Kaum ist der Sommer da, überschatten zwei tragische Ereignisse die Freude an der Hitze und dem Wasserspass. Am vergangenen Freitag ertrank ein 18-jähriger Mann bei einer Schwelle in der Emme bei Derendingen. Am Dienstag ereignete sich ein ähnliches Drama in Lützelflüh, wo ein 14-jähriger Jüngling beim neuen Stauwehr den Tod fand. Die Parallelen lassen aufhorchen: Warum sind Schwellen, von denen es alleine am Solothurner Unterlauf der Emme deren elf gibt, so gefährlich? Was kann getan werden, um weitere Tragödien zu verhindern?

Baulich ist wenig auszurichten

Mit dem Schutz vor Überschwemmungen und der Renaturierung der Emme werden in den kommenden Jahren auch die Schwellen baulich verändert. «Aber man darf sich da keine Illusionen machen, es wird weiterhin gefährliche Stellen geben, wo sich Wasserwalzen bilden», sagt Roger Dürrenmatt, Leiter Wasserbauprojekte beim Kanton Solothurn. Das lasse sich mit baulichen Massnahmen nicht verhindern. «Was wir tun können, ist auf jede gefährliche Stelle mit einem Warnschild aufmerksam machen, damit sich die Leute dort nicht ins Wasser begeben.»

Der Hochwasseralarm funktioniere gut und auch bei Flutwellen, wenn am oberen Emmelauf ein Gewitter niedergeht, werde ausreichend gewarnt. «Die Gefährlichkeit der Schwellen ist aber ein ungelöstes Problem», gibt der Experte für Wasserbauprojekte zu. «Man kann nur dem Unwissen entgegentreten und Informieren», meint Roger Dürrenmatt. «Vielleicht ist eine Informationskampagne nötig? Aber in diesem Bereich bin ich kein Fachmann.»

Informiert wird sehr viel

Die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft engagiert sich seit vielen Jahren erfolgreich für die Sicherheit beim Wasserspass. Die Flyer und Broschüren werden sogar in exotische Sprachen übersetzt und an Asylsuchende verteilt.

Ausgerechnet in ihrem jüngsten Bulletin, von dem immerhin 25'000 Exemplare verteilt wurden, beschreibt die SLRG den Fall von Ruedi Beutler, der in der Emme bei Hasle-Rüegsau nur knapp dem Ertrinkungstod entgangen ist. Er schwamm gegen die Strömung in Richtung einer Schwelle und geriet in einen Strudel. «Hier unten ist der Tod», habe er damals gedacht, und nach minutenlangem Kampf, total erschöpft, mit dem Leben abgeschlossen. «Plötzlich sah ich eine Hand. Ich wusste intuitiv: Dies ist meine letzte Chance.» Drei Männer hatten die Notsituation erkannt und eine Menschenkette gebildet, um Ruedi Beutler aus der Wasserwalze zu retten.

Junge Männer besonders gefährdet

«Bevor man badet, sollte man sich eine einfache Frage stellen: Ist es schlau, hier ins Wasser zu steigen?», sagt Philipp Binaghi von der SLRG. «Ich will mich nicht auf die beiden tragischen Fälle der letzten Tage beziehen, wo die genauen Ursachen noch abgeklärt werden. Ganz allgemein stellen wir fest, dass Mutproben junger Männer die häufigste Ursache für solche und ähnliche Unfälle ist», meint Binaghi. «Hundertmal geht das gut und die Jungs können von ihren Heldentaten erzählen. Und dann geht es einmal schief.» Die Statistik gibt dem Fachmann Recht: Im Jahr 2015 ertranken in der Schweiz 41 Männer, 4 Frauen und 5 Kinder.

Pascal Studer, Technischer Leiter der Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn, kennt ein besonders drastisches Beispiel: «Bei der Schwelle in Derendingen bildete sich bei Hochwasser eine stehende Welle. Da haben sich doch tatsächlich ein paar Jugendliche mit dem Surfbrett aufs Wasser begeben.» Er wählt deutliche Worte: «Das ist nahe am Wahnsinn.»

«Eigentlich kennen bei uns bereits 99 von 100 Schulkindern das Risiko. Trotzdem hilft nur, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass die Schwellen auch bei Niedrigwasser lebensgefährlich sind», sagt Pascal Studer. Hier setze die Arbeit seiner Sondergruppe Schifffahrt an. «Wir begehen regelmässig das Ufer der Emme und suchen das Gespräch mit den Leuten, die sich hier erholen wollen.»