Solothurn
Mit Bildern hin zum Leben und Licht: Kunstausstellung im Bürgerspital

Der Solothurner Künstler Jörg Mollett ist der Erste, der im neuen Kunst Raum 1 im Neubau des Bürgerspitals der SoH ausstellt.

Fränzi Zwahlen
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Der neue Ausstellungsraum Kunst Raum 1. Jörg Mollet (r.) ist der erste Künstler, der ausstellt. Daneben einige Mitglieder der neuen Kunstkommission (v.l.) Peter Jeker, Rita Füeg, Dieter Hänggi, Pascal Kissling, Maya Bamert.

Der neue Ausstellungsraum Kunst Raum 1. Jörg Mollet (r.) ist der erste Künstler, der ausstellt. Daneben einige Mitglieder der neuen Kunstkommission (v.l.) Peter Jeker, Rita Füeg, Dieter Hänggi, Pascal Kissling, Maya Bamert.

Hanspeter Bärtschi

«Ins Licht geschnitten». So übertitelt der Solothurner Künstler Jörg Mollet seine Ausstellung mit neuen und wenigen älteren Arbeiten, die er als Erster im Kunst Raum 1 im Neubau des Bürgerspitals Solothurn der SoH zeigt. Es sind - wie seit vielen Jahren bei ihm - meist Arbeiten auf japanischen Shoji-Papier. Er verleimt die Papierschichten mehrfach, so dass eine gewisse Transparenz und Dreidimensionalität entstehen kann.

Typisch bei Mollet sind die grossen Farbflächen, die er gerne zeigt. Oft Gelb-, Ocker- oder Brauntöne. «Vielleicht noch Reminiszenzen an meine vielen Aufenthalte in den Wüsten der Welt», sagt er selbst. Doch haben die zwei ersten Arbeiten der chronologisch gehängten Schau so gar nichts mit Wüste zu tun. Vorbild hier war der niederländische Meister Vermeer.

«Bei einem Aufenthalt in Amsterdam schaute ich mir Vermeers Bilder an und da ist mir aufgefallen, dass er meist ein Fenster malt, durch welches Licht fällt.»

Dieses «Fenster» hat Mollet aufgenommen, und verweist in zwei Arbeiten, die er 2004 bereits schuf, mit gelblichen Flächen auf diese Fenster. Er stellt sie über barockartig gemalte Muster überdecken. Fenster ins Licht.

Das satte Hellgelb eines Pirols

Dann folgt in der Bilderschau das grossformatige Werk «Pirol» aus dem Jahr 2019. Sattes Hellgelb herrscht hier vor, eben genau die Farbe, welche das Federkleid des Vogels mehrheitlich aufweist. «Auf einer Vogelexkursion wurde ich auf diesen Vogel aufmerksam. Doch nahm ich ihn eher als schwarzes Objekt war, das im Flug vorbei schwirrte», erinnert sich der Künstler.

Doch die satt-gelbe Farbe begeisterte Mollet so sehr, dass er damit ein Bild in der Grösse von 192 x 179 cm herstellte. Mehrere Kozo-Japan-Papierbahnen gelb-schwarz bemalt, hat er nebeneinanderstellt. Seine Enkelin Wilma Mollet nähte diese Papierbahnen dann nach Anleitung des Künstler nebeneinander.

Jörg Mollet bei den letzten Vorbereitungen im neuen Kunstraum.

Jörg Mollet bei den letzten Vorbereitungen im neuen Kunstraum.

Hanspeter Bärtschi

Das Coronajahr 2020 und eine Krankheit hat dann Jörg Mollet in seinem Schaffen - nicht behindert - aber zu einer neuen Schaffensperiode gebracht. Er erzählt:

«Im Innenhof meines Ateliers wachsen alle Arten von Pflanzen. Zierpflanzen aber auch Unkraut. Diese Arten, ihr Wachstum, ihre Formen und Farben haben mich zu einer neuen Schaffensphase gebracht.»

Mollet fotografierte unterschiedlichste Ansichten der Gewächse und übertrug deren Umrisse und Formen auf Papier. So sind eine Unzahl von schemenhaften Zeichnungen entstanden, welche die Pflanzenformen andeuten. Ab und zu sind die Blätterformen zu erkennen.

Die Zeichnungen setzt Mollet dann in unendlich neuen Variationen durch Nähen neu zusammen, fügt rote meist aber wiederum satte gelbe Flächen hinzu. Mal setzt der Künstler einen heftig-energischen Strich, dann aber wieder einen zart-zerbrechlichen. «Lichter Raum» heissen diese Arbeiten, zu denen man sich unwiderstehlich hingezogen fühlt.

Jörg Mollet ist stolz, als erster Kunstschaffender im Kunst Raum 1 ausstellen zu können. «Ich bin hier auf Leute mit grossem Herz für die Kunst gestossen», freut er sich.

Heftig-energische Striche und zart-zerbrechliche Linien in den Werken von Jörg Mollet.

Heftig-energische Striche und zart-zerbrechliche Linien in den Werken von Jörg Mollet.

Hanspeter Bärtschi

Ein Kunstraum, der beim Gesunden hilft

«Kunst Haus 1» - So nennt sich der für Kunst reservierte Raum im neuen Bürgerspital Solothurn. Künftig soll hier, am Ende des langen Gangs des Spitaleingangs jährlich zwei Kunstschaffende ihre Arbeiten zeigen können. «Es ist ein öffentlicher Bereich in der Begegnungszone», sagt dazu Dieter Hänggi, Leiter Pflegedienst und Vorsitzender der neu geschaffenen Kunstkommission des Spitals.

«Der Blick der Besucher kann hier nach draussen, in die Natur gehen, er kann aber auch hin zu den Kunstwerken gehen, die an der gut 90 m2 Meter grossen Wand aufgehängt werden.»

Die Künstler selbst sollen die Autorenschaft dieser Ausstellungen übernehmen. Sie sind also frei, die Wände zu gestalten.

Resilienz soll gefördert werden

«Es ist erwiesen, dass Kunst den Genesungsprozess von Patienten positiv beeinflussen kann», weiss Hänggi. Und auch den Mitarbeitenden soll der Blick auf die künstlerischen Interventionen Anregung oder Abwechslung bringen. Eine gute Architektur sowie ein künstlerisch anregendes Umfeld können die Resilienz der Patienten und der Mitarbeitenden positiv beeinflussen, besagen Studien. Hänggi sagt:

«Mit dem Kunst Raum 1 schaffen wir also eine Win-Win-Situation für das Haus und aber auch für die regionalen Künstler.»

Man habe sich also vorgenommen, in diesem Kunstraum vorwiegend regional und kantonal arbeitende Kunstschaffende einzuladen, so Hänggi. Die zwei Ausstellungen pro Jahr sollen jeweils 11 Wochen zu sehen sein.

Eine neue, mehrköpfige Kunstkommission wurde ins Leben gerufen, welche die Ausstellungen verantwortet. Der Kommission gehören an: Dieter Hänggi (Vorsitzender, Vertreter Spitaldirektion und Pflege); Pascal Kissling (Chefarzt Gefässchirurgie); Jasmine Vonlanthen (ehemaliger Kur-und Rehavermittlerin BSS, Kunstkennerin, Erf. KSO und Archiv); Maja Bamert (Assistenz Hotellerie, Kunstkennerin und Erfahrung Kunst im Personalrestaurant); Jürg Gurtner (Projektleiter Technischer Dienst, «Hängemeister» und technischer Unterstützer); Rita Füeg (Assistenz Direktion, Organisation); Franziska Strecker (Projektleiterin Marketing und Kommunikation) und Peter Jeker, externer Berater, Kunstschaffender Kulturpreisträger, Langendorf.

Es soll hochwertige Kunst gezeigt werden, so die Devise.

Hinweis Bis 13. Januar. Weitere Infos auf der Website der Solothurner Spitäler.

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