Kanton Solothurn
Bahnübergänge: Von 80 Problemfällen sind 73 saniert

In der ganzen Schweiz waren Ende 2013 noch über 1200 Bahnübergänge sanierungsbedürftig. Wie sieht es damit im Kanton Solothurn aus? Hier geht es nur noch um das Bipperlisi in Feldbrunnen und Flumenthal.

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Das Bipperlisi in Feldbrunnen unterwegs.

Das Bipperlisi in Feldbrunnen unterwegs.

Hanspeter Bärtschi

Drei Tote und fünf Verletzte: dies die erschreckende Bilanz des Zusammenpralls eines Kleinbusses mit einem Zug auf einem Bahnübergang der Zentralbahn am Montag in Wolfenschiessen. In der ganzen Schweiz waren Ende 2013 noch über 1200 Bahnübergänge sanierungsbedürftig. Wie steht es damit im Kanton? «Zurzeit sind hier noch die Sanierungen von sieben Bahnübergängen ausstehend», erklärt dazu Rolf Allemann, stellvertretender Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT). «Alle sieben liegen an der Linie Solothurn–Niederbipp der Aare Seeland mobil (asm)» – beim Bipperlisi.

Allein sechs der sanierungsbedürftigen Bahnübergänge befinden sich auf Gebiet der Gemeinde Feldbrunnen. Dort hat die asm in Absprache mit Kanton und Gemeinde ein Projekt für Bahnübergänge mit Barrieren eingereicht. Dagegen sind jedoch Einsprachen hängig: Die Anwohner fürchten lange Barrieren-Schliessungszeiten.

Einen Auftrag der Feldbrunner Kantonsrätin Anita Panzer, das Bipperlisi auf Gemeindegebiet als Tram einzustufen – was den Einsatz von Blinklichtern statt Barrieren erlaubt hätte – hat der Kantonsrat im Mai abgelehnt (wir berichteten). Wie die asm-Bahnübergänge in Feldbrunnen saniert werden, ist deshalb noch in der Schwebe. Plangenehmigungsbehörde für alle Sanierungsprojekte ist das Bundesamt für Verkehr (BAV).

Flumenthal als letzter «Knopf»

Das siebte Sanierungsprojekt der asm – und das letzte im ganzen Kanton – betrifft die Übergänge über die Gleise des Bipperlisi in Flumenthal. Auch dort ist die Sanierung in der «heissen Phase»: Das Plangenehmigungsgesuch der asm wird – als Bestandteil einer Totalsanierung des Bahnhofs Flumenthal – noch diese Woche im «Anzeiger» und im kantonalen Amtsblatt publiziert und dann bis Mitte September öffentlich aufgelegt. Ebenso wie in Feldbrunnen sind in Flumenthal Widerstand und Einsprachen zu erwarten, wie der Verlauf einer Informationsveranstaltung am Montag zeigte (Bericht auf Seite 26). Denn sechs der sieben Übergänge in Flumenthal will die asm aufheben.

Im Vergleich zu den landesweit noch weit über 1000 sanierungsbedürftigen Bahnübergängen ist das Problem im Kanton Solothurn bereits nahezu gelöst. «Dabei hatten wir vor Jahren 80 Bahnübergänge im Kanton, die saniert werden mussten», ruft Rolf Allemann in Erinnerung. 73 davon gelten heute als saniert.

Einer, der Bescheid weiss, ist Walter Straumann: Der frühere Baudirektor wurde im Jahr 2000 vom damaligen Verkehrsminister Moritz Leuenberger zum Präsidenten der Task-Force «Sanierung Bahnübergänge» ernannt – und dieses Amt hat der Oltner noch heute inne. «4500 Bahnübergänge standen am Anfang auf der Liste», erinnert sich Straumann. «Davon hat man zuerst die 180 gefährlichsten mit Volldampf saniert.»

Als Hauptprobleme erwiesen sich einerseits die aufwendigen Bewilligungsverfahren, andererseits die Finanzierung – neben dem Bund waren stets die Kantone, oft auch Gemeinden und private Eigentümer beteiligt. «Am einfachsten – und am billigsten – ist die Aufhebung eines Bahnübergangs», weiss Straumann. «Aber das ist natürlich nicht immer möglich.»

Bis Ende Jahr Gesuche einreichen

Nach der noch geltenden Eisenbahnverordnung des Bundes müssten bis Ende 2014 alle Bahnübergänge saniert sein. Weil sich dies als nicht realisierbar erwies, räumt der Bund den Bahnen jetzt etwas mehr Zeit ein: Bis Ende Jahr müssen sie Plangenehmigungsgesuche für diese Sanierungen einreichen. Liegt einmal eine rechtskräftige Bewilligung vor, sind die Projekte innert eines Jahres zu realisieren. Die Verordnungsänderung mit dieser Fristerstreckung wird der Bundesrat am 1. November in Kraft setzen. (cva)

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