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Autor Urban Zehnder: Wie «Mann» das Älterwerden packen kann

In Solothurn Wurzeln geschlagen: Urban Zehnder.

In Solothurn Wurzeln geschlagen: Urban Zehnder.

Der Solothurner hat seit seiner Pensionierung Kurzgeschichten auf seinem Online-Blog verfasst. Er berichtete von Erfahrungen und Gedanken, die ihn beim älter werden beschäftigen. Nun ist aus diesen 100 Einträgen ein ganzes Buch entstanden.

Einmal im Leben ein Buch schreiben. Das wollen viele – und viele setzen das Vorhaben auch in die Tat um. Auch der Solothurner Urban Zehnder hat es getan. Sein Buch «Hundertmal älter» ist vor kurzem, rund 170-seitig, im Eigenverlag «Schreibzeit» erschienen.

«100 Kurztexte anlässlich eines Älterwerdens» sind darin zu finden. Ein Beispiel gefällig? Unter dem Titel «Frei sein» schreibt der Autor: «Ich kann selber sagen, ob ich mich unter Stress setzen will … Wenn mir in den Sinn kommt, etwas zu benötigen, gehe ich es schnell holen. Früher musste ich aus Besorgungen immer ein kleines Projekt machen: Wann gehe ich zu wem, wie viel früher muss ich dann vom Arbeitsplatz wegfahren ...»

Vom «Gluscht», zu schreiben

Die 100 Texte hat Zehnder ab seinem Pensionierungsjahr 2010 zunächst als Online-Blog verfasst. «Es sind Beobachtungen, Erfahrungen und Gedanken, die einen Mann, der älter wird, beschäftigen», sagt der gut gelaunte heute 70-Jährige beim Kaffee. «Genau 100 Eintragungen habe ich verfasst, und als die zusammen waren, ‹gluschtete› es mich einfach, sie als Buch zusammenzufassen.»

Zehnder ist einer, der sich mit Büchern und Medien auskennt. Jahrelang habe er als Lehrer das Fach Medien an Schulen unterrichtet. Drei Jahre lang war er bis 1991 Chefredaktor des Jugendmagazins «Schweizer Jugend». «Der letzte», sagt er etwas wehmütig, denn dieses Heft, das 2002 eingestellt wurde, fehlte damals in fast keiner Familie mit Kindern. «Mit der Annahme dieser Stelle bin ich aus dem Luzernerland zunächst nach Oberdorf gekommen», erzählt er aus seinem Leben.

Und er gibt zu: Solothurn sei für ihn damals ein «weisser Fleck» gewesen. Nach der Redaktorenzeit wandte er sich wieder dem Unterrichten zu: «Ich wollte meine pädagogischen Fähigkeiten wieder anwenden.»

Schliesslich übernahm er als Fünfzigjähriger die Stelle eines Ausbildungsleiters der Stiftung Biberstein, einer Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsstätte für erwachsene Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. «Meine Lebensstelle», bezeichnet er noch heute, fünf Jahre nach der Pensionierung, diese Aufgabe.

Statt «Gebrauchstexten» kam der Blog

War er denn mit 65 nicht froh um die Pensionierung? «Das waren gemischte Gefühle. Schön war, dass sich endlich die Möglichkeit ergab, mehr zu musizieren, mehr zu schreiben, zu reisen, denn vieles ist im Laufe der Berufsjahre auf die Seite geschoben worden.» Doch der umtriebige Pensionär entwickelte rasch eine neue berufliche Herausforderung. «Ich wollte ein Schreibbüro gründen, mit der Idee, Gebrauchstexte zu verfassen.

Menükarten, Einladungen, Werbebriefe. Doch auf einen Versand an potenzielle Kunden mit meinem Angebot habe ich keinen einzigen Auftrag bekommen», sagt der Wahlsolothurner lachend. «So entstand, sozusagen im Nebenprodukt, als ich auf Aufträge wartete, die Idee zum 100-teiligen Blog.»

Zehnder überarbeitete die Texte, liess sie drucken und organisierte eine kleine Buchvernissage für Freunde. «Viele davon haben mich ermuntert, mit dem Büchlein an die Öffentlichkeit zu gehen und weitere Exemplare drucken zu lassen.

Von Mann – via Frau – zu Mann

«Ich möchte meine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Älterwerden weitergeben», beantwortet Zehnder die Frage nach seiner Triebfeder. Es mache ihm auch keinen Kummer, Privates in einem solchen Buch zu erörtern.

Er meint nur: «Ich habe immer geschrieben und weiss, was ich preisgeben kann und was nicht. Zudem habe ich nichts zu verstecken.» Besonders Männer seiner Generation sprechen nicht gerne über ihre Gefühlswelt – das weiss Zehnder auch. Deshalb sei es interessant, dass sehr viele Frauen sich bei ihm melden und erklärten, das Buch gelesen zu haben. «Vielleicht, um es ihrem Mann aufs Nachttischchen zu legen.»

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