Berufsmesse IBLive
Automatisierte Systeme benötigen qualifizierte Berufsleute

Mit der Berufsmesse IBLive Solothurn 2015 macht der Industrieverband Solothurn und Umgebung einen weiteren wichtigen Schritt zur Rekrutierung von qualifizierten, angehenden Lehrlinge. Sieben Unternehmen präsentieren sich vom 6. bis 9.Mai in Zuchwil.

Franz Schaible
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Offizielle Eröffnung der IBLive 2015 in Zuchwil
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Eröffnungsveranstaltung in der Itema
Inveso-Präsident Josef Maushart spricht zu den Anwesenden
Regierungsrat Remo Ankli, Christian Straubhaar (COO Itema) und Josef Maushart (Inveso-Präsident und CEO Fraisa)

Offizielle Eröffnung der IBLive 2015 in Zuchwil

Hanspeter Baertschi

Die Atmosphäre stimmte: In den Werkhallen der Textilmaschinenherstellerin Itema in Zuchwil, wo normalerweise auf Maschinen und Automaten Teile gedreht, gebohrt oder geschliffen werden, wurde am Dienstagabend die Berufsmesse IB Live 2015 offiziell eröffnet.

Der Ort wurde bewusst gewählt, ist der Name doch Programm und steht für Industrieberufe live erleben. Lernende werden ab Mittwoch möglicherweise künftigen Lernenden in ihrer Umgebung und in ihrer Sprache die Berufe näherbringen (siehe Kasten).

Der organisierende Industrieverband Solothurn und Umgebung (Inveso) verfolgt damit ein Hauptziel: die Rekrutierung von qualifizierten Schulabgängern für die Besetzung der Lehrstellen in den Industriebetrieben zumindest vorzubereiten.

Hohe Ausbildungsbereitschaft

Zwar belege das Thema «Fachkräftemangel» seit der abrupten Abkehr der Nationalbank vom Euro-Mindestkurs keinen Spitzenplatz mehr auf dem Sorgenbarometer der Firmen, erklärte Bildungsdirektor Remo Ankli an der Auftaktveranstaltung. Die Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung dominiere die Diskussion. Zu Unrecht sei der Mangel an guten Berufsleuten in den Hintergrund gerückt. «Dieser gründet nämlich nicht in einer kurzfristigen wirtschaftlichen Dynamik, sondern in der langfristigen demografischen Entwicklung.»

Es gelte deshalb, neben der Zuwanderung möglichst viele einheimische Fachkräfte auszubilden. In diesem Sinne lobte er einerseits die hohe Ausbildungsbereitschaft der Firmen und andererseits das Konzept der Berufsmesse, welche Schülerinnen und Schülern «die faszinierende Welt der Industrie» erleben lasse.

IBLive 2015 vom 6. bis 9. Mai 2015

IBLive steht für «IndustrieBerufe Live». Die IBLive Solothurn findet dieses Jahr bereits zum zweiten Mal im Einzugsgebiet Solothurn und Umgebung statt.

An der Messe machen die Firmen AEK Energie AG in Luterbach, Fraisa AG in Bellach, Carrosserie Hess AG in Bellach, Itema AG in Zuchwil, Stahl Gerlafingen AG in Gerlafingen, Vogt-Schild Druck AG in Derendingen und Ypsomed AG in Solothurn mit.

An der IB Live 2015 können Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10.Klasse 21 Berufe sprichwörtlich «Live» erfahren. Lernende erklären künftigen Lernenden in ihrer Umgebung und in ihrer Sprache die unterschiedlichsten Berufe – vom Anlageführer, Drucktechnologen, Fahrzeugschlosser über Informatiker, Kauffrau bis hin zu Polygraf und Polymechaniker.

Es werden rund 2400 Jugendliche, Eltern und Einzelbesucher erwartet, die auf ihrem «Parcours» eine oder mehrere Firmen besuchen werden.

Der Transport der Messebesucher von und zu den unterschiedlichen Standorten der beteiligten Firmen wird wie bereits 2013 durch einen eigens für den Event eingerichteten Shuttle-Betrieb mit Zentrum Hauptbahnhof Solothurn sichergestellt. (FS/szr)

Und dazu sei die Region Solothurn-Grenchen geradezu prädestiniert, nahm Josef Maushart, Inveso-Präsident und Chef der Bellacher Fraisa AG, den Ball auf. Es sei eine der höchstindustrialisierten Zonen der Schweiz. Es wäre ein Trugschluss zu glauben, mit der Währungskrise würde sich das Problem des Berufsnachwuchses abschwächen. Im Gegenteil. «Die Unternehmen müssen sich auf die Parität Franken/Euro einstellen und in eine automatisierte Produktion investieren, um auch auf lange Sicht konkurrenzfähig zu bleiben.»

Das bedeute keine Reduktion des Bedarfs an qualifizierten Berufsleuten. Zwar würden manuelle, repetitive und einfache Tätigkeiten vermehrt durch Maschinen und flexible Robotersysteme abgelöst. Und um diese zu bedienen und effizient nutzen zu können, benötige es eben vermehrt ausgebildete Berufsleute, Techniker und Ingenieure. Der Bedarf an gelernten und hoch qualifizierten Berufsleuten werde von heute 70 auf 85 Prozent der Belegschaften ansteigen.

Nachholbildung als «Schlüssel»

Das bedeute, die Beschäftigten ohne Berufslehre seien mit dem Instrument der Nachholbildung – «das ist ein Schlüsselelement» – arbeitsmarktfähig zu machen. Und da würden die Firmen vom Kanton Solothurn vorbildlich unterstützt. Ferner brauche es den nötigen beruflichen Nachwuchs, kehrte Maushart zur IB Live zurück. Der starke Franken werde diesen Personalwandel nicht hemmen, sondern beschleunigen. «Deshalb kann die Nachwuchsförderung unter den gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen nicht aktueller sein.»

Über die Rolle der Schule im Berufsbildungsprozess referierte Markus Bleuer, Oberstufenlehrer in Zuchwil. Ziel der abgebenden Schulen sei es, die Jugendlichen «lebensfähig zu machen». Ein Teil davon sei der Eintritt ins Berufsleben. «Wir vermitteln dazu eine Grundbildung, aber keine Fachbildung.» Das sei dann Aufgabe der Ausbildungsfirmen.

Christian Straubhaar, Chef der Itema (Schweiz) AG, führte anschliessend als Gastherr durch die Produktion. Dort stellten Lernende den Erwachsenen verschiedene Berufsfelder praxisnah vor. Das Projekt «IB Live» wurde ursprünglich vom Industrie- und Handelsverband Grenchen entwickelt und bereits vier Mal in Grenchen umgesetzt. Alternierend wird die Messe seit 2013 alle zwei Jahre in Solothurn durchgeführt.