Preisträgerin

Autorin Karen Duve gewinnt den Solothurner Literaturpreis

Die Hamburgerin Karen Duve (57), die heute in der Märkischen Schweiz (Brandenburg) lebt, wurde vor allem mit ihrem Roman «Taxi» (2008 erschienen; 2015 verfilmt) einem breiteren Publikum bekannt.

Die Vorsitzende der dreiköpfigen Jury des Solothurner Literaturpreises, Nicola Steiner, ist nicht der Meinung, dass an den 41. Solothurner Literaturtagen wichtige weibliche Stimmen abwesend gewesen seien. Diese These wurde vor und während der diesjährigen Ausgabe immer wieder mal aufs Tapet gebracht. «Karen Duve ist hier», bemerkte Steiner zu Beginn ihrer Laudatio. Sie hielt diese gestern anlässlich der Vergabe des Solothurner Literaturpreises im Stadttheater Solothurn an die deutsche Autorin.

Bereits 1998 erschien ihr aufsehenerregendes Buch «Regenroman», in welchem sie von einer grandios scheiternden Hausrenovierung eines erfolglosen Schriftstellers und seiner Frau in der ehemals ostdeutschen Provinz und einer sich rächenden Natur schreibt.

«Ihr Werk zwingt uns, hinzusehen und wichtige Debatten anzugehen», so Steiner. «Sie wirft uns mit ihren Geschichten auf uns selbst zurück. In ihrem Essay ‹Warum die Sache schiefgeht› hat sie sich schon im Jahr 2014 gefragt, wo die Demonstrationen der jungen Generation gegen die (Klima)-Politik bleiben – jetzt sind sie da.»

Meisterin des Perspektivwechsels

Duve verfüge über eine fast erschreckende prophetische Gabe, was sie auch in ihrem Buch «Anständig essen» aus dem Jahr 2011 unter Beweis gestellt habe. «Sie ist vielstimmig und vielseitig. Ihr Werk umfasst Romane, Lexika, Kinderbücher, Science Fiction und Sachbücher. Kein Buch gleicht dem andern und doch passen alle zusammen», so die Jurypräsidentin. Oft verstöre sie mit ihren radikalen Ansätzen und ihrer Kompromisslosigkeit Kritikerinnen und Kritiker. Doch gerade dies belege die Notwendigkeit ihrer Texte. Nicht zu vergessen sei der Humor, der allen ihren Büchern innewohnt.

Nicola Steiner nannte Karen Duve eine Meisterin des Perspektivwechsels. Sie könne sich in jede Stimme, jede Ebene, jede Epoche hineinversetzen. Gerade ihr neuestes Buch «Fräulein Nettes kurzer Sommer» – eine Geschichte über einen Lebensabschnitt der deutschen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff – beweise das. Oder, wie es Jurymitglied Hanspeter Müller-Drossaart ausdrücke, sie könne wie eine Schauspielerin sich im grossen Welttheater bewegen und sei doch immer unverwechselbar und wegweisend. «Es ist eine intelligente Literatur, die uns Leser klüger macht», schloss Steiner die Laudatio.

«Etwas Aufmunterndes»

Die Autorin war sichtlich berührt und meinte, dass sie sich über den Solothurner Literaturpreis ausserordentlich freue. Sie habe es sogar geschafft, bei aller Aufregung, den Inhalt ihrer Laudatio mitzubekommen. «Eine Laudatio ist halt schon etwas sehr Aufmunterndes und Unterstützendes», meinte sie, auch wenn sie Kritiker durchaus schätze. «Bei der Kritik ist es halt immer wie bei einer Schulprüfung: Du kannst es eigentlich, aber... «So eine Laudatio ohne Wenn und Aber. Ich geniesse das». Duve las dann, trotz Heiserkeit, zwei Abschnitte aus ihrem neuesten Buch.

Die Preisverleihung stand unter der Leitung von Walter Pretelli, Präsident des Solothurner Literaturpreises. Kurt Fluri, Solothurner Stadtpräsident, dankte den Mitgliedern des Solothurner Literaturpreises für ihr kulturelles Engagement. Die Preisverleihung wurde durch Akkordeon-Spieler Ernst Rohrer musikalisch umrahmt.

Der Solothurner Literaturpreis wird jährlich «für hervorragende literarische Leistungen» an das Gesamtwerk eines deutschsprachigen Autors vergeben und ist mit 15'000 Franken dotiert.

Diese Preissumme wird seit 1994 von verschiedenen Firmen und Gemeinden aus der Region Solothurn gestiftet. Der Preis wird durch eine dreiköpfige Jury vergeben, bestehend aus Nicola Steiner (Vorsitz), Lucas Gisi und Hanspeter Müller-Drossaart.

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