Hygiene
Badende Muslimas: Nur eine Solothurner Badi will keine Burkinis

Im Kanton Solothurn kennen Freibäder kein Verbot für Ganzkörper-Badeanzüge – eine Badi ausgenommen.

Lara Frey
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In den Badis gilt: Burkinis müssen aus Bademodestoff sein; Trägerinnen sich an die Hygienevorschriften halten – dann gibt es kein Grund für ein Verbot.

In den Badis gilt: Burkinis müssen aus Bademodestoff sein; Trägerinnen sich an die Hygienevorschriften halten – dann gibt es kein Grund für ein Verbot.

Es ist heiss, das kriegen momentan alle zu spüren. Viele suchen Abkühlung in den Freibädern des Kantons – unter den Badegästen befinden sich immer wieder auch Muslimas. Seit einigen Jahren werden sogenannte Burkinis – in Australien erfundene Badeanzüge, die den ganzen Körper bedecken – verkauft und ermöglichen es den religiösen Frauen, ebenfalls am Badileben teilzuhaben.

Jedoch werden die Burkinis nicht überall gerne gesehen: In Frankreich etwa gilt an Stränden und in Schwimmbädern ein Verbot, wird dieses missachtet, greift die Polizei ein. Auch in einzelnen Badis in der Schweiz herrschen Burkiniverbote.

Die Freibäder im Kanton Solothurn sind aber ziemlich liberal: In der Badi Solothurn seien Burkinis erlaubt, insofern sie aus Badestoff sind, informiert Chefbademeister Pascal Prétôt. Man müsse sich umziehen und vor dem Baden duschen, so wie alle anderen Gäste dies auch müssten. Wenn diese Regeln eingehalten werden, seien Burkinis keineswegs ein Problem. Es gebe sogar eine muslimische Schwimmschule in Solothurn. «Diskussionen um dieses Thema gibt es immer wieder. Jedoch gibt es kein Problem, wenn die Regeln eingehalten werden. Beschwerden von den Badegästen haben wir keine im Moment», sagt Prétôt.

Ganz anders tönt es in der Badi Moos in Balsthal: Hier herrscht ein Burkaverbot. Bademeisterin Ursula Nufer erklärt: «Laut unserem Badereglement sind nur ganz normale, europäische Badekleider erlaubt. Wer keines hat, soll sich an der Badikasse eines mieten oder sich einen anderen Ort zum Baden suchen.» Letztes Jahr hätten alle Stammgäste das Bassin sofort verlassen, als jemand im Burkini ins Wasser gesprungen ist, berichtet Nufer weiter.

Keine Verbote – aber ab und zu gibt es «dummes Geschwätz»

In Grenchen ist das Tragen von Burkinis laut Badireglement hingegen ausdrücklich erlaubt. «Wir haben zwei, drei Burkiniträgerinnen, die regelmässig ins Schwimmbad kommen. Sie duschen dann jeweils sehr gründlich, damit den kritischen Badigängern bewusst wird, dass auch sie sehr hygienisch sind – trotz Burkini», informiert die Badi Grenchen.

Ähnlich pragmatisch ist man in der Badi Zuchwil: «Wir tolerieren Burkinis, insofern es sich explizit um Badekleider handelt. Dagegen kann man ja nichts einwenden, schliesslich sind die Burkinis nur eine Art grösserer Schwimmanzug», teilt Geschäftsführer Urs Jäggi mit. Es kämen nur wenige Burkiniträgerinnen in die Badi, falls aber einmal ein ganzer Klub Burkiniträgerinnen die Badi regelmässig besuchen würde, müsste man das situativ neu beurteilen. Auch in den Badis Schönenwerd und Gerlafingen ist das Tragen von Burkinis erlaubt und sorgt für keine Konflikte unter den Badegästen. Einzige Bedingung ist auch hier, dass die Burkinis aus Bademodestoff sind.

Thomas Müller, Bäderbetriebsleiter in Olten, gibt zu, dass die Burkinis ab und zu für «dummes Geschwätz sorgen» – das sei aber halt nun mal so. Ein Verbot gibt es aber nicht – Müller beruft sich auf ein Bundesgerichtsurteil, welches besagt, dass Sportunterricht für Kinder obligatorisch ist. Das heisst, Burkinis müssen auch in den Schwimmstunden erlaubt sein. «Und wenn die Burkinis nun mal schon erlaubt sind im Sportunterricht, sehe ich keinen logischen Grund, sie ausserhalb des Sportunterrichts zu verbieten», schlussfolgert er. Die Burkinis müssten aber wirklich Burkinis sein, nicht nur Burkini-ähnlich.