Der Familienname Geiser ist in Langenthal sehr verbreitet. Deswegen haben es sich die Langenthaler seit je her zur Angewohnheit gemacht, jeden Geiser mit einem Beiwort zu individualisieren. So heisst zum Beispiel der eine Geiser, dessen Mutter jahrzehntelang in der Badeanstalt die Eingangskasse führte, Badi-Geiser oder in der abgekürzten Variante Badi-Gesa.

Am letzten Wochenende besuchte ich das Internationale Literaturfestival in Leukerbad. Dort las auch ein Geiser. Es handelte sich allerdings um den bekannten Basler Schriftsteller Christoph Geiser, der meines Wissens mit Langenthal persönlich nichts zu tun hat. Wie für alle in Leukerbad lesenden Autoren wurde in der Festival-Buchhandlung auch für Christoph Geiser ein Tisch mit seinen Büchern eingerichtet. Beim Schmökern an diesem Tisch fiel mir auf, dass zwischen all den Roman von Christoph Geiser ein Bildband über die Badeanstalt von Langenthal lag. Der Bildband mit dem einfachen Titel «Badi Langenthal» war auf den ersten Blick als Fremdkörper in dieser Buchauswahl erkennbar.

Verwundert und neugierig blätterte ich in diesem schön gestalteten Band, zu dem verschiedene Autorinnen und Autoren aus der Region Langenthal kleine Beiträge geschrieben haben. Unter den Autoren, die über die Geschichte des in den 1930er-Jahren erbauten «Schwimm- und Sonnenbads» schreiben, befindet sich auch ein gewisser Christoph Geiser.

Es handelt sich aber nicht um den renommierten Romancier aus Basel, sondern um den zumindest in Langenthal weltberühmten Badi-Gesa. Badi-Gesa ist, dies nur nebenbei bemerkt, ein origineller Kopf, ausgebildeter Pädagoge und ein hervorragender Schwimmlehrer. Er hat mir vor ungefähr vierzig Jahren im Hallenbad von Aarwangen die Technik des Brustschwimmens beigebracht.

Dass er zufällig auf den gleichen Vornamen wie der Basler Schriftsteller getauft ist, können die Buchhändlerinnen im Wallis nicht gewusst haben, als sie für das Literaturfestival in Leukerbad alle von Christoph Geiser erhältlichen Bücher bestellt haben.

So kam es, dass ich einem lokalpatriotischen Instinkt gehorchend, allen umstehenden Autorinnen und Autoren aus China, Algerien, Deutschland oder den USA das Buch der Langenthaler «Badi» zeigen konnte. Weshalb dieses Buch hier verkauft werde. Ob denn dieses Freibad so bedeutend sei, fragte der Amerikaner. Das Buch liege da, weil es von Badi-Gesa mitverfasst worden sei, gab ich zur Antwort. «Who is Badi-Gesa?», wollte er wissen. Wenn er nicht einmal den Badi-Gesa kenne, sagte ich, bräuchten wir nicht weiter zu diskutieren.

Ich glaube später noch gesehen zu haben, wie der Amerikaner versucht hat, den Badi-Gesa zu googeln. Schriftsteller geben nicht gerne zu, wenn sie einen anderen Schriftsteller nicht kennen. Deswegen hat sich der amerikanische Kollege offenbar ein bisschen über seine diesbezügliche Wissenslücke geschämt. Ich hätte ihn beruhigen und ihm sagen können, wer Badi-Gesa wirklich ist. Aber ich habe es nicht getan. Er soll selber schauen, wie er seine literarische Bildung à jour hält.