Verkehr
Autobahnzubringer Oberaargau: Der grosse Eiertanz um Bundesgelder

National- und Ständerat verwehrten Bern Gelder für Autobahnzubringer Oberaargau. Nun will die Bundes-Verwaltung doch zahlen, sagt aber nicht wie viel.

samuel thomi
Drucken
Teilen
Erhält der Oberaargau einen Direktanschluss an die A1, brauchts dafür bei Aarwangen eine Brücke über die Aare.

Erhält der Oberaargau einen Direktanschluss an die A1, brauchts dafür bei Aarwangen eine Brücke über die Aare.

AZ

Alter Wein in neuen Schläuchen – damit das versagte Bundesgeld doch noch fliesst. Bislang scheint der Kanton Bern damit gut zu fahren. Jedenfalls wurde Regierungsrätin Barbara Egger in den letzten Tagen nicht müde zu betonen, der Bund habe bereits Geld an die Verkehrssanierung Oberaargau zugesagt und auch fürs Emmental würden Bundesgelder erwartet.

Dies nachdem es National- und Ständerat noch vor Jahresfrist klar ablehnten, die damals «Autobahnzubringer Oberaargau und Emmental» genannten Projekte ins Nationalstrassennetz aufzunehmen und damit mitzufinanzieren. Näher wollte die Verkehrsdirektorin allerdings nicht auf die Finanzierung durch Dritte eingehen.

Fragt sich, was sagt eigentlich der Bund zu diesen Versprechen? Inhaltlich will sich das Bundesamt für Strassen (Astra) nicht zu den letzte Woche vorgestellten je zwei Varianten äussern.

Da der Bund aber den Ausbau der Autobahn zwischen Luterbach und Härkingen auf sechs Spuren plant, werde man mit dem Kanton «mögliche verkehrlich flankierende Massnahmen (Flama) diskutieren».

Sprecher Guido Bielmann schreibt weiter: «Im Umfang der Ohnehin-Kosten für die Flama wurde Bern eine Mitfinanzierung der Umfahrung Aarwangen in Aussicht gestellt.» Eine Schätzung gebe es noch nicht.

Für die Umfahrung rechnet der Kanton neu mit 136 Millionen Franken (davon 30 Millionen für bestehende Strassen). Die Optimierung der Ortsdurchfahrt (Variante Nullplus) kostete 44 Millionen und damit etwas mehr als beim letzten Projekt. Auf die Nachfrage, ob der Bund zumindest eine Maximalsumme oder einen Maximalanteil für Flama vorsehe geht das Astra nicht ein.

Klar ist indes, dass die finanzielle Situation im Emmental noch auf wackligeren Füssen steht. Zum einen, weil dort die prognostizierten Kosten für die Tunnel-Umfahrung Burgdorfs seit dem letzten Projekt von 370 auf 647 Millionen Franken hochschnellten (davon 19 Millionen für bestehende Strassen; Nullplus kostet 144 Millionen). Und zum anderen, weil für den A1-Sechs-Spur-Ausbau Kirchberg–Schönbühl ein generelles Projekt laut Astra erst ausgearbeitet wird. Zudem dürfte aus dem Agglomerationsfonds des Bundes aufgrund der Priorisierung der Projekte kaum Gelder fliessen.

«Egal aus welcher Kasse, der Bund tut gut daran, beide Projekte zu unterstützen», sagt der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann, der sich schon länger für beide Umfahrungen einsetzt. «Diese bernischen Projekte haben Auswirkungen bis ins Wasseramt und Entlebuch.» Bald werde sich mit seiner «Milchkuh-Initiative» sowie dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds NAF die Strassenfinanzierung ohnehin klären, ist Wobmann zuversichtlich.

skeptischer äussert sich Evi Allemann, SP-Nationalrätin BE und VCS-Präsidentin: «Wenn die Verkehrsprobleme im Oberaargau und Emmental gelöst werden sollen, muss möglichst schnell ein realistischer Entscheid gefällt werden.» Gut für die Umwelt und bezahlbar seien nur die Nullplus-Varianten.

Auch in der Region mehren sich derweil Bedenkenträger, die nicht in die Euphorie der ersten Tage nach der Präsentation der Vorprojekte einstimmen mögen. «Wir wollen wissen, was der Kanton gegen den Mehrverkehr durch Bützberg und den Schleichverkehr via Thunstetten macht», so Gemeindepräsident Fred Röthlisberger. Persönlich favorisiere er zwar eine Umfahrung; der Rat habe aber noch nicht entschieden. Die Ausstellung der Projekte in Aarwangen will auch Langenthals Gemeinderat besuchen – und sich aufgrund des Mehrverkehrs wohl mit einem Ja-Aber positionieren. Obwohl Stapi Thomas Rufener als Präsident der Aare Seeland Mobil (ASM) schon mal vorpreschte und klar für die Umfahrung votierte. Doch gibt es auch aus der mehrheitlich in Kantonsbesitz stehenden ASM Befürchtungen, mit öV-Geldern würden neue Strassen quersubventioniert. Denn ausser 280 Millionen zurückgestellten Gewinnen aus besseren Zeiten fehlt dem Kanton Bern Geld für grosse Sprünge.

Anders als Anfang Jahr erhofft bleibt den Oberaargauern zudem die Schützenhilfe aus der solothurnischen Nachbarschaft versagt: «Zuerst muss uns der Bund helfen, unser Zentrum vom Verkehr und den Lastwagen zu entlasten», so Oensingens Gemeindepräsident Markus Flury. «Ich rechne aber bald mit einem Entscheid des Astra.» Denn im November muss Solothurn die Bundesbeiträge für den A1-Direktanschluss der Oensinger Industrie und die Entlastungsstrasse Oensingen–Niederbipp eingeben.

Aktuelle Nachrichten