Meinungen im Dorf

Bald Flüchtlinge im Kurhaus Balmberg? «Dazu will ich nichts sagen!»

Von Günsberg aus ist es nicht mehr weit bis auf den Balmberg, wo bald 120 Asylbewerber ins Kurhaus ziehen sollen.

Von Günsberg aus ist es nicht mehr weit bis auf den Balmberg, wo bald 120 Asylbewerber ins Kurhaus ziehen sollen.

Es rumort in Günsberg, der 1100-Seelengemeinde am Fusse des Balmbergs. 120 Flüchtlinge sollen ins Kurhaus ziehen – das sorgt für Unmut unten im Dorf. An der Gemeindeversammlung stellte sich der Kanton den besorgten Einwohnern.

Einfach ist diese Aufgabe nicht: Auf Claudia Hänzi, Leiterin des Amts für Soziale Sicherheit, wartet ein Saal voller besorgter Günsberger. Vergangenen Donnerstag erfuhr die Gemeinde, dass der Kanton auf dem Balmberg eine neue Asylunterkunft mit 120 Plätzen eröffnet – und das noch im Dezember.

Am Montagabend informierte nun Hänzi über das Vorgehen.

Um halb acht eröffnet Gemeindepräsident Thomas Jenni die Versammlung. Der Saal im reformierten Kirchgemeindehaus ist gefüllt. «Wir wurden überrumpelt, hatten keine Gelegenheit, etwas zu unternehmen», sagt Jenni und fügt an: «Denkt daran, wir können hier keine Beschlüsse fällen.»

Das tat bereits der Kanton, Hänzi erklärt nun warum. Sie stellt sich dafür nicht hinters Rednerpult, sondern direkt vor die gut 90 Besucher. «Wir stehen mit dem Rücken zur Wand», sagt sie. Monatlich kämen derzeit über 200 Asylsuchende. Darunter viele Familien mit Kindern und Säuglingen.

Angst um die Sicherheit

Im neuen Asylzentrum sollen klare Regeln herrschen. «Es ist kein Hotel», sagt Hänzi. Die Asylbewerber müssten mitarbeiten und eine strenge Hausordnung befolgen. Ein zwölfköpfiges Team soll für die Betreuung sorgen. Die Polizei werde regelmässige Patrouillen fahren.

Doch das scheint die Einwohner nicht sonderlich zu beruhigen. Diese sind nicht nur besorgt, um die Sicherheit im Dorf, sondern vor allem auch um jene der Asylbewerber. Echte Anteilnahme oder Taktik, um das Zentrum doch noch zu verhindern?

Mehrere der Anwesenden äussern erhebliche Bedenken. Ist der Brandschutz sichergestellt? Was sagt die Gebäudeversicherung? Gibt es bereits einen Einsatzplan für die Feuerwehr? Was, wenn ein Kind notfallmässig gerettet werden muss? Und die Strasse zugeschneit ist?

Hänzi wehrt jede der angriffigen Fragen ab. Erklärt, dass für die Sicherheit genügend gesorgt sei, dass alle Anforderungen erfüllt würden. Zweifel bleiben dennoch. Denn viele der Günsberger fühlen sich vom Kanton alleingelassen.

Und zwar mit dem bereits bestehenden Heim für abgewiesene Flüchtlinge. «Oben sei ein bekannter Drogenumschlagplatz – quasi eine rechtsfreie Zone», sagt ein besorgter Günsberger. Er habe Angst um seine Kinder. Nach seinen Ausführungen erntet er Applaus. Danach muss der Gemeindepräsident aber abklemmen. Es stehen noch andere Traktanden an.

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