Der kantonale Fischereiverband hat zwei Probleme. Zum einen sind viele Gewässer im Kanton in einem bedenklichen Zustand. Begradigte Bäche, fehlendes Geschiebe am Bachboden: Das hat Folgen für die Fische. «Viele Fische haben gar keine Chance, sich vor Fressfeinden zu verstecken», weiss Christian Dietiker, Präsident des kantonalen Fischereiverbandes. Das zweite Problem betrifft den Verband selber. Seit 2009 müssen Fischer, um fischen zu dürfen, nicht mehr zwingend in einem Verein sein, sondern nur noch ein Patent erwerben. Dieses berechtigt sie dazu, im ganzen Kanton zu fischen. Die Folge davon: Die Mitgliederzahlen der Fischereivereine brachen ein, der Verband verlor massiv an Bedeutung.

Diesen Problemen will der Kantonalverband den Kampf ansagen. Und dabei gleichsam zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Probleme der Gewässer will er mit viel ehrenamtlichem Aufwand angehen. Dadurch gleichzeitig Werbung in eigener Sache machen und so neue Mitglieder anwerben. Treibende Kraft hinter diesen Bemühungen ist Christian Dietiker. Der Mann hat eine Mission. Und einen Plan: «Wer jemanden mit einer Angel an der Aare sieht, denkt: aha, ein Fischer. Dabei realisiert er gar nicht, dass zum Fischersein viel mehr dazugehört, als nur das Fischen an sich.» Gewässeraufwertungen, die Ausbildung von Jungfischern, die Fischereiaufsicht: Das sind nur einige der Aufgaben, die nach wie vor die Vereine oder der Verband wahrnehmen. Trotz fehlender Mitglieder. Diese Botschaft will er in den Kanton hinaustragen.

Baumstämme und Steine für die Bäche

Das Projekt, das sich der Verband dazu ausgedacht hat, nennt sich «Fischer schaffen Lebensraum». In den nächsten fünf Jahren will er zusammen mit Vereinen und Pachtgesellschaften insgesamt sechs Kilometer Flüsse und Bäche aufwerten. Allerdings nicht mit Baggern und Lastwagen, wie es der Kanton momentan bei der Emme bei Derendingen wegen dem Hochwasserschutz tut, sondern mit so genannten «Instream-Massnahmen». Dabei wird der Bachverlauf nicht verändert. Mit Baumstämmen und Steinen wird mehr Dynamik in den Bach gebracht, was wichtig für die Fortpflanzung der Fische ist. Und die eingesetzten Elemente bieten den Fischen Schutz vor Feinden.

Die Mehrheit dieser Arbeiten wird ehrenamtlich durchgeführt. Von Fischereivereinen, der WWF Solothurn hilft mit, sogar eine Schulklasse. Und auch der Zivilschutz wird an der Dünnern eingesetzt. Kosten des fünfjährigen Projekts: rund 400'000 Franken, finanziert durch den Alpiq Ökofonds. Würde der Kanton dieselbe Arbeit leisten, ohne die ganzen ehrenamtlichen Stunden, würde es ein Vier- bis Fünffaches kosten, so Dietiker.

Fischknusperli und Wein für Politiker

Damit wird das eine Problem angegangen. Das andere Problem, die fehlenden Mitglieder, scheint sich dadurch auch zu lösen. «Viele Fischer kamen auf uns zu und sagten, das sei eine tolle Sache, sie würden gerne auch mitmachen», so Dietiker. Bereits ein Fischereiverein und zwei Pachtgesellschaften hätten seither ein Beitrittsgesuch zum Verband gestellt, mit weiteren sei man im Gespräch. Und wo sich die Probleme nicht von alleine auflösen, weiss Dietiker nachzuhelfen. Etwa auf politischer Ebene: Zum zweiten Mal hat er Politiker zu einem Fischessen eingeladen. «Wir möchten ihnen einen Blick hinter die Kulissen gewähren.

Aufzeigen, was die Fischer alles leisten», erklärt er. Knapp 20 Kantonsräte von links bis rechts folgten diesem Ruf, liessen sich diese Woche in Büsserach vom Fischereiverein Thierstein, der einen ersten Bachabschnitt bereits aufgewertet hatte, die Arbeiten aus erster Hand zeigen. Und genossen anschliessend Eglifilets und Wein. «So können wir Politiker und Fischer zusammenbringen», sagt Dietiker. Das schadet sicher nicht, wenn der Verband einmal ein politisches Anliegen hat. Gleichzeitig besinnt man sich damit auf seine Ursprünge, war doch politische Einflussnahme der Hauptgrund, wieso der Verband einst gegründet wurde.