.

Die Musik der 1930er Jahre

Reimar Walthert stellt für jede Vorstellung von «Grüezi» aus 70 hiesigen Musikerinnen und Musikern, jeweils abhängig von deren beruflichen Verpflichtungen, sein 35-köpfiges Orchester zusammen. «Wir sind an der Arbeit, und ich bin sicher, dass sie gut wird», meint er motiviert. Der Orchesterpart sei nicht so schwierig. Einzig herausfordernd sei das Verknüpfen von Einzelinstrumenten und –gruppen. Walthert , der bei allen Proben auf die bewährte Klavierbegleitung von Kathrin Hartmann oder Christoph Zbinden zählen kann, legt Wert auf den sauber-exakten Einsatz der Singstimmen, die dazu dann auch auf der weiten Bühne in der Lage sein müssen.

Familiäre Atmosphäre

Ganz begeistert vom Zusammenwirken des Teams ist Michael Hasenfratz, der als freischaffender Sänger und Künstler seit neun Jahren in Berlin lebt. Besonders wohl fühle er sich, der im Kanton St. Gallen aufwuchs, als Burgäschi-Neuling in dieser familiären Atmosphäre, die aber keineswegs die professionelle Orientierung vermissen lasse, unterstreicht er. In Berlin singt Hasenfratz, der in dieser Produktion als heller Tenor die Rolle des Franz übernommen hat, in Musicals, in Pop-Konzerten und Operetten.

«Grüezi». Der Spielort liegt westlich des Burgäschisees am Waldrand beim Weiler Gallishof. P 6. Juni bis 9. Juli. Karten unter www.burgaeschi.ch; Tel. 032 532 00 32 (Mo-Fr 9–12 Uhr).

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